Aktie unter der Lupe
Rhön-Klinikum will in Deutschland wachsen

Der Klinikbetreiber Rhön-Klinikum scheint sich nach einer Schwächephase am Wendepunkt zu befinden. Kostensenkungen im Gesundheitswesen sollen das Geschäft weiter ankurbeln. Und die Auslandspläne hat Rhön-Klinikum begraben.

FRANKFURT/M. Denn das internationale Engagement hatte kein positives Ergebnis: 3,2 Mill. Verlust brachte der Vorstoß nach Südamerika. Ein Krankenhaus in Pirna (Sachsen) statt einer Klinik im fernen Kapstadt ist nun das nächste Projekt der Bayern. Im Oktober übernimmt Rhön-Klinikum die Klinik in Pirna und betreut dann 29 Einrichtungen mit 7929 Betten. Analysten begrüßen die Konzentration auf den Heimatmarkt.

Weiteres Wachstum in Deutschland und Kostensenkung versprach Vorstandschef Eugen Münch auf der gestrigen Hauptversammlung. Aktionären gefiel die Botschaft. Die im MDax notierte Rhön-Aktie stieg zeitweise um 8 %. Zwar brachten die Halbjahreszahlen nicht das Wachstum der vergangenen Jahre. Analysten sehen Rhön-Klinikum aber wieder auf dem Weg dorthin.

"Das Geschäftsmodell - die Übernahme und Strukturoptimierung öffentlicher Krankenhäuser - ist intakt", sagt Gunnar Cohrs, Analyst der Berenberg Bank. Markus Krämer von Sal. Oppenheim sieht "große Möglichkeiten" für weiteres Wachstum. "Erst 7 - 8 % der deutschen Krankenhäuser sind privat". Zudem sänken die Preise für öffentliche Kliniken. So könne Rhön-Klinikum künftig günstiger zukaufen.

Wie der Aktienkurs geriet das lange ungebremste Wachstum des Konzerns im ersten Halbjahr ins Stottern. Die Zahlen für das erste Quartal enttäuschten. Auch der Halbjahresgewinn sank von 32,9 auf 28,7 Mill. .

Die Aktie verlor seit April ein Drittel ihres Werts. Ein "Kosten- und Personalstraffungsprogramm" soll nun Ergebnis und Aktie wieder auf die Sprünge helfen. Dabei gehen Vorstand und Management mit gutem Beispiel voran: Sie kürzten die eigenen Bezüge zum 1. Juli um 10 %. Mindestziel für das Gesamtjahr ist, das Vorjahresergebnis von 66,1 Mill. zu erreichen. Misslingt dies, verliert der Vorstand weitere 20 % Gehalt. Dazu wird es kaum kommen: "Viel deutet darauf hin, dass Rhön-Klinikum die Jahresziele erreicht.", sagt Cohrs. "Der Schritt ist ein gutes Signal", ergänzt Krämer. Er glaubt, dass auch die Kostensenkungsmaßnahmen im gesamten Konzern Erfolg haben werden.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von über 16 ist die Rhön-Aktie nicht billig. "Die Bewertung ist aber durch die Marktführerschaft und bald wieder zu erwartende jährliche Wachstumsraten zwischen 10 und 20 % gerechtfertigt", sagt Cohrs. "Zudem ist Rhön-Klinikum der profitabelste private Klinikbetreiber." Ein möglicher Regierungswechsel sollte Rhön-Klinikum nicht schaden. "Im Gesundheitswesen muss, egal unter welcher Regierung, weiter gespart werden", sagt Cohrs. Davon profitiere, wer kosteneffizient arbeite: Eben Rhön-Klinikum.

Dass die Aktie bald wieder höher steht als heute (44 ), gilt unter Analysten als sicher: 13 von 18 empfehlen den Wert zum Kauf. Sal Oppenheim gibt 60,5 als fairen Wert an. Das Kursziel der Berenberg Bank beträgt 72 . Auch charttechnisch ist die Aktie aussichtsreich: Die Unterstützung aus den Jahren 1997 und 1999 bei 40 wurde zuletzt zweimal getestet - und hielt. Bremsen könnte nach Expertenansicht den Anstieg die Hypovereinsbank, die knapp ein Viertel der Anteile hält. Die Experten erwarten, dass das Institut die teurer erworbenen Papiere bei höheren Kursen auf den Markt wirft.

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