Aktie unter der Lupe
Nutreco machen die Lachse zu schaffen

Der Preisverfall im lukrativen Lachsgeschäft hat dem Konzern Nutreco und dessen Aktienkurs stark zugesetzt. Die Verknappung des Angebots und die Entdeckung des Verbrauchers sollen das Blatt wenden.

BRÜSSEL. Nahrungsmittelwerte sind defensive Aktien. Der niederländische Fleisch- und Fischkonzern Nutreco N.V. aus Amersfoort hat jedoch den Nimbus einer stabilen Anlage in unstabilen Zeiten verloren. Durch den Einbruch der Lachspreise auf dem Weltmarkt sackte der Gewinn des weltweit größten Lachszüchters in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres - neuere Zahlen liegen noch nicht vor - um 86 %. Und das, obwohl die Sparte Lachszucht und Fischfutter nur etwa ein Drittel des Umsatzes bringt.

"Wenn man so abhängig ist von dem Preis eines einzigen Produkts, ist man eher ein zyklischer Wert", folgert Peter van der Lely, Analyst bei Iris/Robeco. Dieser Umschwung habe dem Börsenliebling der 90er Jahre, der seine Aktionäre mit stetig hohen Gewinnzuwächsen verwöhnt hatte, einen bleibenden Imageschaden zugefügt, meint van der Lely. Dadurch trete sogar eine Erholung der Gewinne in den Hintergrund. Ungewissheit über womöglich zusätzliche hohe Pensionsverpflichtungen trage zur negativen Wahrnehmung bei, konstatieren Analysten.

Angesichts des hohen Risikoprofils bleiben Anleger vorsichtig, selbst wenn Nutreco den Gewinnrückgang im gesamten Jahr durch Kostensenkungen sowie noch nicht näher bestimmte Sondereinnahmen und einen leicht erholten Lachspreis auf etwa 30 % begrenzen will. "Die Preiserholung war aber nicht nur im Herbst, sondern auch im Dezember enttäuschend", meinte ING-Analyst Robert-Jan Vos. Er kritisiert, dass Nutreco keinen Aufschluss über die Sondereinnahmen gebe. "Wir halten nichts davon, den Gewinn durch einen größeren Verkauf herauszuputzen."

Für dieses Jahr erwarten Analysten ein beträchtliches Gewinnwachstum, wohlgemerkt auf einer niedrigen Vergleichsbasis. Die Gründe: Da Nutreco und die Wettbewerber das Angebot an Lachs verringern, dürfte der Preis sich wieder erholen. Die angepeilten, wenn auch nicht bezifferten Kostensenkungen sowie höhere Gewinne aus der Geflügelherstellung in Spanien infolge eines synergieträchtigen Zukaufs werden laut Analysten ebenfalls positiv zu Buche schlagen.

"Die kurzfristigen Aussichten sind daher recht positiv", urteilt van der Lely, der zum Halten der Aktie rät. Er erwartet dieses Jahr einen Zuwachs des Nettogewinns vor Abschreibungen von 33 % auf 90 Mill. Euro. ING-Analyst Robert Jan Vos prognostiziert sogar einen Anstieg um 63 % auf 119 Mill. Euro. Vos rät zum Kaufen. "Die derzeitige Beurteilung an der Börse ist zu negativ." Der Kurs könne sich auf 32 Euro verdoppeln. Langfristig dürften Angebot und Nachfrage auf dem Lachsmarkt wieder ins Gleichgewicht kommen. Der Markt werde jährlich um bis zu 10 % wachsen, meint Vos. "Die großen Spieler wie Nutreco und Konkurrent Pan Fish aus Norwegen profitieren dann davon, dass sie die Überkapazitäten reduzieren." Nutreco als Weltmarktführer erwirtschafte auch bei weniger rosigen Gewinnen einen soliden Cashflow.

Analyst van de Lely vermisst allerdings eine langfristige Strategie bei Nutreco. Der Konzern sieht das freilich anders. Er will höhere Margen erzielen, indem er nicht mehr nur an Industrie und Großhandel liefert, sondern auch direkt an den Verbraucher - etwa gewürzten Lachsscheiben oder portioniertes Geflügel- und Schweinefleisch. Und für die Einzelhandelsprodukte baut der Konzern eigene Marken auf. Noch längerfristig ist das Ziel, sich durch Kabeljau-Zucht aus der Abhängigkeit vom Lachs zu befreien.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%