Aktie unter der Lupe
Loewe setzt erfolgreich auf Luxus-Fernseher

Die Fernseher von Loewe kosten im Schnitt 1 000 DM mehr als der Rest der in Deutschland verkauften TV-Geräte. Für das fränkische Unternehmen zahlt sich die Hochpreis-Strategie aus: Die Aktie des Unterhaltungs-Elektronik-Herstellers steht auf den Empfehlungs-Listen vieler Banken.

HB MÜNCHEN. Klare Formen, schlichte Eleganz - die Loewe AG setzt auf außergewöhnliches Design in der Unterhaltungs-Elektronik. Die Fernseher aus Kronach in Nordbayern fallen allerdings nicht nur wegen ihrer Form auf: Die TV-Geräte sind auch im Preis Spitze. Mehr als 2 000 DM gibt der Käufer eines Loewe-Fernsehers im Schnitt für sein neues Gerät aus.

Die Nobel-Strategie macht sich bezahlt: Während der gebeutelte Marktführer Grundig seine verlustbringende Fernsehproduktion in Nürnberg schließen und nach Wien verlagern muss, fährt Loewe satte Gewinne ein. Der Multimedia-Konzern ist seit Monaten einer der Lieblinge der Analysten. Zahlreiche Banken haben ihre Kaufempfehlung für die Elektronik-Aktie in den vergangenen Wochen erneuert.

Die positive Einschätzung hat Loewe vor Ostern noch verstärkt, indem das Unternehmen eine Dividende von 0,85 Euro angekündigt hat. Durchschnittlich hatten die Analysten lediglich mit 0,51 Euro gerechnet. Im Vorjahr hatte das Unternehmen nichts ausgeschüttet.

Schon im Januar hatte der Konzern die Erwartungen der Beobachter mehr als erfüllt: Nach vorläufigen Zahlen kletterte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern im vergangenen Jahr um 23 % auf rund 41 Mill. DM, der Umsatz stieg um 17 % auf rund 710 Mill. DM. Vorstandschef Rainer Hecker freute sich über das beste Jahr der Unternehmensgeschichte. Morgen präsentiert der erfolgreiche Manager in München die endgültigen Ergebnisse. Loewe verdient sein Geld vor allem mit Unterhaltungselektronik, also Fernsehern, DVD-Playern und Videorekordern, die 565 Mill. DM zum Umsatz beitrugen. Der Bereich Multimedia, in dem Fernsehen mit dem Internet und weiteren modernen Technologien verbunden wird, trug 100 Mill. DM bei. Die Telekommunikation, vor allem Telefongeräte, erwirtschaftete 45 Mill. DM.

Aktie kann mit rasantem Gewinn nicht mithalten

Der Kurs der Loewe-Aktie konnte mit dem rasanten Wachstum von Umsatz und Gewinn im vergangenen Jahr nicht mithalten. Nach einem Hoch von 40 Euro im Sommer 2000 stürzte die Aktie zeitweise auf unter 30 Euro und pendelt derzeit um die 34 Euro. Zum Vergleich: Im Sommer 1999 kam das an der Frankfurter Börse im Smax notierte Papier zu 18 Euro aufs Parkett. Obwohl die Aktie seit Wochen auf der Stelle tritt, sind die meisten Analysten optimistisch. "Gerade in der jetzigen angespannten Börsensituation bietet sich die Loewe-Aktie für ein Investment an", stellt Mario Endner von der Bayerischen Landesbank fest. Der Münchener Banker ist überzeugt von der Wachstumsstrategie des Loewe-Managements. Weiterer Pluspunkt: "Die Aktie ist in auffälliger Weise resistent gegenüber den starken Kursrückgängen an den Märkten."

Auch Hornblower Fischer sieht ein "erhebliches Kurspotenzial bei sehr moderatem Risiko". Die Bankgesellschaft Berlin rechnet damit, dass Loewe zumindest seine alten Höchststände von 40 Euro wieder erreicht. Credit Suisse hält Thomson Multimedia und Bang & Olufsen für die schärfsten Konkurrenten. Verglichen mit den Franzosen und Dänen müsste die Loewe-Aktie zwischen 50,5 und 76,1 Euro kosten, ermittelte die Bank.

Produkt-Präsentation auf der Funkausstellung

Die Aktie hat also erhebliches Potenzial. Für einen Schub dürfte nach Ansicht der Analysten nicht zuletzt die Funkausstellung in Berlin sorgen, auf der Loewe im August seine neuen Multimedia-Produkte präsentieren will. Nach Einschätzung von Endner ist Loewe auf die Trends der Zukunft gut vorbereitet.

Loewe

-Chef Hecker jedenfalls verspricht, die "positive Entwicklung bei Umsatz und Ergebnis auch im Jahr 2001 fortzusetzen". Auch die Führung von Loewe hat ein großes Interesse am Erfolg des Unternehmens: Dem Management gehören 34 % der Aktien.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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