Aktie unter der Lupe
Lufthansa punktet mit billigen Plätzen

Die Aktie der Deutschen Lufthansa steht bei Analysten hoch im Kurs. Mit einem neuen Tarifsystem reagiert die größte deutsche Luftfahrtgesellschaft jetzt auf den wachsenden Wettbewerbsdruck. Im Preiskampf mit den Billigfliegern geht die Lufthansa mit innerdeutschen Niedrigpreisen in den Ring.

FRANKFURT/M. Die Lufthansa AG will mit Hilfe eines neuen, flexibleren Tarifsystems unter anderem die Auslastung ihrer Flugzeuge steigern. Mit Einführung des Winterflugplans 2002/2003 wird der billigste Flug auf innerdeutschen Strecken nur noch 88 Euro statt bisher 143 Euro kosten. Der Winterflugplan gilt ab dem kommenden Dienstag. Ab Oktober wird dann das neue Tarifkonzept auf Großbritannien und die Türkei ausgeweitet. Die Auslastung auf innerdeutschen Strecken soll so um vier bis fünf Prozent gesteigert werden. Zur Zeit liegt diese bei etwa 63 Prozent.

Alexander Kachler, Analyst bei Merck & Finck rechnet mit einer leichten Steigerung der Auslastungsquote. "Es kann aber durchaus sein, dass die Margen unter den niedrigeren Preisen leiden werden. Wenn aber entsprechend mehr Passagiere gewonnen werden können, dann wird der Verlust durch die niedrigeren Preise kompensiert", erklärt Kachler von Merck & Finck.

Zusätzlich zu der höheren Auslastungsquote sollen durch das neue Tarifsystem auch Marktanteile hinzugewonnen werden. Oliver Caspari, Analyst beim Bankhaus Lampe, hält dies jedoch für relativ schwierig. "Der Markt ist durch die Billigflieger wie Ryanair und Hapag Lloyd Express schon stark unter Druck. Man muss abwarten, ob das neue Konzept erfolgreich sein wird", sagt Caspari. Andere Analysten sind für das Vorhaben der Lufthansa optimistischer: "Ich kann mir schon vorstellen, dass mit niedrigeren Preisen Marktanteile gewonnen werden, da die Konkurrenz zur Bahn und zum Auto erhöht wird", argumentiert Kachler, der bei Merck & Finck die Lufthansa-Aktie analysiert. Die Aktienexperten beim Bankhaus Lampe und bei Merck & Finck empfehlen die Aktie des deutschen Branchenprimus als "outperformer".

Gut aufgestellt

Auch Rolf Weigel, Analyst beim Bankhaus Reuschel erwartet, dass sich das Lufthansa-Papier besser als der Markt entwickeln wird. Weigel empfiehlt, die Aktie überzugewichten. "Lufthansa ist das Beste, was es zur Zeit im Luftfahrtbereich gibt", meint Weigel. Die zweitgrößte Airline Europas hat seiner Meinung nach schneller als erwartet die Kapazitäten angepasst und die Kosten gesenkt. "So konnte sich die Lufthansa von der schwierigen Geschäftsentwicklung im Airlinebereich relativ unabhängig machen", fügt Analyst Weigel hinzu. Besonders positiv beurteilen die meisten Analysten die hohe Präsenz der Lufthansa in Deutschland. "Das flächendeckende Netz, ist für die Lufthansa ein großer Vorteil, um Marktanteile zu gewinnen", erklärt Kachler.

Analysten befürworten das Engagement der Lufthansa im Billigfliegersegment: "Auf diesem Markt gibt es noch ein exorbitantes Wachstumspotenzial. Die Wachstumsraten bei innerdeutschen Flügen liegen bei jährlich knapp vier Prozent. Bei Billigflügen wird ein Wachstum von 23 Prozent bis 2005 erwartet", meint Lufthansa-Experte Caspari. Vor allem die knapp 25-prozentige Beteiligung an dem Regionalflieger Eurowings, über die Lufthansa indirekt in den boomenden Billigflugmarkt einsteigt, halten die Analysten für sinnvoll.

"Dieses Konzept ist der erste Schritt zum Erfolg", sagt Analyst Kachler. Durch diese Beteiligung habe die Lufthansa die Möglichkeit auf europäischer Ebene auf die Konkurrenz durch die Billigfluganbieter zu reagieren. Ab Ende Oktober will die Lufthansa-Beteiligung unter dem Namen Germanwings vom Flughafen Köln/Bonn starten. Allerdings ist schwer abzusehen, ob Lufthansa ihre Anteile noch aufstocken kann, denn schon beim Erwerb der ersten Beteiligung an Eurowings hatten die Wettbewerbshüter Einschränkungen gefordert. Lufthansa musste einen Teil ihrer Start- und Landerechte an den Billigfluglinie Germania abgeben.

Trotz der aktuellen Maßnahmen der Lufthansa im Inland wird der Schwerpunkt auf lange Sicht auf Langstreckenflügen liegen, erwarten Analysten. "Der asiatische Markt ist und bleibt aber wichtiger für Lufthansa", sagt Caspari. "Innerhalb Deutschlands geht es nur darum, im Wettbewerb zu bleiben."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%