Aktie unter der Lupe
Jet Blue legt fulminanten Börsenstart hin

Der Billigflieger Jet Blue ist nicht nur an der Börse durchgestartet. Auch bei den Umsätzen und beim Gewinn hat das Unternehmen 2001 den großen US-Fluggesellschaften den Kurs vorgegeben. Analysten sehen den steilen Aufstieg aber auch mit Sorge, denn die Billigflug-Konkurrenz schläft nicht.

dek CHICAGO. Erfolgreiche Börsengänge ziehen gerade in Zeiten einer Flaute an der Wall Street große Aufmerksamkeit auf sich. So ist die Billigfluggesellschaft Jet Blue trotz eines verhältnismäßig bescheidenen Emissionsvolumens zum Lieblingsthema des New Yorker Finanzviertels geworden. Mit einem Kurssprung von gut 65 % am ersten Handelstag weckte Jet Blue bei den Anlegern für einen Moment Erinnerungen an vergangene Boomzeiten. Dem Unternehmen brachte das Börsen-Debüt 159 Mill. $ ein. Viel mehr zählt jedoch, dass die Aktie auch Tage nach dem Börsengang noch weit über dem Ausgabepreis bei rund 45 $ notiert.

Im Fahrwasser des erfolgreichen Börsengangs von Jet Blue kam mit Express Jet kürzlich noch eine weitere Billigfluggesellschaft an den Markt. Billigflieger scheinen der einzige Teil der wirtschaftlich schwer gebeutelten Airline-Branche zu sein, der genügend Anlegerinteresse findet. Immerhin haben 60 % der amerikanischen Unternehmen bereits angekündigt, bei den Flugausgaben zu sparen. Und zwar unter anderem durch die stärkere Nutzung der Billigflieger.

Jet Blue hat in den zwei Jahren seit Bestehen viel richtig gemacht, doch das mit Abstand beste Aushängeschild der Fluggesellschaft ist der exzellente Ruf der Geschäftsleitung. Angeführt von Vorstandschef (CEO) David Neeleman brachte es Jet Blue in einer für Airlines äußerst schweren Zeit fertig, namhafte Investoren wie etwa J.P. Morgan Chase oder George Soros anzuziehen. Dank der guten Kapitalisierung konnte die Gesellschaft selbst in den turbulenten Monaten nach den Terroranschlägen am 11. September weiter konzentriert auf die Umsetzung des Geschäftsmodells setzten. "Die machen es richtig", sagt Sal Morreale, Analyst bei der Investmentgesellschaft Cantor Fitzgerald, "obschon sie im Billigfluggeschäft tätig sind, bieten sie einigen Komfort an".

Um die Kosten niedrig zu halten setzt Neeleman ausschließlich auf einen Flugzeugtyp, den Airbus A320, was die Wartungskosten senkt. Die Strategie zahlt sich offenbar aus. Gespart wird aber noch an vielen anderen Stellen, etwa im Vertrieb: Wie bei Ryanair gibt es nur elektronische Tickets, um die Provisionen für Reisebüros einzusparen. Zudem werden hauptsächlich kleinere Flughäfen genutzt, bei denen die Landegebühren niedriger sind.

Im Gegensatz zu den großen Airline-Gesellschaften, die sich im vergangenen Jahr kaum über Wasser halten konnten, schreibt Jet Blue schwarze Zahlen. 2001 machte Jet Blue bei einem Umsatz von 320,4 Mill. $ immerhin 38,5 Mill. $ Gewinn. Dabei flogen die US-Airlines im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 9 Mrd. $ Verluste ein.

Trotz des guten Managements ist Jet Blue aber nichts für Anleger mit schwachen Nerven. "Viele Faktoren befinden sich außerhalb des Einflussbereichs der Geschäftsleitung", sagt David Klaskin, Analyst bei Oak Ridge Investments in Chicago. Ein weiteres Fragezeichen setzen Analysten hinter den bereits ansehnlichen Kurs der Aktien. "Wir mögen die Airline, aber mit dem Risiko würden wir die Aktie nur für rund 20 $ kaufen", sagt Jonathan Schrader, Analyst beim Vermögensverwalter Morningstar in Chicago.

Für Nervosität unter den Analysten sorgt auch die zu erwartende Reaktion von Branchenführerin Southwest Airlines. Wie lange wird die Billigflugkönigin tatenlos zusehen, wie Jet Blue Marktanteile gewinnt? Mit einer weit größeren Flotte und einem tadellosen Markennamen dürfte Southwest in naher Zukunft an der glänzenden Fassade von Jet Blue kratzen.

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