Aktie unter der Lupe
Merrill hält Intel-Aktie für überbewertet

Der Computerchip-Riese Intel muss seit Anfang des Monats herbe Kursverluste einstecken. Immer mehr Bankhäuser, darunter die Großbank Merrill Lynch, senken den Daumen. Trotz positiver Überraschungen bei Gewinn und Umsatz halten viele Analysten die Titel schlicht für zu teuer.

NEW YORK. Der weltgrößte Chiphersteller Intel Corp. hat zurzeit kein Glück an den Börsen. Seit Anfang Dezember verbucht die Aktie fast pausenlos Verluste. Dabei hat das Intel-Management kürzlich die ohnehin schon optimistische Gewinnprognose weiter erhöht und damit die Markterwartungen übertroffen. Für das laufende Quartal erwartet das Unternehmen jetzt einen Umsatz zwischen 6,8 bis 7,0 Mrd. $. Bislang hatte die Schätzung bei 6,5 bis 6,9 Mrd. $ gelegen. Als Grund nannte Intel-Finanzchef Andy Bryant die verbesserte Geschäftsentwicklung im Raum Asien-Pazifik und in Japan.

Dennoch reagierten die Anleger nervös und drückten den Intel - Kurs seit Anfang Dezember von 21 $ auf 18 $. Dahinter stecken negative Anlageurteile von Bankexperten, von denen viele das Vertrauen in die einstige Star- Aktie verloren haben. So bewertet Analyst Joseph Osha von Merrill Lynch Intel mit "Verkaufen, hohes Volatilitätsrisiko". Das kritische Urteil begründet er so: "Wir glauben nicht, dass das langfristige Wachstumspotenzial bei Gewinn und Umsatz den momentanen Preis der Intel-Aktie rechtfertigt."

Auch andere Analysten äußern sich kritisch über den ihrer Meinung nach zu hohen Kurs. John Barton von Wachovia Securities sagt: "Im Augenblick scheint die Bewertung ausgereizt zu sein, und darüber hinaus sind wir auf dem Weg in das traditionell schwache erste Quartal." Zwar werde das Unternehmen aus Kalifornien in den Bereichen Server, Desktops, Notebooks und Flashspeicher gut positioniert bleiben, erwartet Merrill-Analyst Osha. Dennoch rechtfertige dies nicht den aktuellen Kurs. "Im Moment liegt der Kurs fast 30-Mal so hoch wie unser geschätzter Gewinn pro Aktie für das gesamte kommende Jahr", betont Wachovia-Analyst Barton, "bisher war die Intel-Aktie nur mit dem 18-fachen Gewinn bewertet."

Insgesamt verzeichnet die Nachrichtenagentur Bloomberg zurzeit 27 Anlageurteile zu Intel. Davon lautet mit 13 weniger als die Hälfte "Kaufen". In der Regel überwiegen bei den meisten Aktien die Kaufempfehlungen. Zwölf Analysten empfehlen Anlegern, Intel - Papiere zu halten, zwei raten zum Verkauf. Selbst die jüngsten Umsatzzuwächse in Asien betrachten Experten mit Skepsis. Auf kurze Sicht wird das Plus als zwar als positiv bewertet. Doch ob der Effekt von Dauer ist, bezweifeln Analysten. "In diesem Jahr liegt das chinesische Neujahrsfest fast einen ganzen Monat früher als sonst", sagt Hans Mosesmann von Prudential Securities, "es ist also gut möglich, dass wir hier lediglich eine Verschiebung vom kommenden Quartal ins laufende sehen". Dann würden die folgenden drei Monate schwächer ausfallen als erwartet.

Daneben macht der Trend zu Billigcomputern den Bankstrategen Sorgen. "Die Produktmischung wird sich voraussichtlich noch stärker zu Gunsten von einfacheren, billigeren Rechnern verschieben", erwartet Wachovia-Analyst Barton, der zum Halten der Intel-Aktie rät. Auch Mosesmann schätzt, "dass die Konsumenten stark reduzierte PCs bevorzugen - also Computer für weniger als 750 Dollar". Das zeige die Entwicklung beim PC-Produzenten Gateway und beim Halbleiter-Zulieferer Advanced Micro Devices. Sinkende Rechnerpreise wiederum könnten Intels Margen gefährden, befürchten Analysten. Sie schätzen, dass der Weltmarktführer für Computerchips mehr als 80 % der Erträge mit PCs verdient.

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