Aktie unter der Lupe
Micronas trotzt der Halbleiterkrise

Wolfgang Karlsbach hat einen Leitsatz, der bei anderen Vorstandsvorsitzenden börsennotierter Unternehmen eher selten ist: "Ich kommentiere unseren Aktienkurs nicht".

DÜSSELDORF. Dabei hätte der Chef des Chip-Herstellers Micronas Holding allen Grund, beim Blick auf den Kurszettel zu jubelieren. Die Aktie der Schweizer stieg in den vergangenen 12 Monaten um mehr als 150 Prozent. Zum Vergleich: Infineon büßte die Hälfte seines Börsenwerts ein, STMicroelectronics kämpft auf Jahressicht mit Verlusten von mehr als 30 Prozent.

Warum die Schweizer im Vergleich zu ihren Konkurrenten so erfolgreich sind, lässt sich erklären. Infineon und Co. haben sich auf Speicherchips für Mobiltelefone und Computer spezialisiert, Micronas-Produkte stecken in Fernsehgeräten und Unterhaltungselektronik. Der PC- und der Handy-Umsatz läuft schlecht, der Markt für TV-Geräte ist jedoch stabil.

Seit 1995 wurden jährlich rund 140 Millionen Apparate weltweit verkauft. Gestiegen ist vor allem die Bildgröße. Die längere Diagonale erfordert mehr und leistungsfähigere Chips. Davon profitiert Marktführer Micronas. Für die Zukunft sieht sich das Unternehmen gut gerüstet. Die Fertigungskapazitäten in Europa seien zu 90 Prozent ausgelastet, die Auftragsbücher voll, sagt Karlsbach. Er rechnet damit, dass Micronas dieses Jahr zwischen 19 und 25 Prozent mehr umsetzt als in 2001.

Allerdings hängt auch der Himmel über der Züricher Zentrale nicht voller Geigen. Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 32 auf Jahresbasis ist die Aktie teuer. Darüber hinaus ist das Unternehmen stark vom Fernsehgeräte-Geschäft abhängig. Immerhin rund 80 Prozent des Umsatzes kommt aus dieser Sparte, nur jeweils rund zehn Prozent aus den Bereichen Automotive, sprich Steuerungstechniken, und Multimedia. Sollte das TV-Geschäft nachlassen, würde Micronas das massiv treffen.

Dennoch hält Uwe Barth von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) das Unternehmen für "einen Lichtblick im verhaltenen Halbleitermarkt". Neben der Auftragslage gefällt ihm das "nach Schuldenabbau gute Finanzergebnis". Er rechnet mit stark steigendem Gewinn je Aktie von 1,21 Schweizer Franken in 2001 auf 1,88 Franken in diesem und 2,43 Franken im nächsten Jahr. Sollte das eintreffen, hätte Micronas seit 2001 den Gewinn je Aktie in zwei Jahren verdoppelt - im Technologiesektor eine einzigartige Bilanz.

Allerdings befürchtet Barth, dass das "allgemein schwierige Marktumfeld im Halbleiterbereich" den Kurs belasten könnte. Hiobsbotschaften von Infineon, AMD oder STMicroelectronics haben auch in der Vergangenheit zu - allerdings meist nur kurzfristigen - Einbrüchen bei der Micronas-Aktie geführt.

Lob für die Konzernpolitik erteilt Gero Breuer von Consors Capital. Micronas habe nur ein Werk, nämlich in Freiburg, das zu 90 Prozent konstant ausgelastet sei: Weitere 20 bis 30 Prozent der Fertigung werde extern vergeben. Damit könnten die Schweizer "auch in Krisenzeiten das eigene Werk auslasten und in Boomjahren ohne teure Erweiterungen auskommen".

LBBW-Analyst Barth hat seine Einschätzung von Micronas aktuell von "akkumulieren" auf "kaufen" hochgestuft. Sein Kollege Breuer hat als Kursziel 41 Euro errechnet. Zur Zeit wird das Papier bei rund 28 Euro gehandelt. Allerdings ist die Aktie vor wenigen Tagen durch einen langfristigen Aufwärtstrend durchgebrochen. Weitere Verluste sind also aus technischer Sicht nicht auszuschließen.

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