Aktie unter der Lupe
KPN hat die Talsohle durchschritten

Wie warme Semmeln: Kaum 12 Minuten brauchte Bell South vergangene Woche, um 234,7 Mill. Aktien des niederländischen Telefonkonzerns KPN an den Mann zu bringen. 1,2 Mrd. Euro kassierte das Unternehmen aus Atlanta, das zu den größten US-Anbietern bei Lokal-Gesprächen zählt, und bescherte den KPN-Papieren eine kleine Trendwende.

BRÜSSEL. Der Kurs des hochverschuldeten ehemals staatlichen Telekommunikationskonzerns, zu dem auch E-Plus gehört, kletterte nach dem raschen Verkauf des 9,4 prozentigen Anteils um über 7 % auf 5,68 Euro. KPN stand damit auf einem ungewohnten Podest: Tagesgewinner an der Amsterdamer Börse. Damit nicht genug. Der positive Trend setzte sich am Ende der Woche fort und auch gestern enttäuschten die KPN-Papiere mit einem Plus am späten Nachmittag von über 2 % nicht.

Das ist neu: Die Aktien galten im vergangenen Jahr als üble Verlustbringer, büßten knapp die Hälfte ihres Werts ein und liefen damit erheblich schlechter als der niederländische Benchmark-Index AEX, der 2001 um 5,6 % nachgab.

Nach dem erfolgreichen Aktien-Verkauf durch Bell South hellt sich die Stimmung der Analysten nun grundlegend auf: Goldman Sachs stufte KPN nach oben auf "Market Out-Perfomer" und rechnet damit, dass sich die Aktie besser als der Branchenindex entwickelt. Ein Grund für die gute Laune der Analysten ist, dass es nicht zu der befürchteten Verwässerung der KPN-Anteile durch einen "tropfenweisen" Verkauf kam. Nachdem Bell South seinen 22 % Anteil an E-Plus in das KPN-Aktienpaket getauscht hatte, hielten sich viele Investoren aus Angst vor diesem so genannten "Überhang" zurück.

Tim Poulus, Analyst bei der Robeco Groep, stuft die KPN-Papiere zwar auf "neutral" ein, sieht aber einen positiven Trend im Unternehmen, seit es im vergangenen September einen Führungswechsel gab: Der "Neue", Ad Scheepbouwer, hatte zwar als Aufsichtsratsmitglied den kostspieligen Expansionskurs mitgetragen, der durch den Erwerb von E-Plus und teuren UMTS-Lizenzen einen Schuldenberg von 21,9 Mrd. Euro aufhäufte. Doch der Mann kann auf Erfahrung beim Umbau ehemaliger Staatsmonopolisten zurückblicken. Scheepbouwer formte aus der niederländischen Post den profitablen Logistik-Konzern TPG. Seit seinem Antritt jedenfalls schrumpften die KPN-Miesen signifikant. Bis zum Jahresende plant Scheepbouwer den Berg auf "nur" noch 14,9 Mrd. Euro abzutragen. Dazu hat er dem als bürokratisch geltenden Konzern eine harte Rationalisierungskur verordnet und neue Aktien im Wert von 5 Mrd. Euro platziert.

"Im Vergleich zur Deutschen Telekom und zu France Telecom hat KPN den eigenen Stall besser aufgeräumt", meint auch René Verhoef, Analyst bei Fortis. Die belgisch-niederländische Bank stuft KPN auf "buy" und rechnet langfristig mit einem Kurs von 7,30 Euro. "KPN hat getan was getan werden musste", sagt Neil Juggins von BNP Parisbas. Die Frage sei nun, was mit E-Plus geschehe.

Die deutsche Tochter bleibt in den Augen der Analysten das größte Fragezeichen im KPN-Konzept. Rund 14 Mrd. Euro mussten die Niederländer auf ihre Beteiligung an E-Plus abschreiben. Resultat: Das Konzernergebnis 2001 zeichnet sich durch ein bisher einmalig dickes Minus von 7,5 Mrd. Euro aus. "E-Plus hat noch nicht genug Kunden", meint Fortis-Analyst Verhoef. Eine gute Marktposition sei mit 15 Mill. Vertragskunden erreicht. Zurzeit telefonieren rund 7,5 Mill. Menschen in Deutschland mit E-Plus, der Nummer Drei auf dem Markt. Die Aufmerksamkeit der Analysten richtet sich daher auf den Konkurrenten Mobilcom. "Je nach dem wie der Machtkampf mit France Telecom ausgeht, ergeben sich Chancen für eine Konsolidierung des Marktes", so Verhoef. Eine UMTS-Ehe von E-Plus und Mobilcom wäre ganz im Sinne von KPN. Mobilcom müsste dann jedoch seine UMTS-Lizenz abgeben, so ein KPN-Sprecher - ein schweres Verlobungshindernis.

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