AKTIE UNTER DER LUPE
Neuer Chef soll Finanzkrise bei KPN beenden

Der Mann hat einen guten Draht zu Banken. So viel steht nach knapp einem Monat fest. Seit dem 1. November ist Ad Scheepbouwer an der Spitze des niederländischen Telekomkonzerns KPN N.V., Den Haag. Und inzwischen hat er die Banken bereits zum zweiten Mal auf seine Seite gezogen: Sie haben ihm nicht nur eine Kreditlinie von 2,5 Mrd. Euro bis 2004 zur Verfügung gestellt, sondern ihm auch zugesichert, den Großteil neuer Aktien abzunehmen, die KPN Anfang Dezember ausgeben will.

DÜSSELDORF. Mit Hilfe der Kreditinstitute hat der neue Konzernchef sich erst einmal Luft für einen Sanierungsversuch des hoch verschuldenen Unternehmens verschafft. Doch Analysten sind noch skeptisch, ob Scheepbouwer damit die große Wende für KPN einleitet.

Am stärksten angespannte Bilanz im Telekomsektor

Der Konzern hat Verbindlichkeiten von mehr als 22 Mrd. Euro bei einer Marktkapitalisierung von knapp 7 Mrd. Euro und einem Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda), das Ende dieses Jahres voraussichtlich bei 3,7 Mrd. Euro liegen wird. "Damit hat KPN die am stärksten angespannte Bilanz im Telekomsektor", heißt es in einer Studie von UBS Warburg.

Daher fordern Branchenexperten bereits seit Monaten radikale Einschnitte, um die Finanzkrise zu lösen. Scheepbouwer will es jetzt mit der Ausgabe neuer Aktien im Wert von 5 Mrd. Euro versuchen und die Schulden entsprechend senken.

Der Konzern soll zudem neu strukturiert werden und sich nur noch auf die Niederlande, Belgien und Deutschland konzentrieren. Mehr als 5 000 Arbeitsplätze werden gestrichen und Kapitalausgaben heruntergefahren, denn Ende nächsten Jahres sollen die Schulden auf etwa 14 Mrd. Euro sinken.

Das Schlimmste ist abgewendet

Damit hat Scheepbouwer das Schlimmste vorerst abgewendet. Die Ratingagenturen beließen ihre KPN-Beurteilungen stabil. Die langfristigen Unternehmensanleihen des Konzerns standen kurz davor, auf den Status von Junkbonds herabgestuft zu werden. Analysten begrüßen zwar Scheepbouwers Pläne, halten sie aber noch nicht für weitreichend genug. "Für KPN gibt es jetzt wieder Licht am Ende des Tunnels", sagt Morten Singleton, Analyst bei Williams de Broe. Auf längere Sicht brauche der Konzern aber einen finanzstarken Partner. Singleton: "Scheepbouwer kann das Unternehmen jetzt aber wieder handlungsfähig machen und damit für die Partnersuche in eine bessere Verhandlungsposition bringen."

Analysten der Deutschen Bank sehen daher auch beim Aktienkurs wieder Aufwärtspotenzial. Als Kursziel halten sie einen Wert von über 10 Euro für möglich. Zur Zeit stehen die KPN-Titel bei etwa 6 Euro. Die Papiere seien vor allem für Anleger mit hoher Risikobereitschaft interessant, heißt es.

Die meisten Analysten empfehlen allerdings, KPN-Aktien zu verkaufen oder zu halten. Hauptgrund ist die geplante Ausgabe neuer Aktien. "Der Verwässerungseffekt der Kapitalerhöhung kann beträchtlich sein", sagt Franz Rudolf von der Hypo-Vereinsbank. Die neuen Aktien sollen Anfang Dezember ausgegeben werden.

Eine weitere Sorge sind die ungewissen Ertragsaussichten der deutschen KPN-Tochter E-Plus. Mit 7,5 Millionen Kunden ist sie die Nummer drei auf dem deutschen Mobilfunkmarkt. Der Kampf um weitere Marktanteile in Deutschland sei hart und sehr teuer, schreibt UBS Warburg in einer Analyse. Analyst Singleton geht noch weiter: KPN habe schlicht nicht die nötige Finanzkraft, um E-Plus im hart umkämpften deutschen Markt profitabel zu machen.

KPN hält über seine Tochter KPN Mobile 77,5 % der E-Plus-Anteile. Der Konzern hat sich durch den Kauf von E-Plus im Dezember 1999 und den Erwerb teurer UMTS-Mobilfunklizenzen stark verschuldet.

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