AKTIE UNTER DER LUPE
Marconi droht Ausschluss aus FTSE-100-Index

Seitdem Marconi am 4. Juli seine Gewinnwarnung herausgegeben hat, gibt es für die Aktionäre kein Halten mehr, scheinen sie sämtliches Vertrauen in ihr Unternehmen verloren zu haben.

LONDON. Als der mittlerweile weltberühmte FTSE-100-Index 1984 das Licht der Welt erblickte, da war Marconi selbstverständlich mit von der Partie. Damals hieß der Telekomausrüster noch General Electric - nicht zu verwechseln mit dem US-Namensvetter. Seitdem war das Paradeunternehmen ebenso wenig aus dem britischen Top-Index hinaus zudenken, wie Siemens aus dem Deutschen Aktienindex (Dax).

Das hat sich jetzt schlagartig geändert: Seitdem Marconi am 4. Juli seine Gewinnwarnung herausgegeben hat, gibt es für die Aktionäre kein Halten mehr, scheinen sie sämtliches Vertrauen in ihr Unternehmen verloren zu haben. Am Dienstag vergangener Woche brach die Aktie noch einmal um 12% auf 71,25 Pence ein; ein neues Rekordtief. Am Freitag notierte sie sogar nur noch bei 68 Pence.

Damit hat der Titel seit Anfang Juli gut 70% seines Wertes verloren. Auslöser waren Sorgen, Marconi-Chief Executive Lord Simpson werde in Kürze eine zweite Gewinnwarnung veröffentlichen.

Mit dem neuerlichen Kursverfall, begleitet von ungewöhnlich hohen Umsätzen, rangiert Marconi im FTSE-350-Index gemessen an der Marktkapitalisierung (1,9 Mrd. Pfund) nur noch auf Platz 112. Rang 110 ist aber die Grenze, zu der eine Aktie aus dem FTSE-100, in das Mid- Cap-Segment FTSE-250 abrutscht, bestätigte die FTSE-Gesellschaft in London auf Anfrage. "Ordneten wir heute die Zusammensetzung des FTSE-100 neu, dann würde Marconi herausgenommen", heißt es dort.

Die Footsie-Sitzung, auf denen die Zusammensetzung geprüft wird, erfolgt viermal im Jahr. Die nächste Runde findet am 12. September statt. Bis dahin hat das Unternehmen Zeit, seine Position wieder zu verbessern.

Aber das dürfte schwierig werden: Händler in der City rechnen jetzt damit, dass Fondsmanager, die den FTSE-100 abbilden, bereits mit der entsprechenden Portfolioumschichtung beginnen und nicht erst auf den tatsächlichen Rauswurf warten. Das würde bedeuten, dass die Aktie von Marconi durch weitere Verkäufe unter Druck bleiben dürfte und das Unternehmen fast automatisch seinen Status als Standardwert verlöre. Dies nimmt Goldman Sachs bereits vorweg: Die US-Investmentbank setzte das Kursziel nun von 120 auf nur noch 55 Pence herunter. Das Produkt-Portfolio von Marconi könne weder mit den großen Konkurrenten mithalten und wohl auch nicht mit den Nischenanbietern, befürchtet Analyst Eiji Aono von

Patrick McCullagh, Analyst bei Merrill Lynch erklärt, dass Marconis' Kreditwürdigkeit weiter sinken könnte: "Die Anleihe droht ihren Status als Investmentpapier zu verlieren." Investoren sollten die Anleihe von Marconi verkaufen, rät McCullagh. Vor ein paar Tagen hatte Standard & Poor's die Beurteilung der Marconi-Anleihe von BBB+ auf BBB- zurückgenommen. Damit ist die Schwelle zum Junk Bond (BB+) erreicht.

Alte Zeiten scheinen erst einmal vorbei, betrachtet man sich den Aktienverlauf der vergangenen zwölf Monate: Das Allzeithoch hatte die Aktie im vergangenen Jahr mit 1276 Pence erreicht. Jetzt geht der Analyst von Goldman Sachs davon aus, dass der Kurs nicht mehr die 74 Pence überschreiten wird.

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