Aktie unter der Lupe
Nintendo hat sich für die Zukunft gerüstet

Neue Chefs, neue Produkte - Japans Spielehersteller Nintendo wird nicht nur deswegen von Analysten geschätzt. Das Unternehmen genießt den Ruf, traditionell stark zu sein.

TOKIO. Gerade ist eine Ära zu Ende gegangen bei Nintendo. Unternehmensgründer Hiroshi Yamauchi hat sein Präsidentenamt nach 52 Jahren Ende Mai an Satoru Iwata übergeben, einen ehemaligen Spieleentwickler und mit 42 Jahren einem Jungspunt in Japans Manageretagen. Yamauchi, das war Nintendo. Der 74-jährige, der immer noch gut 10 % der Aktien hält, hatte das Unternehmen vom Spielkartendrucker zum zweitgrößten Videospielehersteller der Welt gemacht.

Die Führung wechselt kurz nachdem mit dem Game Cube und dem Game Boy Advanced neue Spielgeräte auf den Weltmärkten gestartet sind. Der Game Cube soll Nintendo auch in diesem Jahr einen Umsatzrekord bescheren. Auf der Ertragsseite jedoch wird sich der Preiskampf in diesem Jahr wohl negativ bemerkbar machen. Allerdings ist Nintendo dagegen ganz gut gewappnet, argumentieren Analysten. Denn das meiste Geld verdient der Hersteller von Gameboy und Pokémon mit seiner Software. Und auf die kommt es in diesem Jahr an, wenn Sony seine Playstation 2, Microsoft seine Xbox und Nintendo seinen Game Cube an den Spieler bringen wollen.

"Bei allen drei Konsolen wird es vor Weihnachten eine ganze Reihe von neuen Spielen geben", meint Eri Sato von Goldman Sachs. Die US-Branchenschau Electronic Entertainment Expo Ende Mai habe gezeigt, dass Nintendos "Mario Party 4" und "Die Legende von Zelda" gut ankämen. Doch auch die Spielehelden können die harte Konkurrenz nicht abschütteln. Sato erwartet, dass die Sony Playstation 2 weiter die verbreitetste Konsole bleiben wird, gefolgt vom Nintendo-Produkt.

Mit dem Start der Game-Cube-Konsole auf dem japanischen Markt im September hatte die Nintendo-Aktie zunächst stark zugelegt. In den vergangenen Wochen jedoch ging es wieder leicht abwärts. Der Grund: Im laufenden Jahr wird neben dem Preiskampf der hohe Yenkurs auf die Gewinne schlagen, Nintendo macht 70 Prozent seines Umsatzes außerhalb Japans. Deswegen erwartet der Spielehersteller nach einem Nettogewinn von 106,44 Mrd. Yen (rund 914 Mill. Euro) im laufenden Jahr nur noch 90 Mrd. Yen, also rund 15 % weniger. Und bei dieser Prognose legt Nintendo einen Kurs von 130 Yen zum US-Dollar zugrunde. Auch das lässt Investoren zögern, denn derzeit steht der Dollar bei gut 124 Yen.

Konservative Strategie

Die Investmentbank Nomura hat die Nintendo-Aktie dennoch auf "Kaufen" gesetzt. Nintendo schlage sich bei der Hardware gut und sei im Software-Bereich traditionell stark, begründet Analyst Yuta Sakura. "Wir glauben, die Herstellungskosten für den Game Cube werden schon bald stark sinken." Nintendo hat angekündigt, die Konsole auch in China zu produzieren. Diese Entwicklung wird sich Sakura zufolge vor allem im kommenden Geschäftsjahr bemerkbar machen. Dann rechnet er mit einem Betriebsgewinn von 180 Mrd. Yen. Das wäre der höchste in der Unternehmensgeschichte. Im laufenden Geschäftsjahr erwartet Nintendo 115 Mrd. Yen nach knapp 120 Mrd. Yen im Jahr zuvor.

In diesem Jahr will das Unternehmen mit Sitz in der alten Kaiserstadt Kyoto weltweit 12 Mill. Game Cubes verkaufen und 36 Mill. Spiele für die Konsole. Anders als Sony und Microsoft setzt Nintendo bei seinen Spielgeräten nicht unbedingt auf Multimedia mit DVD und CD sowie Onlinespielen. "Nintendos Strategie ist hier konservativer", sagt Analyst Sakura. Aber da noch nicht klar ist, was der Markt für Online-Spiele hergibt, gefällt das nicht wenigen Analysten, zumal Nintendos Zielgruppe Jugendliche sind. "Computerspielkonsolen sind nur ein Spielzeug, kein Haushaltsgerät", war die Philosophie des alten Unternehmenschefs Yamauchi. Ob das neue Management genauso denkt, bleibt abzuwarten.

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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