AKTIE UNTER DER LUPE
SAP erobert die Herzen der Anleger zurück

Einigkeit in Sachen SAP ist eigentlich nicht gerade die Stärke der Analysten. Nicht so vor wenigen Tagen. Ob Goldman Sachs, Merrill Lynch oder Bankgesellschaft Berlin - in seltener Eintracht reduzierten die Analysten im Vorfeld der Zahlen zum 1. Quartal 2001 ihre Gewinnprognosen. Hintergrund: Gleich reihenweise hatten SAP-Konkurrenten wie Oracle, Siebel, i2 Technologies oder Ariba ihre Gewinnerwartungen gesenkt. Wegen der schwächeren US-Konjunktur verschieben oder stornieren immer mehr US-Unternehmen ihre IT-Projekte.

DÜSSELDORF. Doch was SAP Mitte April bekanntgab, überraschte selbst optimistische Marktbeobachter. Die Umsätze legten um 29 % auf 1,5 Mrd. Euro zu, das operative Ergebnis vor den Kosten für die Mitarbeiterbeteiligung sogar um 82 % auf 233 Mill. Euro. Auch mit seinem Ausblick übertraf das SAP-Management den Konsens der Analysten. Die beiden SAP-Vorstandssprecher Hasso Plattner und Henning Kagermann erwarten in den ersten neun Monaten ein Umsatzplus von immerhin 23 %.

Die Analysten waren begeistert. Rasante Kurszuwächse waren die Folge. Um fast 30 % legten die Vorzüge der SAP seit Mitte April zu. Mit gut 180 Euro nähern sie sich bereits deutlich den Kurszielen vieler Analysten. Die Berenberg Bank gibt 185 Euro vor, Credit Suisse First Boston (CSFB) 200 Euro. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 59 (auf Basis der für 2001 erwarteten Gewinne) gilt die Aktie des Walldorfer Software-Hauses bereits wieder als recht teures Papier. Die Beobachter sind sich einig: SAP wird als Gewinner aus der Nachfragedelle bei E-Business-Software hervorgehen. Mit seiner breiten Kundenbasis sei das Unternehmen wesentlich besser für die Investitions-Zurückhaltung gerüstet als die Konkurrenz, glauben CSFB und UBS Warburg.

Sämtliche Software-Lösungen bald in einem Produkt

Freilich spricht noch eine Reihe anderer Gründe für das Potenzial der Software-Schmiede. Einer ist die neue Software für das Kunden-Management (Customer Relationship Management/CRM). Nachdem SAP hier der Konkurrenz zunächst hinterherschauen musste, hat die aktuelle Version die Experten überzeugt. Darauf verweist auch Theo Kitz von Merck Finck & Co. Zudem gilt gerade CRM als relativ verlässliches Geschäft auch in Zeiten einer schwachen Konjunktur; hilft die Software doch, Kosten einzusparen. Generell sehen die Experten in SAP mittlerweile einen breit aufgestellten Anbieter von E-Business-Software. Marc Osigus von der Berenberg Bank spricht gar von der "ganzheitlichsten Produktpalette innerhalb der Peer Group". Dies ist ein Vorteil gerade in schlechteren Konjunkturtagen, in denen die IT-Vorstände großer Konzerne ihre Budgets lieber etablierten Komplettanbietern als Start-Up-Firmen anvertrauen. Gleichzeitig will sich SAP stärker für die Software Dritter öffnen, um das Angebot abzurunden.

Die Analysten von CSFB gehen sogar noch einen Schritt weiter. Sie glauben, dass vom Kunden- über das Zulieferer-Management bis hin zu Online-Marktplätzen sämtliche Software-Lösungen schon bald in einem einzigen Produkt zusammenfließen. Plattform-Anbieter wie SAP hätten dadurch einen Vorteil.

Freilich gibt es auch Wermutstropfen. Vor allem das US-Geschäft bereitet den Analysten nach wie vor Sorgen. Zwar wissen auch sie, dass SAP gerade im ersten Quartal davon profitiert hat, nicht so stark vom schwachen US-Geschäft abhängig zu sein. An der Bedeutung des US-Softwaremarktes ändert dies nach ihrer Meinung allerdings nichts. SAP habe nach wie vor Nachholbedarf in den USA, urteilen etwa CSFB und Bankgesellschaft Berlin.

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Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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