Aktie unter der Lupe
Preussag lebt von Lust auf Wind und Wellen

Kaum ein anderer deutscher Konzern hat sich so radikal verändert wie der Touristik-Konzern Preussag. Analysten sehen bei der Aktie noch Spielraum nach oben, sollten die Buchungen wieder zulegen.

DÜSSELDORF. Mit Bergbau, Steinkohle und Stahl kann ein Unternehmen heute die Investoren nicht mehr hinter dem Ofen hervorlocken - wohl aber mit Reisen in südliche Gefilde. Das muss Michael Frenzel schon klar gewesen sein als er vor über acht Jahren zum Vorstandsvorsitzenden der Preussag AG ernannt wurde. Seitdem hat er das Unternehmen vom Industriekonzern systematisch zum Touristik-Konzern mit der Dachmarke Tui umgekrempelt. Mit Erfolg: Preussag ist mittlerweile der europäische Marktführer in der Reisebranche.

Was die weitere Zukunft des Konzerns angeht, zeigen sich die Analysten nach dem Schock des 11. Septembers wieder recht optimistisch. Seit Anfang Januar konnte sich die Aktie von 28 Euro auf knapp über 34 Euro verbessern. Binnen eines Jahres hat das Papier kaum an Wert verloren. Analyst Philip Bonhoeffer von der Privatbank Merck Finck hält die Aktie für einen "Outperformer" mit einem Kursziel von 40 Euro. Die Hypo-Vereinsbank geht von einem Kurs von 41 Euro aus.

Nach den Terroranschlägen in den USA war die Reiselust der Deutschen fast auf den Nullpunkt gesunken. Rolf Geck, Analyst bei der WGZ-Bank ist der Meinung, dass sich die Lage langsam wieder normalisiert. Viele Leute hätten sich mit den Buchungen erst einmal zurückgehalten. "Wenn es die ersten konkreten Hinweise für zunehmende Buchungen von Preussag geben wird, werde ich meine Gewinnschätzung anheben", sagt Geck, der die Aktie auf "Akkumulieren" gestuft hat. Die Analysten der Hypo-Vereinsbank gehen bei ihrer Kaufempfehlung davon aus, dass der Umsatz aus der Touristik dieses Jahr auf dem Niveau des Vorjahres liegen werde. 2003 könne der Umsatz sogar um fünf Prozent zulegen.

Preussag-Chef Frenzel hat bisher noch keine Buchungszahlen genannt. Prognosen für das Jahr 2002 will er auch noch nicht abgeben. Erst Mitte bis Ende April könne er Zahlen nennen, sagte Frenzel vergangene Woche zum Auftakt der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin. Allerdings bestätigte er gestiegene Buchungszahlen. Erste Anzeichen auf eine Normalisierung des Reiseverhalten gibt es bereits bei den Fluggesellschaften. Die Lufthansa hat ihre Kapazitäten wieder etwas angehoben, noch liegen sie aber unter denen des Sommers 2001.

An der Aufstellung mangele es Preussag nicht, sagt Bonhoeffer. Die internationale Ausrichtung des Konzerns sei vorbildlich. Außer in Spanien ist der Konzern in fast allen europäischen Ländern mit von der Partie. In Großbritannien mischt Preussag über Thomson Travel mit, in Frankreich über Nouvelles Frontièrs und in Italien über Alpitours. "Allerdings muss Preussag seine Verschuldung in den Griff bekommen", mahnt Bonhoeffer. Das versucht der Konzern, unter anderem indem er sich von Beteiligungen trennt, wie etwa von seinem Anteil an der Kieler Werft HDW.

Im Sommer wird Frenzel die Umwandlung des einstigen Industrieriesen zum Touristik- und Dienstleistungskonzern auch nach außen hin geschafft haben. Dann nämlich soll der alte Name weg. Preussag wird dann endlich Tui heißen.

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