AKTIE UNTER DER LUPE
Pfizer profitiert vom Lipobay-Fall

Des einen Leid, des anderen Freud? - das gilt auch auf dem Pharmamarkt: Nachdem die Bayer AG den wachstumsstarken Cholesterinsenker Lipobay im August vom Markt genommen hat, stürzt sich die Konkurrenz auf die entstandene Lücke und prangt die eigenen Mittel zur Senkung der Blutfettwerte an.

DÜSSELDORF. Jetzt zeigen sich die ersten Sieger: Zu ihnen gehört der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer Inc. Etwa 40 % der früheren Lipobay-Patienten nehmen nach Konzernangaben nun das Pfizer-Produkt Lipitor, das damit in diesem Jahr zum meist verschriebenen Medikament weltweit wird.

Das unerwartete Plus hat auch der Pfizer-Aktie weiteren Auftrieb verschafft und die Analystenschar in Sachen Pfizer noch positiver gestimmt. Die Aktie steht bei mehr als drei Viertel der von der Finanzagentur Bloomberg erfassten Investmentbanken auf "Kaufen" oder "Outperformer" - es wird also erwartet, dass die Pfizer-Aktie sich besser als der Gesamtmarkt entwickeln wird. Grund für den Optimismus ist die derzeitige Bevorzugung von Pharma-Aktien allgemein sowie die Aussichten auf stabile Gewinne bei dem Branchenprimus - und das nicht nur wegen Lipitor.

Pharmawerte gelten wegen ihrer geringen Abhängigkeit von der Konjunktur derzeit als vergleichsweise sichere Anlagen. Tatsächlich bekräftigen in diesen Tagen viele Pharmafirmen ihre Gewinnziele für dieses und nächstes Jahr - ein Verzicht bei den Konsumenten auf den Kauf von Pillen ist kaum zu erwarten.

Auch Pfizer erwartet keinen Einbruch. Den prognostizierten Gewinnanstieg von 20 % für 2002 halten die Analysten von UBS Warburg für noch konservativ geschätzt. "Pfizer wird im Vergleich der größten Pharmahersteller das größte Gewinnwachstum haben", schreibt die Bank. Das liegt zum einen daran, dass Pfizer von weiteren Kosteneinsparungen aus der Fusion mit dem US-Konkurrenten Warner-Lambert zehren kann. Zum anderen ist der Konzern in den nächsten zwei Jahren nicht von Patentabläufen wichtiger Medikamente und entsprechender Billigkonkurrenz betroffen. Mit der Macht von 21 000 Vertriebskräften will Pfizer die bisherigen Umsatzrenner wie Lipitor und das Potenzmittel Viagra weiter ausbauen. Zudem bietet sich der Konzern als Marketingpartner für kleinere Pharmafirmen an, was zusätzliche Einnahmen bringt.

Aber auch bei Pfizer ist nicht alles rosig: Der Konzern muss, wie viele seiner Konkurrenten, Rückschläge in der Entwicklung und Zulassung neuer Medikamente hinnehmen. Auf Zwölfmonats-Sicht erwarten Analysten bei Pfizer aber kaum Negativmeldungen. Ihre Kursziele liegen bei 55 $ (ABN Amro) oder 54 $ (UBS Warburg). Die Analysten glauben überwiegend, dass die Pfizer-Aktie aus dem Trendkanal von 38 bis 44 $ ausbrechen kann, in dem sie sich seit Mitte 2000 bewegt. Kurzfristig ist Pfizer für die Investmentbank J.P. Morgan wegen der stabilen Gewinnaussichten einer der attraktivsten Werte für ein defensiv ausgerichtetes Depot.

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