Aktie unter der Lupe
Samsung Electronics zieht allen davon

Samsung Electronics ist auf dem besten Weg zu einem globalen Elektronikhaus mit einem schlagkräftigen Markennamen. Der zyklische Chipmarkt bleibt zwar nach Einschätzung von Analysten ein Risiko für die Aktie, aber selbst während der Halbleiterflaute erzielte Samung hohe Preise für Speicherchips.

DÜSSELDORF. Die Spitzenposition als weltweit größter Produzent von Speicherchips hat der koreanische Elektronikriese Samsung Electronics nach der Fusion von Micron und Hyunix gegen Platz 2 eingetauscht. Doch das treibt die Aktie derzeit nur auf neue Rekordhöhen.

Seit Ende September hat sich der Kurs knapp verdreifacht. 400 000 Won werden mittlerweile für das Papier bezahlt. Auf Won-Basis erklomm die Aktie vor wenigen Tagen Rekordniveau. In Euro gerechnet sind die Höchststände des Halbleiterboomjahres 2000 wegen des schwächeren Won-Kurses noch nicht erreicht. Weit davon entfernt ist die Aktie mit rund 90 Euro aber nicht mehr. Geht es nach den Analysten, die sich gegenseitig mit Lob für Koreas größtes Unternehmen übertreffen, so ist ein Ende der Kursrally nicht in Sicht, auch wenn zuletzt der gestiegene Won kurzfristig auf den Preis drückte.

Ein Rekordgewinn im ersten Quartal, eine breite Produktpalette und die Konsolidierung in der Chipbranche stimmen die Experten optimistisch. "Durch die Übernahme von Hyunix wird Micron seine Kapazitäten verringern. Davon wird Samsung am meisten profitieren", sagt Analyst Gee-Soo Kim von Nomura Securities in Seoul. Das Unternehmen habe mit seiner guten Kostenstruktur die besten Aussichten in der Branche. Didier Scemama von ABN Amro ergänzt, Samsung Electronics habe selbst während der Halbleiterflaute erstaunlich hohe Preise für seine Speicherchips erzielt. Das Speichergeschäft bleibe aber ein Risiko für die Aktie.

2001 hatte die Chipflaute das Samsung-Ergebnis einbrechen lassen. Trotz Erholungszeichen erwartet Scemama im zweiten und dritten Quartal noch magere Zeiten für die Branche. Kim meint jedoch: "Es gibt zwar noch immer Unwägbarkeiten im Halbleitersektor, aber das wird Samsung nicht so stark betreffen. Die anderen Geschäftsbereiche wirken als Puffer." Dafür spricht Samsungs Rekordgewinn von gut 1,6 Mrd. Euro im ersten Quartal, 53 % mehr als ein Jahr zuvor - und das trotz niedriger Chippreise.

Profitable Handy-Sparte

Dazu trug vor allem die Handy-Sparte bei. Samsung kämpft mit Siemens um den Platz als drittgrößter Mobiltelefon-Hersteller der Welt - nach Nokia und Motorola. Unter Analysten werden die Koreaner aber schon als Top-Produzent der nächsten Handy-Generation mit bunten Bildschirmen und Internetzugang gehandelt. 27 % Umsatzrendite erwirtschaftet Samsung mit seinen Mobiltelefonen. Davon kann Nokia nur träumen.

Samsung Electronics erntet die Früchte eines radikalen Strukturwandels. Bis Mitte der 90-er Jahre produzierten die Koreaner noch Elektronik für andere Firmen. Die Asienkrise traf das verschuldete Unternehmen 1997 hart. 35 % der Stellen wurden abgebaut. Samsung-Electronics-Chef Jong-Yong Yun verjüngte die Truppe, verkaufte ertragsschwache Geschäftsbereiche und setzte auf Highend-Produkte. Heute ist der Elektronikriese die Perle der Samsung-Unternehmensfamilie und steht auf drei Beinen: Knapp ein Drittel des Umsatzes, der im ersten Quartal auf 8,5 Mrd. Euro stieg, bringen die Speicherchips, ein weiteres Telekom-Endgeräte. Der Rest stammt aus dem Segment "Digitale Medien und Heimzubehör". Darunter fallen DVD- und MP3-Spieler oder auch internetgesteuerte Kühlschränke. Bei LCD-Flachbildschirmen ist Samsung Electronics Weltmarktführer. Die Verkäufe dürften von der Fußball-Weltmeisterschaft profitieren, sagt Scemama.

Breite Aufstellung gefällt Analysten

Die breite Aufstellung gefällt den Analysten. Samsung Electronics entwickle sich zu einem "schlagkräftigen Elektronikhaus mit einem führenden globalen Markennamen", das von den Schwankungen des zyklischen Chipmarkts nicht mehr so stark abhänge, sagen die Analysten von Goldman Sachs. Ziehen die Chippreise an, umso besser, meinen sie und stuften das Papier kürzlich von "market outperformer" auf "recommended" hoch. In den kommenden zwölf Monaten trauen sie dem Papier einen Kurs von 615 000 Won zu. Mit einem vom ersten Quartal auf Jahresbasis gerechneten einstelligen Kurs-Gewinn-Verhältnis gilt die Aktie als günstig. Nomura sieht sogar ein Kursziel von 670 000 Won. Laut Kim wird Samsung Electronics durch den Zugang zum Computer- und Handymarkt als erstes Unternehmen die nächste Generation von Speicherchips für Konsumentenanwendungen entwickeln. "Sie sehen einfach am besten, was nötig ist."

Nicole Bastian
Nicole Bastian
Handelsblatt / Ressortleiterin Ausland
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