Aktie unter der Lupe
Oracle enttäuscht die Analysten

Die eigenen Prognosen und die Erwartungen der Experten sind erfüllt - und trotzdem fährt Oracle, der drittgrößte Softwarehersteller der Welt, im Moment nur müde Reaktionen ein.

NEW YORK. Das Quartalsergebnis von 12 Cents je Aktie traf auf den Punkt genau die Erwartungen der Analysten. Insgesamt lag der Gewinn bei rund 656 Mill. Dollar, fast 200 Mill. unter dem Vorjahresergebnis. Bereits Anfang Juni hatte Chef Larry Ellison entsprechende Zahlen inoffiziell angekündigt und damit der Aktie und dem gesamten Softwaresektor schon im Vorfeld einige Zuwächse beschert.

Doch die Anleger sprangen trotzdem ab: Vor der offiziellen Bekanntgabe am Dienstag Abend bröckelte der Kurs zeitweise um rund 4%. Und auch die Experten zeigen nicht sonderlich beeindruckt von der Bilanz. Zum ersten Mal seit mehr als einem Jahrzehnt konnte Oracle den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nicht steigern. Stratege Bob Austrian von der Bank of America nennt das Ergebnis lediglich "milde positiv im Vergleich zu den schlimmsten Befürchtungen". Dabei hat das traditionell schwache erste Quartal des Geschäftsjahres gerade erst angefangen.

Das Plus im vergangenen Jahresviertel sei vor allem durch Einsparungen erzielt worden und nicht durch gestiegene Umsätze, erklärt Austrian. Analysten bewerten solche Strategien oft als riskant, weil sich der Sparkurs nicht uneingeschränkt fortführen lässt. Allerdings: Oracle bleibt zurzeit keine andere Wahl, als die Ausgaben weiter zurückzuschrauben, kommentiert Morgan-Stanley-Analyst Charles Phillips. Grund sind die anhaltenden Preiskämpfe zwischen Oracle und der Konkurrenz, vor allem mit dem Computerriesen IBM: "Das Marktmonopol bei Großrechnern wird IBM weiter ausnutzen, um sich Datenbank-Verträge zu sichern. Oracle muss deshalb die Kosten weiter drücken, um den Schaden in Grenzen zu halten", sagt Phillips.

Offenbar trifft das genau die Pläne der Unternehmenssoftware-Hersteller aus Kalifornien. Denn Presseberichten zufolge will type="organisation" value="US68389X1054">Oracle seine Belegschaft in Indien von rund 2.000 in Kürze verdoppeln und dafür möglicherweise in den USA Arbeitsplätze streichen. Bob Austrian schätzt, dass der Softwareriese damit pro Stelle rund 75% der Mitarbeiterkosten einsparen würde: "Das kann im kommenden Jahr für weitere Margen sorgen."

Im Kernmarkt USA wird eine Erholung der Nachfrage noch etwas auf sich warten lassen, schätzen Experten. Die Mehrzahl rechnet frühestens Ende des Jahres mit steigenden Absätzen. Analyst Christopher Galvin von JP Morgan warnt, dass es bis dahin für die Aktie noch weiter nach unten gehen könnte: "Im Moment dreht sich die Debatte darum, was schon in den Kurs eingepreist ist und was nicht." Bereits seit einigen Monaten ist der Oracle-Aktienpreis fast ständig auf Talfahrt - vor einigen Wochen schloss das Papier erstmals unterhalb der früheren Jahrestiefstände vom vergangenen September und hat sich seitdem nicht erholt. Zudem steht Oracle möglicherweise ein Verfahren ins Haus: Der Bundesstaat Kalifornien behauptet, mehr als 40 Mill.$ zuviel für obendrein überflüssige Software an das Unternehmen gezahlt zu haben. Analysten glauben allerdings nicht, dass der Streit größere Auswirkungen auf den Aktienkurs hat: "Oracle ist einer der größten Arbeitgeber in Kalifornien, deshalb wird sich die Regierung genau überlegen, ein Verfahren anzustrengen", sagt Analyst John McPeake von Prudential Securities.

Für die langfristige Zukunft machen sich die Analysten allerdings keine Sorgen um den Datenbank-Hersteller. "Oracle bleibt ein beneidenswertes Franchise-Unternehmen", erklärt Galvin. Morgan-Stanley-Stratege Phillips rät zum Übergewichten der Aktie und nennt die Kalifornier den "immer noch größten und profitabelsten Unternehmenssoftware-Produzenten". Bob Austrian bewertet außerdem positiv, dass Oracle im vergangenen Quartal eine Reihe von lukrativen Verträge abgeschlossen hat, darunter mindestens einen über mehrere Millionen Dollar. "Diese Vereinbarungen mit Blue-Chip-Unternehmen werten das Unternehmen weiter auf. Oracles Anwendungssparte sollte sich also gut entwickeln, sobald die Firmen wieder mehr Geld ausgeben."

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