Aktie unter der Lupe
Pescanova profitiert von Ölpest

Viel übrig für ihre Umwelt haben Spanier in der Regel nicht. Wilde Müllkippen regen kaum jemanden auf, auch kein Abfall auf der Straße. Beim untergegangenen Tanker "Prestige" mussten erst Tonnen schmieriges Öl an die galicischen Strände gespült werden, um landesweit Empörung auszulösen.

MADRID. Um so bemerkenswerter ist jetzt die Welle der Hilfsbereitschaft von Spaniern und spanischen Unternehmern. Neben freiwilligen Helfern und Spenden hat jetzt der führende Hersteller von Fischkonserven und Tiefkühlfisch, Pescanova, drei Schiffe aus seiner Fangflotte umgerüstet, um auf dem Meer treibendes Öl aufzufangen.

Dem Kurs bekommt die Solidarität: Am vergangenen Freitag konnte das Papier 17,5 Prozent an der Börse in Madrid zulegen. Bereits kurz nach Havarie des Öltankers Mitte November hatte sich der Aktienwert des in Galicien ansässigen Unternehmens um mehr als 50 Prozent erhöht. Analysten machten dafür steigende Fischpreise und die Erwartung einer höheren Nachfrage nach Tiefkühlfisch verantwortlich.

Zudem verhandelt die Europäische Union derzeit über die Einschränkung der Fangquoten. Auch das komme der Aktie von Pescanova zu Gute, meint das Brokerhaus Ibersecurities in Madrid: Die Spanier profitieren davon, dass es nicht nur in den galicischen Gewässern fischt, sondern Lizenzen für alle Weltmeere hat. So ist Pescanova ebenfalls nicht von dem Fangverbot in der galicischen See getroffen, sondern kann auf andere Fischgründe ausweichen. Die Fangflotte der Spanier hat 130 Schiffe. Derzeit liegt der Kurs 24 Prozent höher als vor dem Unglück auf dem Atlantik.

Dennoch ist die Aktie nicht unbedingt eine sichere Anlage: Analysten halten zwar weitere Kurssteigerungen kurzfristig für möglich. Sie gehen aber davon aus, dass sich der Kurs mittelfristig wieder auf sein normales Maß einpendeln wird.

Schon 2001 hatte der Titel während der BSE-Krise einen bemerkenswerten Aufschwung genommen. Während Fleischanbieter Umsatzeinbußen hinnehmen mussten, stieg die Nachfrage nach Fisch deutlich. Von Dauer war das entgegen vieler Analystenerwartungen jedoch nicht. Mittlerweile hat sich die Nachfrage wieder zurück verschoben. Der Kurs ging von 25 Euro auf nunmehr 11,40 Euro zurück.

Pescanova ist ein mittelgroßer Wert am spanischen Aktienmarkt. Der Umsatz lag in den ersten neun Monaten diesen Jahres bei 574 Mill. Euro, nach einem eher mageren Plus von zwei Prozent im Vorjahresvergleich. Der Gewinn sank in diesem Zeitraum von 9,2 auf 6,9 Mill. Euro. Ein großer Teil des Umsatzes wird in der Weihnachtszeit erzielt, wenn die Nachfrage nach Fisch besonders hoch ist. Der Umsatz im Jahr 2001 erreichte 811 Mill. Euro.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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