Aktie unter der Lupe
Mol gibt an der Börse Budapest den Trend vor

Der starke Forint, Synergieeffekte durch den Erwerb des slowakischen Ölkonzerns Slovnaft und ein straffes Kostenmanagement - es gibt eine Reihe von Gründen, warum Ungarns größtes Unternehmen, der Öl- und Gaskonzern Mol Rt gut dasteht.

BUDAPEST. Die Gewinn- und Verlustrechnung für das Geschäftsjahr 2002 weist bei einem leicht rückläufigen Umsatz von 1,16 Bill. Forint einen Nettoertrag von 66,3 Mrd. Forint (271 Mill. Euro) aus. Im Vergleich zum Jahr 2001, in dem der Ertrag bescheidene 1,2 Mrd. Forint erreichte (rund 5 Mill. Euro), ist das ein drastischer Anstieg.

"Das Ergebnis entspricht voll und ganz den Erwartungen", kommentiert Attila Vago von Concorde Securities in Budapest das Ergebnis. Basis des Mol-Geschäfts ist dabei vor allem die starke Position im Inland. In Ungarn kontrolliert das Unternehmen die gesamte Ölförderung und ist im Besitz aller Raffinerien. Im Einzelhandel mit Kraftstoffen liegt der Mol-Anteil zurzeit bei knapp 40 %. Kein Wunder, dass der Konzern nun seine Fühler in Nachbarländer ausstreckt. Nach dem Erfolg in der Slowakei soll nun mittels weiterer Übernahmen der Sprung nach Kroatien, Tschechien und Polen gelingen.

Die Mol-Aktie gilt denn auch als Trendsetter an der Budapester Börse. "Mol ist entscheidend für die Stimmung des Marktes", sagt Attila Vago. Der Aktienkurs stieg seit Jahresanfang um 5,5 %. Bei einem gegenwärtigen Kurs zwischen 4 700 und 4 800 Forint halten die Analysten von Concorde Securities, ING Baring und anderen Häusern den Titel für deutlich unterbewertet. "Zum Jahresende könnte er bei 6 000 bis 6 500 Forint liegen - wären da nicht bestimmte Risiken", warnt Vago. Gemeint ist vor allem ein drohender Irak-Krieg.

Dabei ist für Mol speziell die Entwicklung des Ölpreises im Kriegsfalle nicht mal so entscheidend. Wegen der eigenen Raffinerien und der hohen Margen bei der Rohölverarbeitung profitiert das Unternehmen sogar von hohen Ölpreisen. Des weiteren tätigt Mol 70 % seiner Einkäufe beim russischen Konzern Jukos, der von einem Krieg kaum beeinflusst werden dürfte. Zudem ist die Gesellschaft auf dem besten Wege, den Versorgungsgrad seiner Raffinerien durch die Erschließung von Vorkommen im Ausland und den Erwerb von Forschungskonzessionen auf 40 % zu steigern.

Weniger erfreulich für Mol ist jedoch, dass mit dem Ölpreis auch das importierten Erdgas teuerer wird. Wegen des stark regulierten Gasmarktes in Ungarn, in dem die die Preise weitgehend administrativ festgelegt werden, könnte dies zu Verlusten in der Mol-Bilanz führen. Eine Liberalisierung wie ursprünglich von der sozialliberalen Regierung unter Premier Peter Medgyessy angepeilt, ist vorerst nicht absehbar.

Unterm Strich erweist sich für die meisten Analysten das Mol-Papier als aussichtsreicher Titel, der aber mit Risiken - insbesondere den Folgen eines möglichen Irak-Kriegs - behaftet ist. "Es könnte sein, dass die Investoren die Risiken ignorieren und schon mit Erwartungen ins kommende Jahr schauen", gibt Analyst Vago zu Bedenken. Im Klartext: Mutige Anleger sollten Mol-Aktien auf jeden Fall halten, auch wenn der Kurs im allgemein schwachen Marktumfeld zwischenzeitlich unter Druck geraten kann. Doch schließlich sind auch die wichtigsten Konkurrenten von Mol in Mittel- und Osteuropa, die österreichische OMV und der polnische Wert PKN Orlen, von ähnlichen Risiken betroffen.

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