Aktie unter der Lupe
Nokia: Der Weltmeister aus Finnland hofft auf neuen Boom

Wenn schon nicht Mika Häkkinen, dann wenigstens Nokia. So mögen viele Finnen denken, wenn am Freitag der größte Konzern des Landes seine Quartalszahlen vorlegt. Die Hoffnung, dass die Finnen wenigstens in der Handy-Disziplin die Poleposition halten können, ist groß.

STOCKHOLM. Was das für Auswirkungen auf die Nokia-Aktie hätte, wagt derzeit kaum ein Analyst zu prognostizieren.Auch mit Kurszielen oder konkreten Hinweisen zur weiteren Entwicklung der Aktie halten sich Analysten zurück. Der Grund: Die Unsicherheit in der Branche ist nach den Terroranschlägen noch weiter gestiegen. Erst eine klare Prognose von Nokia könnte die ungewöhnliche Zurückhaltung der Analysten lockern. Der Kurs der Nokia-Aktie ist seit Jahresbeginn zwar um insgesamt 52 % gefallen, hat aber in den vergangenen Wochen deutlich an Boden gewonnen. Viele Banken haben den Titel auf Halten oder Neutral gesetzt. Analysten machen darauf aufmerksam, dass die Nokia-Aktie immer noch hoch bewertet sei.

"Wir rechnen mit wenigen Überraschungen", sagt Stefan Olsson, Telekommunikationsanalyst bei Fischer Partners in Stockholm zu den erwarteten Ergebnissen. In der Tat hatte Nokia zuletzt am 11. September seine Prognosen für den Rest des Jahres erneuert. Die Finnen gehen von einem Gewinn je Aktie von 0,14 bis 0,16 Euro aus und bestätigten damit frühere Vorhersagen. Korrigiert wurde dagegen das Umsatzwachstum für das dritte Quartal von ursprünglich 0 bis 5 % auf einen 5 %-igen Umsatzrückgang.

Mehr Handverkäufe in den USA nach den Anschlägen

Allerdings: Die letzte Prognose kam wenige Stunden vor den Terroranschlägen in den USA und hat also deren Effekte auf die Weltwirtschaft noch nicht erfasst. Branchenkenner sind sich nicht einig, wie sich die Anschläge auf die Telekommunikationsbranche auswirken werden. Tatsache ist, dass in den USA, wo Handys längst noch nicht so verbreitet sind wie in Europa, viele Menschen gerade nach den Anschlägen ein Mobiltelefon kauften.



Die meisten Analysten glauben, dass Nokia im Handy-Bereich eine Gewinnmarge (Umsatzrendite) von knapp über 17 % erzielen wird. Damit würden die Finnen zwar die Konkurrenz abhängen, die mit roten Zahlen kämpft. Aber Nokia war schon deutlich rentabler. "Ich glaube, Nokia hat sich im dritten Quartal vor allem auf gute Gewinnspannen und nicht so sehr auf Marktanteile konzentriert", sagt Olsson.

Eine neue Schätzung von dem Analyseunternehmen Gardner Dataquest zeigt, dass der finnische Konzern mit einem Weltmarktanteil bei Handys von 34,8 % jetzt etwas unter den Frühjahrsziffern von rund 37% liegt. Das liegt nach Meinung von Branchenkennern auch daran, dass die Finnen erst in der letzten Septemberwoche - deutlich nach den Mitbewerbern - GPRS- taugliche Handys auslieferten.

Nach einer von SME Direkt durchgeführten Analysten-Umfrage in Stockholm rechnen sie mit einem Gesamtumsatz von Nokia im dritten Quartal von 7,2 Mrd. Euro. Der Vorsteuergewinn wird auf 1,03 Mrd. Euro geschätzt.

Während die Handy-Sparte, die 70% des Nokia-Umsatzes ausmacht, vermutlich wenig Anlass zu negativen Überraschungen geben dürfte, sieht es im Netzwerkbereich schlechter aus. Diese Sparte macht 30 % des Konzernumsatzes aus und ist stark von der Zurückhaltung vieler Netzwerkbetreiber abhängig. Auch die gemeinsame Nutzung von UMTS-Netzen durch mehrere Betreiber dürfte sich nach Ansicht von Merrill Lynch negativ auf die Kursentwicklung von Telekomausrüstern wie Nokia auswirken. Die Gewinnmarge in der Netzwerksparte wird nach Analysten-Schätzung auf 12,2% zurückfallen - nach 18% und 15,8 % in den Vorquartalen diesen Jahres.

Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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