AKTIE UNTER DER LUPE
Richemont-Aktien haben Aufholpotenzial

Mit Luxus-Gütern lässt sich gutes Geld verdienen. Das haben jetzt wieder die Halbjahreszahlen von Richemont bewiesen. Dennoch wird das Unternehmen mit einem Abschlag bewertet. Dabei verfügt es mit Marken wie Montblanc oder Cartie über echte Zugpferde und hat Liquiditätsreserven für Übernahmen.

ef ZÜRICH. Wenn es mit der Konjunktur aufwärts geht, sitzt das Portemonnaie lockerer. Dies gilt ganz besonders für Luxusgüter, die zudem vom steigenden Wohlstand in vielen Ländern profitieren. Zu den Gewinnern dieses Trends zählte in den vergangenen Monaten insbesondere auch die Compagnie Financière Richemont AG.

Gute Halbjahreszahlen erfreuen Analysten

Das zeigte sich auch an den guten Halbjahresergebnissen, die die Erwartung der Analysten übertrafen. Deshalb hat jetzt das Bankhaus Lombard Odier & Cie. sein Kursziel von 4 950 schweizer Franken (sfr) auf 5 300 sfr angehoben und rät weiter zum "akkumulieren" der Aktie. Die Bank Pictet & Cie bestätigte gestern ihre "neutral"-Einstufung, hob aber ihre Gewinnschätzung an auf Grund des starken Zwischenergebnisses.

Zum Portfolio des Schweizer Konzerns, der mit Stimmenmehrheit von der südafrikanischen Familie Johann Rupert kontrolliert wird, zählen so bekannte Marken wie Cartier, Dunhill, Montblanc, Van Cleef & Arpels, Baume & Mercier, Piaget, Vacheron Constantin oder Chloé. Ein wichtiger Schritt zum Ausbau dieser Kollektion war im Sommer die Übernahme der Mannesmann-Uhrengruppe.

Künftig werden auch die Luxusuhren der Marken Jaeger Le Coultre, IWC sowie Lange & Söhne zur Steigerung der Gewinne der Richemont-Besitzer beitragen. In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres 2000/01 (31.3.) meldete der Konzern ein Umsatzwachstum um 32 % und schloss damit nahtlos an die günstige Entwicklung der zweiten Hälfte des Vorjahres an. Als besonders erfreulich bewertet René Weber, Analyst der Bank Vontobel AG, in seiner neuesten Studie den Anstieg des Betriebsgewinns um 55 % auf 319 Mill. Euro. Dadurch gelang es Richemont die Marge von 16,3 % auf 19,1 % auszuweiten. Erwartet hatte Weber lediglich einen Anstieg um 46 %.

Allerdings rechnet Weber damit, dass sich wegen des höheren Umsatzanstiegs in der zweiten Hälfte des Vorjahres, das Wachstum im zweiten Semester dieses Geschäftsjahres auf 22 % zurückbilden wird, und dies trotz erstmaliger Konsolidierung der Mannesmann-Uhrengruppe für drei Monate.



Aktie gilt als unterbewertet

Bei der Gesamtbeurteilung des Konzerns muss dessen Anteil von 21,1 % an dem britischen Tabakkonzern BAT berücksichtigt werden. Wird der Gewinnbeitrag der Tabakbeteiligung berücksichtigt, stieg der Konzerngewinn im ersten Halbjahr um 35 % auf 463 Mill. Euro. Um die Richemont-Aktien richtig einzuschätzen, vergleicht Weber aber nur den Luxusgüter- Bereich mit der Bewertung von Aktien anderer Branchenvertreter.

Im Verhältnis zu einem Korb, bestehend aus Aktien von Bulgari, Gucci, Hermès, LVMH, Swatch, Tod?s und Tiffany, errechnet die Bank Vontobel einen Discount der Richemont-Aktien von immerhin 23 %. Diesen Kursabschlag sieht Weber als nicht gerechtfertigt an, zumal der Anteil lang lebiger Konsumgüter wie Uhren, Schmuck und Juwelen im Vergleich zu den weniger stark wachsenden Mode- und Getränke-Marken bei dem Schweizer Konzern deutlich stärker repräsentiert sind.

Ähnlich argumentiert Weber auch bei der Einschätzung der Werthaltigkeit der Marken, was bei der Beurteilung des Goodwills bei Akquisitionen eine Rolle spiele.

Die geringe Nettoverschuldung von Richemont wird als strategischer Vorteil bewertet. Der Cash-flow von nur drei Jahren reiche aus, um die gesamte Verschuldung abzubauen, erläutert Weber. Bei dieser Betrachtung sind die BAT-Aktien, die für die Bank Vontobel eher eine Liquiditätreserve darstellen, noch gar nicht berücksichtigt. Würden die BAT-Aktien verkauft, besäße der Schweizer Luxusgüterkonzern eine bedeutende Netto-Cash-Position. Dies verleiht Richemont in dem Konzentrationsprozess der Branche eine ausgezeichnete Flexibilität, um das Markenportfolio weiter auszubauen.

Die jüngsten Semesterzahlen haben Weber dazu veranlasst, seine Gewinnschätzungen zu erhöhen. Pro Aktie erwartet er im laufenden Jahr 2000/01 einen Anstieg um 19 % auf 263 (bisher 248) sfr. 2001/02 geht er nun von einer Verbesserung um 12 % auf 295 (bisher 282) sfr aus. Das Gesamturteil der Bank Vontobel lautet unverändert "Kaufen".

Einen Tick zurück haltender gibt sich Merrill Lynch. Bei dem US-Broker werden die Richemont-Titel als "langfristiger Kauf" eingestuft.

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