Aktie unter der Lupe
Mediaset profitiert von spärlicher Konkurrenz

Das im Mailänder Index der Standardwerte Mib 30 notierte Papier legte weiter kräftig zu. Im Februar kostete die Aktie noch acht Euro, momentan notiert sie bei knapp unter 10 Euro.

DÜSSELDORF. In den vergangenen Tagen häuften sich die Proteste der italienischen Opposition gegen ihren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi: Denn er hat gleichzeitig die Macht über den Medienkonzern Mediaset mit den drei größten Privatsendern des Landes. Als Ministerpräsident hat Berlusconi dazu noch einen gewissen Einfluss auf den öffentlich-rechtlichen Fernsehsender Rai. Der Präsident des italienischen Senats, Maurizio Pera, schlug diese Woche eine neue Lösung des Problems vor: Mediaset und die öffentlich-rechtliche Rai sollten Teile ihrer Anstalten verkaufen, um damit den Wettbewerb im italienischen Medienmarkt etwas anzukurbeln.

All diese Spekulationen lassen die Mediaset-Aktie weitgehend kalt. "Meiner Meinung nach schenkt der Markt solchen Nachrichten keine Beachtung mehr", sagt Stefano Lustig, Analyst beim Wertpapierhandelshaus Euromobiliare in Mailand. "Ich halte es auch nicht für sehr wahrscheinlich, dass so etwas Drastisches wie ein gesetzlich angeordneter Verkauf passiert."

Das im Mailänder Index der Standardwerte Mib 30 notierte Papier legte weiter kräftig zu. Im Februar kostete die Aktie noch acht Euro, momentan notiert sie bei knapp unter 10 Euro. Für die Analysten der Deutschen Bank ist sogar noch etwas Spielraum nach oben drin, sie sehen das Papier bei 10,6 Euro und raten zum Kauf.

Analyst Maurizio Colombo vom Mailänder Brokerhaus Eptasim ist etwas vorsichtiger und rät zum Verkauf: "Es ist zu schwierig zu sagen, wie sich Mediaset in Zukunft entwickeln wird. Denn der Konzern bleibt sehr abhängig von politischen Entscheidungen", sagt er. Außerdem hält er die Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 30 für relativ teuer.

Fakt ist: Der italienische Medienkonzern Mediaset befindet sich im Augenblick in einer Situation, von der andere Unternehmen nur träumen können. "Noch nie war die Konkurrenz für Mediaset so schwach wie heute", stellt Analyst Lustig fest. Rai erreicht zwar mit 46 % etwas mehr Zuschauer als Mediaset, hat aber derzeit Probleme im Management und die geringeren Werbeeinnahmen. Größere überregionale, private Sender gibt es in Italien außer den Mediaset-Kanälen Italia 1, Canale 5 und Retequattro nicht. Im vergangenen Jahr machte der Sender La7 zwar einen Versuch, den Wettbewerb im italienischen Fernsehen etwas zu beleben - ohne Erfolg. La7 wird auf Grund finanzieller Probleme nun zum News-Kanal umgebaut. Auf Grund der schwachen Konkurrenz hat es Mediaset im Kampf um die Werbekunden leicht. Im Jahr 2001 konnte der Konzern 65 % der italienischen Werbeeinnahmen für sich verbuchen.

Ende März wird Mediaset die Zahlen für das vergangenen Jahr, das auch für den Berlusconi-Konzern schwierig war, vorstellen. Die Analysten der Bank Société Générale rechnen damit, dass das Ergebnis vor Steuern von 691 Mill. Euro auf rund 638 Mill. Euro gefallen sein wird. Nach Meinung der Experten scheint sich das Blatt nun aber wieder zu wenden. Der Rückgang der Werbeeinnahmen in den ersten Monaten dieses Jahres habe sich verlangsamt. "Das ist ein erstes positives Zeichen", sagt Lustig.

Die Analysten der Deutschen Bank erwarten gerade in Italien einen starken Anstieg des Werbemarktes für den Fall, dass die Konjunktur wieder anzieht. Hauptprofiteur sei wegen der spärlichen Konkurrenz Mediaset. Außerdem hat Mediaset angekündigt, 2002 die Kosten zu reduzieren. "Ich schätze, dass bei manchen Produktionen 15 bis 20 % der Kosten eingespart werden", sagt Eptasim-Analyst Colombo.

Negative Auswirkungen der Kirch-Krise auf Mediaset befürchtet er allerdings nicht. Mediaset - selbst an Kirch beteiligt - will einen Teil von Kirchs Beteiligung am spanischen Privatsender Telecinco kaufen und die eigene Beteiligung damit erhöhen. In einem Interview sagte Berlusconi vor kurzem, dass er persönlich Kirch nicht helfen werde, sie aber gute Freunde seien und sich die beiden Konzerne schon immer sehr nahe standen.

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