Aktie unter der Lupe
Mit Generika hat Stada auf die Sieger gesetzt

Der Kampf ist ungleich, doch Sieger sind die kleinen Nachahmer. Die Pharma-Goliaths investieren Milliarden in Forschung. Laufen aber ihre Blockbuster-Patente aus, kommt die Zeit der Davids.

DÜSSELDORF. Generika-Hersteller entreißen den Riesen Umsatz und Gewinn - ohne Ausgaben gehabt zu haben. Weltweit nimmt der Marktanteil von Generika zu. Allein in den nächsten fünf Jahren laufen Patente im Wert von 40 Mrd. ? aus. Davon profitieren die Hersteller von Generika, darunter Stada.

Auch unter den Davids tobt der Kampf um Marktanteile. Stada hat dabei als Europas einziger börsennotierter reiner Generika-Hersteller eine starke Position. Stada ist nach Ratiopharm und Hexal drittgrößter deutscher Hersteller von Generika, Arzneien, die nach Patentablauf in gleicher Qualität günstiger verkauft werden. Daneben produziert Stada rezeptfreie Medikamente, Impfstoffe und Verbände. Auf Erforschung neuer Wirkstoffe verzichtet das Unternehmen aus Kostengründen - angesichts des Trends zu Generika eine weise Entscheidung.

2001 war für das Traditionsunternehmen das sechste Rekordjahr in Folge. Der Umsatz stieg um 15 % auf 537,8 Mill. ?, der Gewinn um mehr als ein Drittel auf 24,7 Mill. ?. Vorstandschef Hartmut Retzlaff erwartet für 2002 Umsatzsteigerungen von bis zu 20 % und eine zweistellige Ertragssteigerung.

Das Marktpotenzial für Generika ist enorm: Die Deutsche Bank rechnet mit einem jährlichen Wachstum von 13 Prozent. Damit würde sich der Markt für Generika von heute 15 Mill. auf 28 Mill. ? im Jahr 2005 nahezu verdoppeln. Für herkömmliche Pharmazeutika sieht die Studie nur ein Jahreswachstum von neun Prozent voraus.

"In Deutschland ist der Marktanteil von Generika bereits hoch", sagt Sabine Eberhardt, Analystin bei Merck Finck & Co. Da der Anteil in vielen europäischen Ländern noch niedrig sei, auch dort aber am Gesundheitssystem gespart werde, sieht Eberhardt für Stada überproportionale Chancen. In Frankreich etwa liegt der Generika-Anteil bei nur 6 %. Dort sollen Ärzte nun mehr Generika verschreiben. Der zusätzliche Markt wird auf bis zu eine Mrd. ? im Jahr geschätzt. "In den Wachstumsmärkten Frankreich, Italien und Spanien ist Stada durch Zukäufe gut positioniert", sagt Oliver Schlüter, Analyst der DZ-Bank.

Die "Aut idem-Regel", nach der Apotheker bei gleichem Wirkstoff preiswertere Medikamente abgeben müssen, schadet Stada nicht. "Weniger als 0,5 % der Stada-Produkte gehören nicht zum unteren Preisdrittel. Die Auswirkung ist zu vernachlässigen", sagt Schlüter.

Entscheidend im Kampf um die Marktanteile ist für Generika-Hersteller auch die Patentrecherche. Bei Stada kümmern sich 100 Mitarbeiter um möglichst schnelle Zulassung frei werdender Medikamente. 2001 hat Stada so 180 Generika neu auf den Markt gebracht. "Auch bei Neuzulassungen auf EU-Ebene liegt Stada vorn", sagt Sabine Eberhardt.

Stadas Marktkapitalisierung beträgt nur knapp 800 Mill. ?. Daher gilt es als Übernahmekandidat. Bislang kauft Stada aber selbst: Zuletzt den italienischen Pharma-Vermarkter Crinos und Bayvit, das zweitgrößte spanische Generika-Unternehmen. Auch die USA bekommen demnächst Stada Stada-Produkte: übernahm Mova Laboratories.

Obwohl die Stada-Aktie in den vergangenen zwölf Monaten um 64 % zulegte, sehen Analysten weiteres Potenzial. "Unser Kursziel ist auf Sicht von sechs Monaten 45 Euro", sagt Schlüter. Von elf Analysten empfehlen acht, Stada zu kaufen. Mit einem KGV von 23,5 ist Stada vergleichsweise niedrig bewertet. Ähnliche Unternehmen wie Alpharma (83,6) und Teva (31,4) kosten deutlich mehr. Der Aktienkurs läuft seit Dezember 2001 zwischen 37 und 42 ? seitwärts. Der langfristiger Aufwärtstrend ist aber intakt. Knackt Stada den Widerstand bei 42 ?, sollte der Trend sich fortsetzen.

Der Generika-Markt ist hart umkämpft. Erst kürzlich brachte Hexal eine Tochter an die Börse, um sich Kapital im Kampf um Marktanteile zu beschaffen. Stadas Position ist aber gefestigt genug, um in diesem Kampf weiter zu bestehen.

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