Aktie unter der Lupe
Kaum Hoffnung für Infineon

Die Aktie des einstigen Börsenlieblings Infineon kennt derzeit nur eine Richtung - nach unten. Das Papier markiert immer neue Tiefstände. Das Problem ist vor allem die geplante Kapitalerhöhung, die unmittelbar bevor steht. Auch für die Zukunft haben Analysten wenig Hoffnung.

MÜNCHEN. Die rote Laterne im Deutschen Aktienindex (Dax) hat die Infineon-Aktie inzwischen fest gebucht. Am Mittwoch war das volatile Halbleiter-Papier mit einem Minus von zeitweise fast 5 % erneut der Tagesverlierer. Infineon befindet sich im freien Fall.

Besserung ist nicht in Sicht. Zum einen ist eine schnelle Erholung der weltweiten Halbleiter-Märkte nicht zu erwarten. Zum anderen will Infineon-Chef Ulrich Schumacher möglichst bald eine Kapitalerhöhung am Markt unter bringen, was zusätzlich auf den Kurs drückt. Die Gerüchteküche über Datum und Volumen läuft derzeit heiß. Als sicher gilt, dass die Road-Show für die neuen Aktien in Kürze beginnt. Noch fehlt das grüne Licht der US-Börsenaufsicht SEC.

Infineon will bis zu 60 Mill. Aktien in erster Linie bei institutionellen Anlegern in den USA, aber auch in Europa platzieren. Nach heutigem Kurs entspricht das einem Volumen von etwa 1,5 Mrd. Euro. Der Zeitpunkt sei nicht gerade ideal, räumte Schumacher angesichts der Krise von Chipaktien zuletzt ein. Aber Infineon braucht das Kapital dringend. Zum einen sollen damit Investitionen getätigt werden, zum anderen sind Akquisitionen geplant. Damit würden die derzeit günstigen Preise am Markt geschickt genutzt. Voraussetzung ist aber, dass die Kapitalerhöhung auch untergebracht wird, was nicht leicht werden dürfte.

Keine Chancen auf rasche Kurserholung

Analysten sehen nach der Gewinnwarnung und erst recht nach der anschließenden Ankündigung für eine Kapitalerhöhung keine Chancen auf eine rasche Kurserholung. Die Reihe der Finanzhäuser, die ihre Ertragsprognosen und/oder Anlageurteile nach unten korrigierten, ist lang. Allein in den vergangenen Tagen äußerten sich UBS Warburg, Banc of America, Commerzbank, Deutsche Bank, Hypo-Vereinsbank, Merck Finck, Morgan Stanley, Schroder Salomon Smith Barney, West LB Panmure und Lehman Brothers skeptisch bis negativ. Denn einen Aufschwung im Markt für Speicherchips (DRAM) erwarten die Experten erst Mitte 2002.

"Auch nach einer Erholung werden die Preise nicht kräftig steigen", prognostiziert André Jäkel von der BHF-Bank. Er sieht die Siemens - Tochter gegenüber Wettbewerbern im Nachteil: "Infineon produziert teurer als Konkurrenten wie Samsung." Obwohl die geplante Kapitalerhöhung den Aktienkurs zusätzlich belastet, ist diese aus Sicht der Analysten notwendig. "Infineon muss investieren, um mit der Konkurrenz mithalten zu können", sieht Jäkel keine Alternative zur geplanten Geldbeschaffung.

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