Aktie unter der Lupe
Leoni wächst in schlechten Zeiten

Der Automobilzulieferer Leoni hat Rekordzahlen vorgelegt und seine Prognosen für das Gesamtjahr bekräftigt. Der Börsenkurs kommt dennoch nicht richtig in Schwung. Analysten sehen Potenzial.

DÜSSELDORF. Und es gibt sie doch, die guten Nachrichten von Aktiengesellschaften: Während andere Unternehmen ihre Gewinnprognosen deutlich verfehlen, legte der Kabel- und Drahthersteller Leoni AG vergangene Woche das beste Halbjahresergebnis seiner Firmengeschichte vor: Umsatz und Ertrag wuchsen mit zweistelligen Prozentraten - damit setzte sich das S-Dax-Mitglied eindrucksvoll von der Konjunkturlage ab.

Doch die Börse will von den gut laufenden Geschäften bei Leoni offenbar nichts wissen: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) liegt bei mageren 6. Wegen der niedrigen Bewertung und den weiterhin guten Perspektiven des Unternehmens plus einer Prise Übernahmephantasie steht das Nürnberger Unternehmen bei Fondsmanagern und Analysten auf der Kaufliste.

Im 1. Halbjahr setzte Leoni 560 Mill. Euro (plus 19 %) um, das Ergebnis aus gewöhnlicher Geschäftstätigkeit kletterte gar um 38 % auf 25,5 Mill. Euro. Leonis Geschäft ruht auf drei Säulen: Kabel, Draht und Bordnetz-Systeme. Als klassischer Zulieferer zählt das Unternehmen die Automobil- und Telekommunikationsbranche zu seinen Kunden und liefert zum Beispiel flache Kabelbäume, die unter Autodächern verlegt werden.

Konjunkturelle Lage in den USA bereitet Sorgen

Einziges Sorgenkind der Nürnberger ist wegen der konjunkturellen Lage in den USA und der gesunkenen Nachfrage in Europa die Sparte Draht, bei der das Umsatzvolumen rückläufig war.

Analysten urteilen dennoch positiv: Jens Jung von Independent Research sieht zwar eine konjunkturelle Verlangsamung im Drahtbereich, Leoni konnte aber über das Vorjahresergebnis hinaus "eine deutliche Steigerung präsentieren" - momentan ein gutes Argument, die Aktie auf "Übergewichten" zu stufen, da sie für ihn "klar unterbewertet" ist.

Auch für Fondsmanager Jochen Mathee von Invesco "spricht nichts gegen die Aktie". Mit einem 6er-KGV hält er Leoni für "außerordentlich billig". Doch nicht nur die Ertragslage, sondern auch Leonis Positionierung ist für Independent Research ein wichtiges Argument für die Heraufstufung: Der Konzern mit rund 17 300 Mitarbeitern "ist breit aufgestellt," lobt Jens Jung, daher könne man längerfristig mit positiven Nachrichten aus dem Unternehmen rechnen und konjunkturelle Schwankungen vernachlässigen.

Leoni kündigt Joint Venture mit Hella an

Für die Zukunft hat Leoni ein Joint Venture mit Hella angekündigt, was beide Partner auf der Internationalen Automobil Ausstellung vom 13. bis 23. September erstmals der Öffentlichkeit vorstellen. Die gemeinsame Systemgesellschaft soll intelligente Bordnetz-Systeme für Autos entwickeln. Eine "sinnvolle strategische Allianz für neue Technologien", beurteilt Analyst Jung die Zusammenarbeit. Zwar sei sie auf kurze Sicht nicht ergebnistreibend, zahle sich langfristig aber aus.

Etwas skeptischer stuft die Deutsche Bank Leoni als "marketperformer" ein. "Zur Zeit durchaus nicht üblich" sei die Margenverbesserung bei den Zahlen, doch Analyst Lars Ziehn sieht insbesondere in den Märkten von Draht und Bordnetz-Systemen tendenziell zunehmenden Preisdruck. Vor diesem Hintergrund sei es fraglich, "ob Leoni die Margen langfristig halten kann".

Doch auch Ziehn sieht Pluspunkte "Durch die relativ günstige Bewertung ist das Kursrisiko nach unten begrenzt". Mittelfristig sieht er sogar Übernahmephantasie: Auf Grund der Aktionärsstruktur sei Leoni für große Konzerne ein möglicher Übernahmekandidat.

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