Aktie unter der Lupe
Loewe: teure Produkte, billige Aktie

Mit ausgefallenen Hifi-Geräten hat Loewe im ersten Halbjahr Umsatz und Wachstum steigern können. Die teuren Produkte des Unternehmens werden auch in der Rezession gekauft. Neue Produkte und die Expansion ins Ausland versprechen weiteres Potenzial. Das sollte auch der Aktie wieder Auftrieb geben.

FRANKFURT/M. Die Erfolge der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea haben die Deutschen an ihre Fernseher gefesselt. Das WM-Finale zwischen Deutschland und Brasilien sahen mehr als 26 Millionen Menschen. Von der TV-Begeisterung konnten auch die Anbieter von Unterhaltungselektronik profitieren. Trotz allgemeiner Kaufzurückhaltung legte der Markt für Fernsehgeräte zuletzt leicht zu.

Etwas anders ist das Bild beim Edelhersteller Loewe. Die WM brachte dem Kronacher Unternehmen keine nennenswerten Zuwächse, weil es sich auf den Hochpreissektor konzentriert und nicht wie andere Anbieter das Fußballereignis für große Rabattaktionen nutzte. Weil teure Geräte andererseits weniger konjunkturabhängig sind, wuchs Loewe im ersten Halbjahr stärker als die Konkurrenz: Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Umsatz um acht Prozent auf 175,3 Mill. Euro, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag mit 14,5 Mill. Euro um zehn Prozent über dem ersten Halbjahr 2001.

Mit der Einführung neuer Produkte möchte Loewe diese Zuwachsraten auch im Gesamtjahr erreichen. Laut Karina Gundermann, Analystin bei der Bankgesellschaft Berlin (BGB), ein realistisches Ziel: "Die Prognosen sind bei Loewe im allgemeinen eher konservativ. Das Management ist sehr seriös und hält seine Vorgaben auch ein."

Größter Hoffnungsträger der Kronacher ist die "Systems"-Serie, die derzeit am Markt eingeführt wird. "Systems" integriert TV-, Video- und Audiogeräte in einem Komplettgefüge, das über eine einzige Fernbedienung gesteuert wird. Gunnar Cohrs, Analyst bei der Berenberg Bank, verspricht sich von der Systems-Linie sehr viel: "Einer der wichtigsten Trends der Branche ist derzeit das Angebot von integrierten Heimkino-Systemen. Dieses Feld hat Loewe mit Systems sehr gut besetzt." Auch in anderen Wachstumsfeldern der Unterhaltungselektronik wie Großbildschirmen und Fernsehern mit 100-Hertz-Technologie habe das Unternehmen eine ausgezeichnete Marktposition.

Gemeinsame Merkmale aller Loewe-Produkte sind modernste Technik, exklusives Design ein hoher Preis. "Die Klientel, die Loewe anspricht, ist die vermögende Kundschaft", sagt Analystin Gundermann. Gerade diese Strategie sieht sie als großen Vorteil: "Die Konzentration auf das Hochpreissegment ist der richtige Weg, denn hier liegen die größten Wachstumsmöglichkeiten." Dass das Konzept aufgeht, zeigt sich in Deutschland. Hier hat Loewe inzwischen einen Marktanteil von 14 Prozent. "Für einen Nischenanbieter ist das ein sehr hoher Wert", lobt Berenberg-Analyst Cohrs. Allerdings sieht er den Wachstums-Spielraum in der Heimat inzwischen für ausgereizt.

Um so wichtiger ist es daher, dass Premium-Produkte aus Deutschland inzwischen auch im Ausland immer besser ankommen. 54 Prozent seines Umsatzes macht Loewe inzwischen im Exportgeschäft. Während die Verkäufe in Deutschland im ersten Halbjahr um drei Prozent zulegten, kletterten die Auslandsumsätze um satte zwölf Prozent. In Italien und Spanien verfügt Loewe inzwischen über nennenswerte Marktanteile. Dagegen schlummert in den nach Deutschland größten europäischen TV-Märkten Frankreich und Großbritannien noch einiges Potenzial.

Und auch im US-Geschäft kann Loewe noch kräftig zulegen, glaubt Karin Gundermann von der BGB. "Die Amis sind verrückt nach Großbildschirmen und Loewe ist in diesem Bereich sehr stark." Das Loewe-Modell "Aconda" ist mit einer Bildschirmdiagonale von 102 cm Europas größte Fernseher. Über die Anfang des Jahres gegründete US-Tochter Loewe Opta. Inc. soll dieser nun auch in den Staaten erfolgreich vertrieben werden.

Während das Unternehmen also rundum positive Nachrichten liefert, bot die im MDax notierte Loewe-Aktie zuletzt nicht viel Grund zur Freude. Von ihrem Jahreshoch im Januar ist sie mehr als 20 Prozent entfernt. Analysten halten das Papier mit einem KGV von 8,3 aktuell für sehr niedrig bewertet und raten zum Kauf. Als Kursziel nennt Gundermann einen Wert von 35 bis 36 Euro und auch Cohrs sieht den fairen Wert bei 36 Euro.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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