AKTIE UNTER DER LUPE
Kamps-Aktie leidet unter Vertrauensverlust

Die Boom-Phase der Bäckerei-Aktie scheint in weite Ferne gerückt. Nach dem Hoch vom Februar 2000 befindet sich die Aktie des Bäckerei-Konzerns seit eineinhalb Jahren auf Talfahrt. Nach der Gewinnwarnung am Mittwoch fiel die Aktie um4 0 %.

fer/HB DÜSSELDORF. Heiner Kamps hatte geschafft, was ihm keiner zugetraut hatte: Dem gelernten Bäckermeister war es gelungen, aus einigen Ketten Europas größten Bäckereikonzern zu formen. Die alten Kritiker waren verstummt. "Sie haben wohl zu lange am Ofen gestanden", hatten ihn Analysten früher gehänselt, als er ihnen seine Prognosen präsentierte. Doch nun war Kamps ganz oben: Im Februar 2000 erreichte der Aktienkurs seines Unternehmens kurzzeitig 44,25 Euro - damit hatte er seit der Emission im April 1998 um über 1000 % zugelegt. "Rendite mit Krümeln", jubelte das "Manager-Magazin", und Capital überzeugte der "große Appetit" des Back-Riesen.

Doch seit dem Allzeit-Hoch bekommt die Aktie des Brezelkönigs nichts mehr gebacken: Nach anderthalbjähriger Talfahrt steht der Kurs nun mit 5,90 Euro fast wieder auf dem Emissionsniveau von 4,18 Euro. Am vergangenen Mittwoch fiel die Aktie nach einer Gewinnwarnung im Halbjahresbericht um 40 %: Das Betriebsergebnis (Ebit) werde 2001 nicht das Ziel von 130 Mill. Euro erreichen, sondern mit 90 Mill. Euro sogar unter dem Vorjahresniveau von 104 Mill. Euro bleiben. Wie geht es nun weiter?

Markt hat Vertrauen in Management verloren

Trotz des niedrigen Kurses ist Burkhard Sawazki von HSBC Securities wenig optimistisch: "Der Markt hat jegliches Vertrauen in das Management verloren, deshalb sehe ich wenig Aufwärtspotenzial für die Aktie." Allerdings ist er zuversichtlich, dass das Papier nach dem freien Fall der vergangenen Woche auf dem aktuellen Niveau einen Boden gefunden hat. "Kamps hat an einem zu großen Rad gedreht", sagt Sawazki. Der Bäckermeister habe sich bei der Expansion übernommen: Durch die Übernahmen ist der Schuldenberg auf 700 Mill. Euro gewachsen.

Kamps hat ab diesem Jahr einen Abbau der Verschuldung von jährlich 50 Mill. Euro angekündigt. Doch Sawazki sieht hierbei Gefahren: "Eine solche Summe lässt sich nicht einfach aus dem Cash-Flow generieren", sagt er. Um das Ziel zu erreichen, müsse Kamps wichtige Investitionen verschieben oder gar Desinvestitionen vornehmen - beispielsweise in einem ertragsschwachen Geschäftsfeld wie dem Kuchenbereich.

Merrill Lynch: Der Konzern ist unterbewertet

John Beaumont von Merrill Lynch ist optimistischer, was den Schuldenabbau anbetrifft. Die Investmentbank hat den Kamps-Börsengang mitbegleitet. Beaumont rechnet damit, dass es Kamps gelingt, seine Nettoschulden um 41 Mill. Euro im Jahr 2001, um 90 Mill. 2002 und um weitere 100 Mill. Euro im Jahr 2003 zu reduzieren. "Der damit verbundene Investitionsrückgang wird die Wettbewerbsposition von Kamps nicht gefährden", sagt Beaumont. Die Produktion sei auf modernem Stand und nicht von kurzfristigen Investitionen abhängig. Die revidierte Gewinnprognose des Börsen-Bäckers für 2001 hält der Merrill-Experte für realistisch. Auf Grund des Vertrauensverlusts für Kamps hat Merrill Lynch die Aktie für die kommenden zwölf Monate auf "neutral" gestuft. "Fundamental ist Kamps aber unterbewertet", sagt Beaumont. Den fairen Wert des Papiers gibt er mit 10 Euro an.

Jadwiga Bobrowska von der zweiten Konsortialbank WestLB hingegen ist sich momentan nicht sicher, wie sie die Aktie bewerten soll: "Um das Vertrauen des Marktes zurückzugewinnen, muss Kamps erst die neuen Prognosen erfüllen." Momentan sei es sehr schwer abzuschätzen, ob dies gelingen werde. Wenn der Kurs jedoch weiter sinkt, sieht Bobrowska Kamps als Übernahmekandidaten.

Kamps als Übernahmekandidat?

Ein möglicher Interessent könnte der amerikanische Bäckereikonzern Sara Lee sein, der zuletzt stark expandiert Erst Anfang Juli hat der Konzern für 2,8 Mrd. $ den US-Konkurrenten Earthgrains übernommen. HSBC-Analyst Sawazki hält es aber für unwahrscheinlich, dass der US-Konzern Kamps übernimmt. "So billig ist Kamps immer noch nicht", sagt er. Schließlich müsse ein Käufer auch die hohen Schulden des Back-Konzerns bezahlen.

So muss der gefallene Brezelkönig vorerst alleine neue Qualitäten beweisen - beim Schuldenabbau geht es nun um die Wurst.

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