Aktie unter der Lupe
Kontron lockt die Anleger mit einer Fusion

Seit Mitte vergangener Woche scheint Kontron-Chef Hannes Niederhauser endlich am Ziel seiner Wünsche. Am Mittwoch segneten 99,98 % der auf der Hauptversammlung vertretenen Stimmen den Vorschlag ab, mit dem Mitbewerber Jumptec zu fusionieren. Damit steht der Unternehmensehe zwischen den beiden am Neuen Markt gelisteten Unternehmen nichts mehr im Wege - eine Liebesheirat, wie Niederhauser betont.

HB DÜSSELDORF. Tatsächlich macht das Zusammengehen der beiden Gesellschaften auf dem Papier Sinn. Sowohl Kontron als auch Jumptec sind im Markt für so genannte Embedded Boards tätig. Das sind vereinfacht gesagt Minicomputer, die eigenständig bestimmte Steuerungsprozesse übernehmen. Die Einsatzmöglichkeiten solcher Boards sind vielfältig. Sie reichen von der Medizintechnik über Klimaanlagen und Aufzüge bis hin zu militärischen Waffen- und Sicherheitssystemen.

Durch die Fusion wird die neu gegründete Kontron AG, auf die formaljuristisch beide Unternehmen verschmolzen werden, zum Weltmarktführer, der nun eine umfassende Produktpalette anbieten kann. Bislang ist Kontron eher auf größere Boards für spezifische Anwendung spezialisiert. Jumptecs Domäne sind dagegen kleinere Einheiten, die beispielsweise in medizinischen Geräten eingesetzt werden. Dazu ergänzen sich beiden Gesellschaften in Sachen Kunden und regionaler Aufstellung.

Das Management beziffert denn auch die Synergiepotenziale, die sich in Einkauf, Vertrieb und Forschung und Entwicklung ergeben auf 25 Mill. Euro. Ein Wert, von dem erfahrene Börsianer wissen, wie schnell er sich als Makulatur erweisen kann, wenn es darum geht, die Integration in die Praxis umzusetzen. Negativbeispiele wie Daimler-Chrysler gibt es genug. Hinzu kommt, dass Kontron (ebenso wie Jumptec) unter der nachlassenden Nachfrage im Halbleiterbereich leidet und seine Umsatz- und Ergebnisprognosen nach unten anpassen musste. "Ein Risikopunkt ist außerdem", so Alexander Rummler vom Bankhaus Trinkaus & Burkhardt, "dass Kontron in den vergangenen Jahren viele Akquisitionen getätigt hat. Es besteht das Risiko, dass in nächster Zeit Problemfälle unter den Konzerngesellschaften auftauchen könnten."

So wundert es nicht, dass der Kontron-Kurs derzeit bei rund 6 Euro auf der Stelle tritt - für viele Analysten zu Unrecht. "Wir halten die in Aussicht gestellten Synergiepotenziale durchaus für realistisch", so Ronald Reepel von Independent Research. "Schließlich muss man sehen, dass sie in einen Zeitraum von mehreren Jahren realisiert werden sollen." Auch den angestrebten Gesamtumsatz beider Unternehmen von 300 Mill. Euro hält der Analyst für möglich. Er stuft das Papier deshalb aktuell mit "übergewichten" ein.

"Inwieweit aber die Potenziale im Einkauf umgesetzt werden, hängt natürlich auch davon ab, wie sich die Umsätze in den kommenden Jahren entwicklen", schränkt Analystenkollege Rummler ein, der die Aktie dennoch mit "add" einstuft - was bedeutet, dass er ihr ein Kurspotenzial von 15 bis 20 Prozent zutraut.

In der Bewertung der generellen Marktaussichten gehen die Meinungen der Experten auseinander. Während Rummler eher verhalten skeptisch ist, prognostiziert die Landesbank Baden-Württemberg, dass sich Bereich der Embedded Computer-Boards wieder beleben wird. Sie rät bei Kontron ebenso wie die WestLB Panmure zum Kauf.

Quelle: Handelsblatt

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