AKTIE UNTER DER LUPE
Preussag erlebt Kehrseiten der Fokussierung

Jahrelang litt die Preussag AG unter dem Makel, ein Mischkonzern zu sein. Stieg die Aktie mal wieder nicht so wie erwartet, hatten die Analysten die gängige Erklärung parat: Das sei eben der Konglomeratsabschlag. Deshalb müsse die Konzentration auf das Reise- und Logistikgeschäft beschleunigt werden. Vor einer Woche rauschte die Aktie innerhalb eines Tages um 8 % in die Tiefe, und die Erklärung änderte sich.

stw/HB HANNOVER. Es war der Tag, an dem der Schweizer Reise-Konzern Kuoni eine Gewinnwarnung aussprach. Und die Preussag-Aktionäre lernten, dass ihnen eigentlich kein Konglomerat mehr gehört und Fokussierung auch Schattenseiten hat: Die Aktie kassierte einen pauschalen Touristikabschlag.

In dieser unübersichtlichen Phase zwischen Industrie- und Servicekonzern tun sich die Analysten derzeit schwer mit einer gemeinsamen Position. Für den energisch vorangetriebenen Strategiewechsel gibt es immer noch gute Noten beispielsweise von Sal. Oppenheim und WGZ Bank ("Outperformer") sowie der Nord/LB ("Kaufen"). Merrill Lynch stufte die Aktie auf dem derzeit niedrigen Kursniveau mittelfristig auf "akkumulieren" hoch.

Bei der Preussag seien "klare Strukturen reingezogen worden", sagt Robert Gülpers von Sal. Oppenheim. Die Industriebeteiligungen würden "wider Erwarten" so zügig verkauft, wie angekündigt. Spätestens im nächsten Jahr handele es sich praktisch um einen reinen Reise- und Logistikkonzern. Probleme im Reisegeschäft fürchtet Gülpers nicht. Die Preussag-Tochter TUI sei bisher meist stärker gewachsen als der Markt, und der Konjunkturabschwung schlage auf die Reisebuchungen zuletzt durch.

Raimon Kaufeld von der DG Bank lobt zwar ebenfalls die Strategie, beurteilt aber einiges im touristischen Tagesgeschäft deutlich skeptischer. "Reduzieren" ist sein Rat, "und der Kursverlauf hat uns bisher Recht gegeben". Auch die Experten bei ABN Amro lagen richtig, als sie Preussag Anfang des Jahres bei 44 Euro wegen Überbewertung auf "reduzieren" herunterstuften. Zwei Faktoren werden aus Kaufelds Sicht oft übersehen. Zum einen schwäche sich das Wachstum der Reisebranche ab, denn die Zeiten, in denen der Urlaub real billiger wurde, seien vorbei. Die von Preussag erhofften Synergien im integrierten Reisekonzern hält er für überschätzt. Zum anderen werde der Margendruck bleiben, denn "es gibt keine nachhaltigen Alleinstellungsmerkmale". Auch in Zukunft könnten kleinere Anbieter dem Konzern Konkurrenz machen, gleichzeitig rückten Branchengrößen wie Thomas Cook (ehemals C+N) auf.

"Preussag wird in Deutschland Marktanteile an die anderen Großen verlieren", sagt der DG Bank-Experte. Der Konzern müsse gute Ergebniszahlen präsentieren und verzichte im Moment bewusst auf Marktanteile. Auf längere Sicht werde sich das rächen. Deshalb erwartet er für den Halbjahresbericht am 23. August in der Touristik zwar ein im Vergleich zum schwachen Vorjahr ordentliches Ergebnis. Der Umsatz werde - vom Effekt der Akquisitionen abgesehen - aber nur mäßig wachsen.

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