Aktie unter der Lupe
PC Ware spaltet die Anlegergemeinde

Die Leipziger PC Ware stellt in mancher Hinsicht eine Ausnahme dar. Schließlich gelang es nur wenigen deutschen IT-Dienstleistern, seit 1990 kontinuierlich schwarze Zahlen zu schreiben. Das Rezept dafür klingt simpel: Das Unternehmen hat hohes Know How im Bereich der öffentlichen Verwaltungen. Trotzdem sind manche Anleger skeptisch.

FRANKFURT/M. An PC Ware schieden sich schon immer die Geister. Für die einen ist das Unternehmen eine der erfreulichsten Erscheinungen unter den ansonsten schwer gebeutelten deutschen Informationstechnik- Dienstleistern. Manche Fondsmanager lehnen die Aktie allein der Branche wegen ab. "Kistenschieber" ist ihre etwas abfällige Bezeichnung für das dreistufiges Geschäftsmodell, das Lizensierung, Service und Internettechniken beinhaltet. Dazu gehört unter anderem auch die als margenschwach bekannte Lieferung von Hardware mit dem dazu nötigen Transport von Kisten.

Auch beim Thema Marge ist die Anlegergemeinde gespalten. Die einen reagieren hoch erfreut auf die Geschäftszahlen wie die zuletzt vorgelegte Neun-Monatsbilanz: der Umsatz stieg binnen Jahresfrist um 30 % auf 380,8 Mill. Euro, und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) legte um 50 % auf 7,4 Mill. Euro zu. Die anderen kritisieren die nach wie vor geringe Ebit-Marge von knapp 2 %, die auch in Zukunft keine wesentlichen Steigerungsraten verspricht.

Ein Problem teilt PC Ware mit vielen anderen kleinen börsennotierten Gesellschaften. Kaum noch ein Analyst interessiert sich für das Unternehmen. Thorsten Reigber von der DZ Bank ist laut Informationsdienst Bloomberg der Einzige, der sich mit der Aktie beschäftigt. Er bestätigte erst Anfang März seine Kaufempfehlung.

Bei PC Ware selbst stört man sich an kritischen Tönen und geringem Analysteninteresse nicht, sondern ist vielmehr auf die gute Marktposition stolz. "Angesichts der allgemeine Konjunkturschwäche sind die Quartalszahlen ein Beleg für die weiter gestiegene Wettbewerbsfähigkeit von PC Ware", sagte Vorstandschef Knut Löschke bei Vorlage der Zahlen. Sein Selbstbewusstsein bezieht er auch aus der Tatsache, dass sein Unternehmen seit 1990 profitabel arbeitet. Eine solche Bilanz gelang in der Branche nur ganz wenigen, ganz zu schweigen davon, dass viele der Wettbewerber aus den Gründerjahren heute längst nicht mehr existieren. Im gesamten Geschäftsjahr, das am 31. März endet, soll der Umsatz auf rund 450 Mill. Euro steigen. Für den Anleger interessant ist die Aktie auch wegen ihrer Dividendenrendite von erwarteten 5 %.

Die erfreulichen Bilanzzahlen beruhen vom allem auf PC Wares Expertise im Bereich der öffentlichen Verwaltungen. In Deutschland und den Niederlanden sind die Leipziger hier Marktführer, in Frankreich und Italien über eigene Landesgesellschaften auf dem Weg dorthin. "Natürlich achtet man in diesen Ländern bei der Auftragsvergabe darauf, dass einheimische Firmen zum Zuge kommen", sagte ein Sprecher. Deswegen gehe man den Weg über eigene Landesgesellschaften. Insgesamt ist PC Ware in acht europäischen Ländern vertreten. In Spanien analysiert das Management gerade den Markt. Gut möglich, dass auch dort bald eine Tochtergesellschaft entsteht.

Für weitere Impulse könnte künftig die im Januar geschlossene Kooperation mit SAP sorgen. Für deren neue Mittelstandssoftware SAP Business One darf sich PC Ware nun "qualifizierter Vertriebspartner" nennen. Bisher schon gab es Partnerschaften mit den Großen der Branche wie Microsoft, IBM/Lotus, Fujitsu-Siemens oder Hewlett-Packard.

Auch Akquisitionen sind bei PC Ware stets ein Thema. Schließlich ist die Kriegskasse mit 73 Mill. Euro - größtenteils Geld aus dem Börsengang - noch gut gefüllt. 2002 gab es mit der Bisons Systems AG und der Krause Büro GmbH-Informationstechnik zwei Zukäufe. "Wir sehen uns um, haben aber keinen Zwang zu akquirieren", sagt ein Sprecher. Ein geeigneter Kandidat muss mehrere Bedingungen erfüllen. Unter anderem muss er profitabel sein und wird bestenfalls zur Hälfte in bar bezahlt. Den Rest gibt es in Aktien von PC Ware.

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