Aktie unter der Lupe
Luftfracht stärkt die Hoffnung

Die Fraport-Aktie leidet unter der Schwäche des internationalen Luftverkehrs. Dazu kommt eine problematische Investition der Frankfurter Flughafengesellschaft auf den Philippinen. Doch langsam zeichnet sich eine geschäftliche Erholung ab - vor allem das Frachtgeschäft läuft gut.

DÜSSELDORF. Das Risiko ist nie ganz ausgeschlossen - was für das Fliegen gilt, lässt sich auch von der Fraport-Aktie sagen. Trotz Unsicherheiten wie dem schwierigen Terminal-Verkauf in Manila oder dem angeschlagenen Flugverkehr vertrauen die meisten Analysten dem Fraport-Papier: Nur drei der 22 bei der Agentur Bloomberg aufgelisteten Experten raten zum Verkauf, zehn sprechen eine Kaufs- und neun eine Halteempfehlung aus.

Im Falle Manilas könnte es jedoch noch zu unangenehmen Überraschungen kommen: Fraport hat sich dort mit rund 380 Millionen Dollar am Bau eines Flughafen-Terminals beteiligt, im Zuge des geplanten Geschäftes gab es jedoch Schwierigkeiten. Zwar deutet momentan alles auf einen Verkauf des Terminals an die philippinische Regierung hin, doch selbst im günstigsten Fall bleiben die Aussichten getrübt. Denn der angestrebte Verkaufspreis von 400 Millionen Dollar, von dem zurzeit die Rede ist, ist rein hypothetisch. "Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es der philippinischen Regierung gelingt, einen geringeren Preis auszuhandeln", meint Martina Jung vom Bankhaus Metzler seel. Sohn & Co. Zudem bestünde die Möglichkeit, dass die Regierung die Zahlungen hinauszögere oder in Teilsummen begleiche. Sollte Fraport mit dem Projekt die Kostendeckung erreichen, sei dies daher schon das bestmögliche Ergebnis, meint die Expertin.

Deutlich erfolgreicher als das Auslandsgeschäft laufen die Aktivitäten in Deutschland. Der Zuschlag für die Privatisierung und den Ausbau des Flughafens Berlin Schönefeld öffnete jüngst die Türen zu einem prestigeträchtigen Projekt. Mit dem geplanten Flughafen Berlin Brandenburg International entsteht der erste völlig privat betriebene Flughafen Deutschlands. Fraport ist mit der Hochtief AG und dem Immobilienkonzern IVG AG am Konsortium beteiligt, das den Flughafen baut und später auch betreibt.

Fraport selbst befindet sich zum größten Teil noch in staatlicher Hand: Bund, Land und Kommune besitzen zusammen einen Aktienanteil von über 70 %. Normalerweise wird ein solch hoher Staatsanteil von den Investoren negativ beurteilt. Zum einen fürchten sie Verkäufe und damit Kursverluste, zum anderen staatliche Einflussnahme. Klar ist aber, dass die Fraport-Beteiligung des Landes kein Selbstzweck ist, sondern verkehrspolitischen Interessen dient. Eine weitergehende Privatisierung gilt daher als wenig wahrscheinlich. Und Marcus Curley von Morgan Stanley Dean Witter wertet auf der anderen Seite die politische Unterstützung für Fraport in der aktuellen Situation sogar als positiv.

Etwas günstiger als erwartet stellt sich die Situation im aktuellen Flugverkehr dar. Nach den rückläufigen Passagierzahlen, mit denen die Flughafenbetreiber und Airlines als Folge des 11. Septembers zu kämpfen hatten, zeichnet sich langsam eine Erholung ab: Mit einem Minus 4,3 % im Vergleich zum vergangenen Halbjahr liegen die Passagierzahlen noch über dem Bundesdurchschnitt. In der stärkeren Auslastung bei der Luftfracht (Juni +5,7 %, Juli +4,6 %) sieht Fraport-Sprecher Wolfgang Schwalm ein gutes Zeichen: "Die Auslastung bei der Luftfracht hat sich in der Vergangenheit als Frühindikator für den Passagierverkehr bewährt".

Klaus Linde warnt jedoch davor, zu optimistisch zu sein. Bei der momentanen weltpolitischen Situation liege die Gefahr sprichwörtlich "in der Luft". Ein Angriffskrieg der USA auf den Irak oder eine Eskalation der Situation im Nahen Osten könnte für die gesamte Luftfahrt-Branche fatale Folgen haben.

Diese Gefahren sieht zwar Martina Jung auch, hält jedoch Fraport mit einem relativ hohen Anteil von Gewinnen im luftfahrtunabhängigen Bereich - etwa Gastronomie und Handel - für einen eher konservativen Wert innerhalb der Branche. Wie viele ihrer Kollegen sieht sie die Aktien momentan als unterbewertet an und gibt als fairen Preis 28 Euro an.

Wer optimistisch gegenüber möglichen Risiko-Szenarien ist, könnte also durchaus einsteigen. Allerdings dürfte ein neuer Terror-Anschlag oder militärischer Konflikt die Stimmung leicht zum Kippen bringen. Dann würde das Fraport-Papier trotz solider Geschäftszahlen in nächster Zeit keine Höhenflüge mehr machen.

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