Aktie unter der Lupe
Pro Sieben-Aktie folgt „ran“-Quote

Die Aktienkurse der Pro Sieben Sat.1 Media AG bewegen sich seit Monaten nur in eine Richtung: nach unten. Lag der Medienwert zur Jahreswende noch komfortabel über 30 Euro, so notierte die im MDax gelistete Aktie gestern wieder in der Nähe des Jahrestiefs bei 12 Euro.

MÜNCHEN. Der dramatische Kursrutsch hat einen einfachen Grund: Weil die deutsche Wirtschaft lahmt, geben die Unternehmen weniger für Werbung aus. Da sich die vier Sender der Münchener, also Pro Sieben, Sat.1, Kabel 1 und N 24, fast ausschließlich durch Werbung finanzieren, fließt auch weniger Geld in die Kassen von Deutschlands größtem privaten TV-Anbieter.

Das hat Konzernchef Urs Rohner bereits im ersten Halbjahr die Bilanz verhagelt und wird sich auch im Rest des Jahres kaum ändern, musste der Schweizer Anfang der Woche kleinlaut zugeben. Wie andere Medienkonzerne auch wurde Rohner vom Ausmaß des Wirtschaftseinbruchs überrascht. Noch im Juni hatte der Medienmanager auf der Hauptversammlung ein kräftiges Wachstum von Umsatz und Gewinn in Aussicht gestellt. Jetzt soll das Ergebnis auf Vorjahresniveau stagnieren, der Umsatz sogar um einen einstelligen Prozentbereich fallen.

Zahlreiche Analysten haben deshalb in den vergangenen Tagen ihre Erwartungen für Pro Sieben Sat.1 zurück gestuft. So reduzierten Lehman Brothers ihr Kursziel von 21 auf 16 Euro. Credit Suisse First Boston hält gar nur 12 Euro für den fairen Wert der Aktie. Obwohl die meisten Experten die langfristige Strategie für richtig halten, glauben sie kurzfristig nicht daran, dass sich das Werbeumfeld verbessert. WGZ - Bank, CAI Chevreux, DG Bank und Commerzbank und stufen die Aktie deshalb als "Underperformer" ein, also als Wert, der sich schlechter als der Index entwickelt. Die meisten anderen Institute dagegen gehen davon aus, dass sich die Aktie parallel zum Markt bewegt.

Von der Werbeflaute besonders hart getroffen wurde Sat.1. Der Berliner Sender rutschte im ersten Halbjahr sogar in die roten Zahlen und ist nach wie vor meilenweit von Rohners Ziel, einer Umsatzrendite von 15 %, entfernt. Sat.1 schmerzt insbesondere das Quotentief der Bundesliga-Sendung "ran". Seit die Fußball-Show zu Saisonbeginn auf 20.15 Uhr verlegt wurde, setzen sich wesentlich weniger Sportbegeisterte vor die Glotze als in den vergangenen Jahren. Nachdem sich die Klagen von Zuschauern, Webekunden und Politikern massiv gehäuft hatten, versprach der Konzern, dass "ran" wieder früher gezeigt wird.

Ein Interesse an einem möglichst späten Sendetermin von "ran" hat vor allem der Mehrheitseigentümer der Pro Sieben Sat.1 AG, die Kirch-Gruppe. Das Münchener Medienunternehmen will so sein verlustreiches Bezahlfernsehen Premiere aufpäppeln. Der Pay-TV-Kanal überträgt die Bundesliga-Partien live.

In die Röhre gucken in dem Spiel auf jeden Fall die außenstehenden Pro Sieben-Aktionäre. Ihnen hat der Schachzug von Kirch bislang nur geschadet.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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