Aktie unter der Lupe
MVV Energie erschließt sich lukrative Märkte

Gegen die Branchenriesen hat der Versorger MVV Energie keine Chance. Er sucht daher sein Heil in der Nische. Kommt es zur Platzierung einer zweiten Tranche, ist die Aktie ein MDax-Kandidat.

DÜSSELDORF. Das beste Haus - allerdings in einer ziemlich schlechten Straße. Mit diesem Bild beschreibt ein Aktienhändler MVV Energie, den börsennotierten Energieversorger aus Mannheim.

Wie viele ehemalige Monopol-Anbieter ist MVV dabei, sich im Versorgungssektor neu zu positionieren. Die Kurpfälzer setzen dabei seit Jahren mit Erfolg auf ertragreiche Marktlücken. So konzentriert sich MVV vor allem auf den Vertrieb von Energie. Erzeugung und Weiterleitung spielen dagegen nur eine Nebenrolle.

Doch der Versorger hat ein Problem: Die großen Spieler RWE und Eon "haben einfach eine viel größere Marktmacht", meint Frank Schwope von der Norddeutschen Landesbank. Wenn es das Unternehmen nicht schafft, sich auf Dauer in seinen Nischen festzusetzen, sagt ein anderer Branchenkenner, wird die Situation schwierig.

In Polen und Tschechien sind die Kurpfälzer beispielsweise nach Aufkäufen einiger regionaler Anbieter zu einem der größten Anbieter von Fernwärme geworden. Die Aussichten dort hält Analyst Schwope für "sehr chancenreich, weil der Markt noch im Aufbau ist." Zudem seien die Margen hoch und die Mannheimer bislang die einzigen großen Anbieter im Markt. Allerdings bestehe bei Engagements in Osteuropa immer "ein gewisses politisches Risiko", so Schwope.

Kriegskasse gefüllt

Expandieren möchten die Mannheimer auch in Übersee. Vergangene Woche gab MVV die Beteiligung an Pentadyne Power, einem amerikanischen Stromtechnik-Hersteller, bekannt. Fernziel dieses Investments ist, eine Technik zu entwickeln, die die Bremsenergie von Zügen nutzt und damit Kosten der Energiegewinnung spart. Auch für weitere Expansionen ist Geld vorhanden. Allein durch den Verkauf der 26,25 %igen Beteiligung an der Gasversorgung Süddeutschland nahm MVV 189 Mill. Euro ein. Das Geld will MVV unter anderem dazu nutzen, sich im Bereich Biomasse breiter aufzustellen. Für Matthias Heck vom Bankhaus Sal. Oppenheim eine richtige Entscheidung: "Durch die staatliche Förderung dieser Technik geht das Unternehmen dabei kaum ein Risiko ein."

Die Börse honoriert die eingeschlagene Strategie des Unternehmens. Zwar steht die Aktie derzeit auf dem Niveau des Vorjahres. Doch damit hat sie sich im Vergleich zum SDax, der im gleichen Zeitraum immerhin fast 25 % verlor, gut geschlagen. Stärker in den Fokus der Märkte rückt MVV, wenn der Wert in den MDax aufrückt. Das ist vermutlich der Fall, wenn der Großaktionär, die Stadt Mannheim, eine zweite Tranche am Markt platziert und damit der Streubesitz von 12,3 % auf 25 % steigt. Allerdings hat der Mehrheitseigner, der über 72 % der Anteile hält, diesen Schritt wegen des schlechten Marktumfeldes immer wieder verschoben. Ein Branchenkenner sagt: "Ich halte es für unwahrscheinlich, dass das noch dieses Jahr passiert".

Von den Banken stufen sowohl die NordLB als auch Sal. Oppenheim die Aktie mit halten bzw. neutral ein. Dresdner Kleinwort Wasserstein gab vor wenigen Wochen die Empfehlung "Zukaufen".

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