Aktie unter der Lupe
Münchener Rück, der Branchenfavorit

Die Aktie der Münchener Rück, eines der Schwergewichte im Deutschen Aktienindex, hat nach Ansicht vieler Analysten Potenzial. Für Optimismus sorgt nicht nur die jüngste Erholung im Rückversicherungsgeschäft, sondern auch die geplante Allfinanz-Ehe mit der Hypo-Vereinsbank.

MÜNCHEN. Konservativ, behäbig, öffentlichkeitsscheu - das sind Attribute, die seit Jahrzehnten auf die Münchener Rück passen. Doch inzwischen hat sich einiges geändert. Der größte Rückversicherer der Welt gibt neuerdings Quartalsergebnisse bekannt - am morgigen Donnerstag zum zweiten Mal in der Geschichte. Zudem veranstaltet das Unternehmen seit dem vergangenen Jahr Analysten-Konferenzen.

Und viel wichtiger: Münchener-Rück-Chef Hans-Jürgen Schinzler baut den Konzern seit Jahren langsam, aber sicher zu einem vollständigen Allfinanz-Anbieter um. So hat im Konzern der Bereich Erstversicherungen - also das Geschäft mit den Privatkunden - inzwischen mit der traditionellen Rückversicherungssparte gleichgezogen. Gleichzeitig wird mit der Tochter Meag eine Vermögensverwaltung aufgebaut und an einer engen Kooperation mit der Hypo-Vereinsbank (HVB), der zweitgrößten Bank Deutschlands, gearbeitet. Damit soll, so hoffen die Rück-Manager, ein ebenbürtiger Konkurrent für den mächtigen Allianz-Konzern entstehen.

Kein Wunder, dass die Münchener-Rück-Aktie bei Analysten als Favorit gilt. Von 48 Experten empfehlen laut Bloomberg 23 das Papier zum Kauf, weitere 20 raten zum Halten, nur fünf stufen die Aktie mit "verkaufen" ein. Trotzdem schwankte die Aktie in den vergangenen Monaten stark und war weit von ihrem Hoch entfernt, das im vergangenen November bei fast 400 lag. Gestern notierte das Papier bei etwa 314 im Minus. Damit sei die Aktie momentan sehr günstig bewertet, findet etwa Christian Hamann von der Bayerischen Landesbank.

Analysten rechnen mit Gewinnrückgang

Von den Halbjahreszahlen, die morgen kommen, dürften keine großen Impulse ausgehen. Denn die Beitragseinnahmen werden nach Analystenschätzungen zwar deutlich steigen. Beim Gewinn rechnen Analysten aber mit einem Rückgang. Denn angesichts der schlechten Lage an den Börsen dürfte sich die Münchener Rück wie schon die anderen Versicherer mit dem Verkauf von Aktien zurück gehalten haben. Das Ergebnis aus Kapitalanlagen wird voraussichtlich zurück gehen und die Gesamtrechnung belasten. Bereits die Rück-Tochter Ergo (Victoria, Hamburg-Mannheimer, DKV) hatte von steigenden Beiträgen, aber einem sinkenden Gewinn berichtet. Der Münchener Konzern besitzt nach dem jüngsten Umtauschangebot rund 90 % an Ergo.

Positiv wird insbesondere die Situation im Rückversicherungsgeschäft eingeschätzt. Die Konditionen auf den weltweiten Rückversicherungsmärkten hätten sich zuletzt deutlich verbessert, sagt Hamann. Viele Analysten beurteilen auch die geplante Kooperation mit der HVB positiv. Die Münchener Rück will ihren Anteil an der HVB im Rahmen des Anteilstausches mit der Allianz auf 25,7 % aufstocken. Die Belastungen für die Rück seien damit geringer als die der Allianz, die die Dresdner Bank voll übernimmt, sagt Oppenheim-Analyst Michael Haid. Ergebnisse der geplanten Zusammenarbeit liegen aber derzeit noch nicht vor. Erst bis Jahresende sollen Einzelheiten präsentiert werden. Geplant ist eine Vertriebskooperation sowie ein gemeinsames Asset-Management.

Aus der Bereinigung der Beteiligungen mit der Allianz kann die Rück 2002 zudem stille Reserven in Höhe von über 4 Mrd. realisieren. Zudem erhält der Rückversicherer einen Barausgleich von voraussichtlich rund 700 Mill. . Damit steht weiteres Kapital für die Pläne von Konzernchef Schinzler bereit. Insbesondere für Ergo sind Zukäufe in Ost- und Südeuropa geplant.

Experten verweisen allerdings auch auf mögliche Schwierigkeiten: So könnte die starke Expansion in der Erstversicherung Probleme mit den Kunden der Rückversicherung bringen. Denn denen erwächst mit der neuen Rück eine starke Konkurrenz.

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