Aktie unter der Lupe
Oracle-Aktie braucht noch Zeit

Die Gewinnwarnung von Oracle-Chef Larry Ellison quittierten Analysten mit Herabstufungen und nach unten korrigierten Prognosen. Sollte sich die Softwarebranche jedoch wieder erholen, ist die Oracle-Aktie nach Meinung von Analysten wieder vorne dabei.

NEW YORK. Mit knappen Worten warnte Oracle-Chef Larry Ellison Anfang März die Investoren: Trotz des leicht besseren Geschäfts in den USA und Europa werde das Gesamtergebnis im vierten Quartal hinter den Erwartungen zurückbleiben. Schuld seien die Verluste im Asiengeschäft. Seitdem grübelt die Wall Street, ob noch weitere Gründe hinter der Gewinnwarnung bei Oracle stecken. Sehr wortkarg sei Ellison geblieben, kritisierten Analysten.

Weder Analysten noch Investoren mochten daher auf die endgültigen Zahlen warten, die das Unternehmen am morgigen Donnerstag bekannt geben will und die vermutlich das schlechteste Oracle-Ergebnis seit einem Jahrzehnt markieren werden. Der Markt strafte die Aktie schon vorher ab: Herabstufungen und gekürzte Gewinnprognosen waren die Quittung für die Unsicherheit - dazu ein Kursverlust von fast 15 Prozent an einem Tag, an dem viele andere Softwaretitel Gewinne verbuchten.

Eine solche Marktreaktion deutet darauf hin, dass die Investoren einige der Oracle-Probleme für hausgemacht halten. "Die Schwierigkeiten bei Oracle spiegeln teilweise die schwierige Wirtschaftslage wider, aber es gibt auch Anzeichen für eigene Schwachstellen im Konzern", sagt Analyst Jon Ekoniak von der US Bancorp Piper Jaffray. In der Vergangenheit habe Oracle seine Bilanzen oft durch eindrucksvolles Kostenmanagement gerettet. Nun sei allerdings der Punkt erreicht, an dem sich nicht mehr viel einsparen lasse. "Oracle muss jetzt mehr Gewinnzuwächse einfahren, um die Margen und Ertragsprognosen noch erreichen zu können", meint Ekoniak.

Die Preispolitik des zweitgrößten US-Softwareherstellers hat nach Meinung der Experten ebenfalls zu den Problemen beigetragen. Viele Oracle-Produkte sind teurer als die der Konkurrenz. In diesem Jahr hat das Unternehmen erstmals der Versuchung widerstanden, zum Quartalsende seine Ware zu Schleuderpreisen zu verkaufen und damit doch noch die Prognosen zu erreichen. Dadurch sei der Umsatzzuwachs hinter den Vorjahren zurückgeblieben. Prudential-Securities - Analyst John McPeake lobt die neue Strategie als "langfristig weisen Zug", auch wenn dies zunächst zum Rückgang beitragen dürfte.

Die Mehrzahl der 40 Analysten, deren Anlageurteile die Datenbank Bloomberg auflistet, empfehlen die Oracle-Aktie zum Kauf. Der Preis sei attraktiv und das Geschäft mit Datenbanken werde wieder anziehen, sobald es der Branche besser gehe, sagt George Gilbert von Credit Suisse First Boston. Robert Hynes vom Finanzdienst Vestigo Associates erwartet eine Erholung noch in der zweiten Hälfte des laufenden Jahres.

Die schlechten Nachrichten könnten zudem heilend auf die kommenden Quartale wirken. "Wir haben Hinweise darauf, dass Oracle damit gerechnet hat, die Prognosen zumindest leicht zu verfehlen, und daraufhin einen Großteil des Geschäfts ins nächste Quartal verlagert hat", erklärt McPeake. Damit könnte Oracle in den nächsten Bilanzen eine deutliche Verbesserung präsentieren und die Prognosen, die die Analysten zurzeit nach unten setzen, wieder erreichen.

Unter dem Strich wird dann dennoch ein geringeres Plus auf dem Papier stehen. Darüber sind sich die Wertpapierexperten einig - selbst die Optimisten unter ihnen haben trotz ihrer Kaufempfehlungen die Kursziele und Gewinnschätzungen für die kommenden Quartale nach unten korrigiert. Jon Ekoniak resümiert: "Für langfristig orientierte Technologie-Anleger bleibt Oracle ein zentraler Wert, aber die nächsten Quartale werden noch anspruchsvoll und schwierig werden."

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