Aktie unter der Lupe
Öffentlicher Nahverkehr fährt auf Init ab

Unternehmen können sich durch Spezialisierung auf eine Nische vom negativen Branchenumfeld absetzen. Ein Beispiel dafür ist der Telematik-Anbieter Init, der sich mit seinen Produkten auf den öffentlichen Nahverkehr konzentriert. Hoffnungen ruhen nun auf einem Prestigeobjekt in Stockholm und dem US-Geschäft.

FRANKFURT/M. "Den 24. Juli abwarten" hieß es zuletzt von vielen, die sich mit der Aktie der Karlsruher Init AG beschäftigen. Beim Telematik-Anbieter, der mit vollem Namen Innovation in Traffic Systems heißt, lief an diesem Tag die Haltefrist für einen Teil der von Altaktionären, Management und Mitarbeitern gehaltenen Aktien ab. Viele Anleger rechneten von diesem Datum an mit einem schnellen "Kasse machen". Der Kurs der Aktie sackte daher bereits im Vorfeld von 9 Euro auf etwa 7 Euro ab und konnte sich bislang auch noch nicht wieder erholen. Aktuell notiert das Papier bei 5,75 Euro. Nach einem Ausgabepreis von 5,10 Euro vor einem Jahr bliebe damit unter dem Strich aber immer noch Plus von knapp 12 %.

"Nichts in dieser Richtung ist geplant", sicherte Vorstandschef Gottfried Greschner gegenüber dem Handelsblatt zu, der derzeit noch 54 % der Init-Papiere hält. Er werde zwar mit Investoren sprechen, geplant ist aber bestenfalls die Abgabe eines kleineres Paketes. Auf jeden Fall wolle er die Mehrheit an Init behalten. Außerdem sollen die Pakete nicht über den Markt, sondern im Paket an einen Großinvestor verkauft werden, so Greschner. Deswegen habe er um den 24. Juli herum mit Investoren gesprochen.

Für die Analysten ist der Soft- und Hardware-Spezialist ein Beispiel dafür, wie sich ein Unternehmen durch Spezialisierung auf eine Nische vom negativen Branchenumfeld absetzen kann. Init hat sich mit seinen Produkten auf den öffentlichen Personennahverkehr verlegt und macht in dieser - noch vor kurzem belächelten - Branche gute Geschäfte. Insgesamt über 200 internationale Projekte haben die Karlsruher inzwischen realisiert. Für Aktionäre ist gerade der jetzige Zeitpunkt interessant, schließlich erwirtschaftete Init geschätzt die Hälfte seines Umsatzes und gut zwei Drittel seines Gewinns im letzten Quartal.

Aber auch die vergangenen Wochen verliefen viel versprechend. Im Juli wurde der größte Auftrag der Firmengeschichte an Land gezogen. Die etwa 1 700 Fahrzeuge der Stockholmer Verkehrsbetriebe werden mit Bordrechnern auf PC-Basis ausgerüstet. Dieser Auftrag hat nicht nur ein Volumen von 11 Mill. Euro, er hat laut Peter Klostermeyer von Consors Capital auch Signalwirkung: Der skandinavische Markt sei im Hinblick auf den Produktinnovationszyklus im öffentlichen Nahverkehr anderen Märkten zum Teil um mehrere Jahren voraus. Für Stockholm werde bereits jetzt ein Projekt entwickelt, das in einigen Jahren kostengünstig in anderen Märkten eingesetzt werden kann. Weitere Prestigeobjekte könnten folgen, meint Klostermeyer, beispielsweise für die Olympischen Spiele 2004 in Athen. Dort fehlt es nach Aussagen von Denis Oswald, dem Präsidenten der Koordinierungskommission, noch an der erforderlichen Infrastruktur.

Neben solchen Prestigeobjekten profitiert Init im Moment vor allem von einem boomenden Geschäft in den USA, das zuletzt alle Planzahlen übertraf. Hintergrund ist, dass der öffentliche Nahverkehr dort im Vergleich zu Europa noch in den Kinderschuhen steckt. Es besteht also Nachholbedarf. Weiterer Vorteil: Die Konkurrenz kommt weitgehend aus Europa, in den USA selbst hinken die Wettbewerber noch hinterher.

Der größte US-Auftrag kam mit einem Volumen von 7,2 Mill. Dollar bisher aus Albany. Wie in Europa spielt auch dort die Zahl und Qualität der Referenzkunden eine große Rolle. "Die potenziellen Kunden legen mehr Wert darauf, sich unser System in der Praxis anzusehen als auf jegliche Präsentation", sagt Gottfried Greschner. Wer dann vor Ort die Anwendung in der Praxis sieht, der sei oft sofort überzeugt.

Auf dem deutschen Markt ist Init bisher vor allem in den kleineren und mittleren Verkehrbetrieben vertreten. Demnächst sollen aber auch Großstädte wie Berlin auf der Referenzliste stehen. Dafür könnten erstaunlicherweise die klammen Kassen der Kommunen sorgen: "Wer wenig Geld hat, muss künftig umso mehr darauf achten, die Kosten zu senken", so Greschner.

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