Aktie unter der Lupe
Sanochemia hält seine Versprechen

Im Gegensatz zu vielen Biotech-Unternehmen verdient die Wiener Sanochemia mit dem Alzheimer-Wirkstoff Galantamine das Geld für teure Forschungsarbeiten. Spätestens 2006 soll es ein neues "Super-Alzheimer-Medikament" geben. Für Anleger interessant: Bisher wurden stets alle Prognosen eingehalten.

FRANKFURT/M. Es zählt inzwischen zu den großen Ausnahmen, wenn ein Unternehmen seine beim Börsengang genannten Planzahlen über Jahre hinweg einhalten kann. Das Wiener Pharma-Unternehmen Sanochemia - seit über drei Jahren am Neuen Markt notiert - schaffte dies bisher stets. Somit rechnen Analysten nun damit, dass zum Ende des laufenden Jahres (30.9.) erstmals ein operativer Gewinn von 0,13 Euro je Aktie (Vorjahr - 0,38) herauskommt. Für das folgende Geschäftsjahr erwartet Klara Szekffy von der österreichischen Raiffeisen Centrobank (RCB) eine Verdreifachung des Gewinns auf 0,41 Euro je Aktie und im Folgejahr weit mehr als eine Verdoppelung auf 1,01 Euro.

Wenn auch der Slogan "Die Aktie gegen das Vergessen" als nicht gerade geschmackvoll bezeichnet werden kann, so profitiert Sanochemia doch vom Trend einer zunehmende Überalterung in der Bevölkerung und der damit verbundenen häufigen Demenz. Jeder Zehnte über 65 Jahren leidet nach Studien unter der Alzheimer-Krankheit, jeder zweite ist es bei Menschen über 85 Jahren. Sanochemia gelang es, den synthetischen Wirkstoff Galantamine zu entwickeln, der ursprünglich aus dem kaukasischen Schneeglöcklein gewonnen wurde und zur Therapie von Alzheimer eingesetzt wird.

Galantamine geht in ein Medikament der Johnson & Johnson-Tochter Janssen Cilag (JC) ein, dem einzigen Unternehmen neben Pfizer und Novartis, das ein solches Mittel herstellt. Bis Ende 2014 läuft der exklusive Liefervertrag, der Sanochemia langfristig planbare Erträge sichert. Das Jahresergebnis werde eine Verdoppelung des Halbjahresergebnis darstellen mit einer Abweichung von maximal 10 %, gibt sich Vorstandschef Josef Böckmann gegenüber dem Handelsblatt zuversichtlich. Zumal keine Konkurrenz in Sicht ist. "In den nächsten drei bis fünf Jahren wird es kein weiteres Medikament geben", so Böckmann.

Viel lieber spricht er über ein neues eigenes Wundermittel, dem "Super-Alzheimer-Medikament", wie er es selber nennt. Hintergrund ist, dass die bislang auf dem Markt befindlichen Mittel Alzheimer lediglich verlangsamen. Die Krankheit zu stoppen ist derzeit nicht möglich. Doch Böckmann hat bereits einen konkreten Zeitplan: "In drei Jahren wollen wir in die klinische Phase eintreten, anschließend kommt der Test, und im Jahr 2006 sollte es möglich sein, an der Wurzel anzusetzen."

Ein anderes, wenn auch kleineres Betätigungsfeld ist der in den USA vertriebene Aids-Test Fluorognost. Dieser Test, der schwer interpretierbare Ergebnisse traditioneller Tests abzuklären hilft und sich inzwischen zunehmend als Alternative zu älteren Methoden durchsetzt, erhielt kürzlich die Empfehlung des US-Center for Disease Control.

Der Vorteil von Sanochemia liegt laut Analysten darin, dass mit Galantamine auf der einen Seite das Geld verdient wird, das auf der anderen Seite für Forschungen benötigt wird. "Strong buy", sagt deshalb auch Peter Duellmann von Sal. Oppenheim. Vier Kriterien braucht es nach Ansicht von Josef Böckmann für ein erfolgreiches Biotech-Unternehmen. Erstens müsse die Innovation das beste auf dem Markt befindliche Medikament darstellen, zweitens muss das Marktpotenzial abgeklärt werden, drittens die Herstellung kommerziell machbar sein und viertens muss ein Partner für die Vermarktung gefunden sein.

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