Aktie unter der Lupe
SAP entpuppt sich als Sieger im Abschwung

Der Walldorfer SAP scheint der konjunkturelle Abschwung gut zu bekommen. Die Halbjahreszahlen, die am Donnerstag präsentiert werden, dürften den Trend bestätigen. Doch Analysten bleiben vorsichtig: Fragezeichen setzen sie vor allem hinter die Entwicklung des vierten Quartals.

FRANKFURT/M. Die Experten sind sich einig: Eine Gewinnwarnung für das abgelaufene zweite Quartal ist vom Softwarekonzern SAP AG nicht mehr zu erwarten. Wenn das Unternehmen aus dem nordbadischen Walldorf an diesem Donnerstag in New York seine Halbjahreszahlen vorstellt, wird es die Erwartungen treffen.

Und die sind durchaus respektabel: Nach Erhebungen des US-Dienstes Thomson Financial/First Call gehen Analysten von einem Gewinn je Aktie in Höhe von 52 Cent aus. Die deutschen Experten prognostizieren Umsätze zwischen 1,774 Mrd. Euro und 1,816 Mrd. Euro und ein Betriebsergebnis vor den Aufwendungen für das Mitarbeiterprogramm "Star" von 264 Mill. bis 338 Mill. Euro.

Dennoch: Richtig entspannt geben sich die meisten Analysten hinsichtlich SAP nicht. Viele der Experten sehen von einer direkten Kaufempfehlung ab. Sie haben den Wert mit "Halten" eingestuft und raten allenfalls bei deutlichen Kursrückgängen zu Nachkäufen. Der Grund: Trotz der anerkannten Erfolge der Walldorfer bleiben Zweifel am künftigen Wachstum des Unternehmens.

SAP hat die konjunkturelle Schwäche in den USA bislang erstaunlich gut verkraftet. Konkurrenten wie etwa I2 Technologies oder der SAP-Partner Commerce One hatten die Investoren vor wenigen Tagen mit Gewinnwarnungen erschreckt. Doch bei SAP scheinen die Geschäfte gut zu laufen.

Begrenzte Abhängigkeit vom US-Markt

Analysten führen dies zum einen auf die relativ begrenzte Abhängigkeit vom US-Markt zurück. SAP hatte dort über Monate mit Umsatzrückgängen zu kämpfen. Entsprechend geringer sind die Auswirkungen der Investitionszurückhaltung amerikanischer Unternehmen. Gleichzeitig verschafft die Schwäche der Konkurrenz SAP den notwendigen Spielraum, verlorenen Boden im Internet wieder gut zu machen. "Die Chancen stehen gut, dass SAP im Jahr 2002 besser positioniert sein wird, als ohne den Abschwung", glaubt Henning Steinbrink von der Credit Agricole Indosuez Cheuvreux.

Zum zweiten verfügt SAP über eine große Kundenzahl bei der innerbetrieblichen Software (ERP: Enterprise Ressource Planning). Viele dieser Kunden rüsten zur Zeit auf die Internet-Plattform "mySAP.com" um. Das treibt die Geschäfte. So taxiert Cheuvreux-Analyst Steinbrink das Umsatzpotenzial von "mySAP.com" allein auf Basis der bereits bestehenden Kunden auf immerhin 13,6 Mrd. Euro.

Darüber hinaus bescheinigen zahlreiche Analysten dem Walldorfer Konzern viel Potenzial dank des Strategiewechsels. So hat SAP mit SAP Markets und SAP Portals zwei eigenständige Tochtergesellschaften ins Leben gerufen, die flexibel auf den schnellen Wandel im Internet reagieren können. Gerade das Geschäft mit Unternehmensportalen sieht SAP als einen Erfolgsschlüssel an. Schließlich versteht sich das Unternehmen immer mehr als Spezialist für komplette E-Business-Lösungen.

Risikofaktor Euroland-Konjunktur

Dabei bezieht das SAP-Management seit Jahresanfang ausdrücklich auch Software fremder Hersteller mit ein und sieht sich selbst in der Rolle des Brückenbauers zwischen den verschiedenen Systemen von Zulieferfirmen, Kunden und Unternehmen. "Mit dieser Strategie, an bedeutenden Verknüpfungsstellen von Unternehmenssoftware die Führung einzunehmen, gewinnt SAP einen wichtigen Vorsprung vor den Wettbewerbern", lobt Reinhard Rother von Delbrück Asset Management das Vorgehen der Walldorfer.

Doch der Schatten, der derzeit über der europäischen Konjunktur liegt, könnte auch die weiteren Aussichten für SAP verdunkeln, befürchten die Aktien-Experten: Vor allem der Ausblick auf das letzte Quartal dieses Jahres dürfte spannend werden. Viele Analysten erwarten sinkende Umsätze, weil Europa zunehmend in den Sog der US-Schwäche gerät. Zudem hängt die Messlatte hoch, weil es im vierten Quartal 2000 ein exorbitant starkes Wachstum gab.

Damit zeichnet sich bereits heute ab, dass das SAP-Papier weiterhin stark schwanken wird. Zumal auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis keine eindeutige Orientierung gibt. Zwar erscheint das SAP-KGV auf Basis der für das laufende Jahr prognostizierten Gewinne mit gut 50 relativ hoch. Erzrivale Oracle bringt es zum Beispiel auf bescheidene 31. Im Vergleich zu Siebel System oder Peoplesoft, deren KGV jeweils bei rund 60 liegt, ist die SAP-Aktie aber wiederum vergleichsweise günstig.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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