Aktie unter der Lupe: Partnersuche weckt Phantasie bei KLM-Aktie

Aktie unter der Lupe
Partnersuche weckt Phantasie bei KLM-Aktie

Die niederländische Fluglinie KLM hat sich zwar vom Einbruch nach dem 11. September erholt. Die Zahlen, die KLM am Donnerstag vorlegt, werden allerdings alles andere als rosig aussehen. Analysten rechnen mit einem hohen Verlust. Außerdem plagt KLM eine Sorge: Die Suche nach einem Partner.

BRÜSSEL. Es ist fast wie in dem berühmten TV-Sketch: "The same procedure as every year?" In den vergangenen zehn Jahren haben KLM und British Airways (BA) viermal versucht zu fusionieren, zuletzt 2000: KLM-Boss Leo van Wijk und BA - Chef Rod Eddington konnten ihre Unternehmen jedoch nicht zusammenbringen. Es blieb beim "Dinner for One" für KLM.

Jetzt, da Eddington die Allianz mit American Airlines zu den Akten legen muss, kommt KLM wieder ins Spiel: Die Aussicht auf einen Zusammenschluss hat den Kurs des niederländischen Carrier zum Wochenbeginn um satte sieben Prozent nach oben getrieben. Die niederländische Rabobank jedenfalls rät ihren Anlegern derzeit zum Kauf von KLM. Analyst Hann Verheijen sieht die Airline, die zur Zeit bei rund 14,60 Euro notiert, in zwölf Monaten bei 18 Euro.

Denn nicht nur die Gerüchte unterstützen den Kurs der Niederländer: Die mühevollen Monate nach dem 11. September gehen dem Ende zu. Nach dem absoluten Tiefstand von 7,30 Euro für eine KLM-Aktie im September vergangenen Jahres hat der Kurs fast um 100 Prozent auf den heutigen Stand zugelegt. Das Vertrauen der Analysten und Anleger in die Luftfahrtindustrie kehrt langsam zurück.

Am vergangenen Freitag präsentierte die spanische Fluglinie Iberia Quartalszahlen, die besser waren als erwartet, KLM selbst stellt 200 neue Flugbegleiterinnen ein. Auch American Airlines, die weltgrößte Fluggesellschaft, beginnt die nach den Anschlägen eingefrorenen Kapazitäten wieder aufzutauen. "Im Vergleich zur Zeit nach dem Golfkrieg erholt sich die Branche deutlich schneller", sagt Analyst Verheijen.

Bei KLM fiel die Gesamtauslastung im November auf 77 Prozent, die Niederländer lagen mit ihrer Quote jedoch vor ihrer europäischen Konkurrenz. Wenn Leo van Wijk am Donnerstag Zahlen für das dritte Quartal vorlegt, werden die jedoch alles andere als schön sein: Analysten erwarten ein Minus von 170 Mill. Euro nach einem Gewinn von 46 Mill. Euro im Vorjahr. Auch das Bilanzjahr 2001/2002 wird am 31. März mit einem "signifikanten Verlust" enden, sagt Van Wijk. Ganz so dramatisch wie ursprünglich angenommen werde das Ergebnis aber nicht ausfallen.

Van Wijk hat an allen Enden gespart: Kurzarbeit, Stellenabbau und die Veräußerung der Beteiligung an der norwegischen Fluglinie Braathens haben ihm geholfen, in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres rund 200 Mill. Euro einzusparen. Trotz erfolgreichen Krisenmanagements bleibt KLM ein Problem: Die Niederländer können alleine nicht überleben und brauchen langfristig einen starken Partner. Mit British Airways sind die Kontakte nie ganz abgerissen: Zum Jahreswechsel gaben die Unternehmen bekannt, Sitzkapazitäten gemeinsam nutzen zu wollen und ihre Flüge in den Nahen Osten zu koordinieren. Eine engere Kooperation oder Fusion könnte BA helfen, die horrenden Verluste im kontinentalen Fluggeschäft auszugleichen.

Ob aus der aktuellen Übereinkunft kurzfristig mehr werden kann, sehen Branchenkenner wie Uwe Weinreich von der Hypo-Vereinsbank skeptisch. Die Briten halten KLM zwar für ihren "bevorzugten Partner" auf dem Kontinent, einem engeren Zusammenschluss stehen aber einige Hürden im Weg. Eine Fusion unter gleichberechtigten Partnern ist auf Grund der größeren Marktkapitalisierung von British Airways ausgeschlossen. Die Angst der niederländischen Konzernleitung, dass BA im Falle einer Fusion eine zu starke Stellung bei der Fluggesellschaft einnehmen würde, war einer der Gründe, warum die letzten Gespräche vor zwei Jahren scheiterten. Außerdem ist die Frage der internationalen Verkehrsrechte weiterhin nicht geklärt: Bei einer Fusion mit BA würde KLM auf Grund der bilateralen Abkommen Landerechte in den USA verlieren.

Gegen diese Reglementierung des transatlantischen Flugraums hat die EU-Kommission zur Zeit zwar den europäischen Gerichtshof eingeschaltet, "ein neues Luftverkehrsabkommen mit den USA wird es jedoch erst in frühestens zwei Jahren geben", schätzt Weinreich. Bis dahin mache ein Zusammenschluss der beiden Airlines kaum Sinn. KLM kann die Zeit noch aus eigener Kraft überbrücken: Die Airline hat rund 1,7 Mrd. Euro in der Kasse. "Außerdem besteht die Chance, dass KLM die Marktposition gegenüber BA weiter verbessert", meint Analyst Weinreich. Bis dahin sei viel "Phantasie im Kurs".

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