Aktie unter der Lupe
Neuer Eiskaffee macht Starbucks interessant

Bei Kaffeefans erfreuen sich Cappuccino und Espresso von Starbucks ungebrochener Beliebtheit: Ein Umsatzplus von sieben Prozent sowie einen um 22 Prozent höheren Nettogewinn verzeichnete die größte Caféhauskette der Welt im vergangenen Monat und übertraf damit die eigenen Erwartungen ebenso wie die des Marktes.

NEW YORK. "Starbucks hat es erneut geschafft, einen Monat mit außergewöhnlichem Umsatzwachstum hinzulegen", sagt Analyst Allan Hickok von US Piper der die Aktie zurzeit mit "Outperform" (überdurchschnittliche Marktentwicklung) bewertet.

Die Analysten anderer großer US-Banken äußern sich indes momentan nicht ganz so euphorisch über das Unternehmen aus Seattle. "Seit Mitte Januar hat der S&P-Index 2,7 gewonnen, während Starbucks 26 Prozent höher liegt, also um das Zehnfache gestiegen ist", sagt etwa Mark Kalinowski von Citigroup Smith Barney, der die Aktie daher vor kurzem von "Outperform" auf "In-Line" (durchschnittlich) herabstufte. "Wir raten den Anlegern deshalb dazu, ihre Gewinne jetzt mitzunehmen." Auch JP-Morgan-Analyst John Ivankoe setzte sein Anlageurteil herab und bewertet die Aktie nur noch mit "Neutral" statt "Übergewichten".

Sorge bereitet den Experten unter anderem die national wie international schwierige Geschäftssituation für den Kaffeeröster. Noch immer laste die schwache Konjunktur auf den Gewinnen, sagt Ivankoe: "Das internationale Geschäft ist unprofitabler als erwartet und wird in nächster Zukunft einem Aufwärtspotenzial entgegenwirken. Obwohl uns die Belastbarkeit des USA-Geschäfts angesichts der momentanen Einzelhandelslage beeindruckt, sind weitere Kurssteigerungen unwahrscheinlich, solange keine Verbesserung auf dem Auslandsmarkt in Sicht ist." In Europa und in Asien kämpft Starbucks mit unterschiedlichen Schwierigkeiten. Die Angst vor der Ansteckungskrankheit SARS behindert die Geschäfte vor allem in Japan sowie in "den wichtigen und wachsenden Märkten China und Hong Kong", sagt John Ivankoe. In Europa seien dagegen die Umsatzzahlen solide und sogar um ein Viertel höher als in den Staaten, doch der Ertrag leide unter den höheren Miet- und Gehaltskosten.

Zudem geriet Starbucks im Ausland in den letzten Wochen mancherorts als Ikone des US-Kapitalismus unter Druck. Neben Boykotten im Libanon machte sich die angespannte Lage in Israel bemerkbar, wo das Unternehmen im April seine sechs Tel Aviver Filialen aus Angst vor Attentaten schloss und sich vorübergehend aus dem Land zurückzog. Schätzungen von Experten zufolge liegt der Schaden bislang im einstelligen Millionen-Dollar-Bereich und wird sich möglicherweise noch vergrößern: "Die Antikriegshaltung auf internationalen Märkten könnte sich unserer Meinung nach negativ auf US-Unternehmen auswirken", sagt Mark Kalinowski.

Doch scheinen die Schließungen und Proteste die Aktie nicht zu belasten: Im April stieg der Kurs sogar auf Jahreshöchstwerte von fast 27 Dollar. Für die nähere Zukunft haben die Experten bereits Hoffnungsträger ausgemacht: "In den kommenden Sommermonaten sollte die kürzlich eingeführte Eiskaffee-Serie ?Malt Frappuchino' helfen, die Zahlen anzukurbeln", erwartet Kalinowski. Auch Allan Hickok sagt: "Wir glauben langfristig daran, dass die Starbucks-Aktie sich gut behaupten wird angesichts einer solch exzellenten globalen Wachstumsgeschichte." Sein Zwölfmonats-Kursziel liegt derzeit bei 28 Dollar - das wäre gegenüber dem aktuellen Niveau einen Zuwachs von mehr als 20 Prozent.

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