Aktie unter der Lupe
SAP SI-Aktionäre sollten langfristig planen

Wie die Mutter, so die Tochter - dieses Denkmuster bestimmt den zuletzt negativen Kursverlauf der SAP SI-Aktie, nachdem der Mutterkonzern SAP seine Umsatzerwartungen nach unten korrigiert hat. Doch auf lange Sicht kann SAP SI von dem guten Familiennamen eher profitieren.

FRANKFURT. Die Aktionäre des IT-Dienstleisters SAP SI AG wissen es längst: Ihre Papiere sind dem Wohl und Wehe des Software-Konzerns SAP ausgeliefert. Das zeigte sich am Donnerstag vergangener Woche. Nach der Umsatzwarnung des Mutterhauses rutschte der SAP SI-Kurs 13 Prozent nach unten.

Für das SI-Management ist diese "psychologische" Abhängigkeit unbegründet. Fakt ist allerdings: Sowohl SAP als auch die Dresdner SAP SI kämpfen zurzeit mit stark gekürzten oder eingefrorenen IT-Budgets ihrer Unternehmenskunden. "Wir erwarten, dass auch bei SAP SI noch eine Umsatz- oder Gewinnwarnung kommen wird. Deshalb bleiben wir vorsichtig und haben den Wert auf "Neutral" gestuft", erklärt Knut Woller, Analyst bei Hypo-Vereinsbank (HVB) Equity Research.

Noch aber hält das SI-Management an den eigenen Aussagen fest, wonach der Umsatz im laufenden Jahr um 15 bis 20 Prozent steigen und die Marge bezogen auf das Ergebnis vor Steuern und Zinsen (Ebit) 15 bis 17 Prozent erreichen soll. Vor allem das Margenziel halten viele Analysten für ambitiös. Manfred Jaisfeld von der WGZ-Bank glaubt allenfalls an einen Wert von 14,4 Prozent. Die Zahlen des allerdings wenig aussagekräftigen ersten Quartals bestätigen diese Skepsis. Zwar konnte SAP SI den Umsatz um 23,8 Prozent erhöhen, das Betriebsergebnis vor Goodwill-Abschreibungen brach aber von 8,8 Mill. auf 5,5 Mill. Euro ein.

HVB-Experte Woller bleibt deshalb für die kommenden Monate zurückhaltend: "Ähnlich wie SAP stützt sich die Prognose des Managements von SAP SI auf eine Erholung in der zweiten Jahreshälfte. Die sehen wir aber im Moment noch nicht".

Doch sollten sich Anleger von der vorübergehenden Durststrecke nicht zu sehr beeinflussen lassen. Als Dienstleister steht SAP SI auf der vielleicht besten Seite im IT-Geschäft. Während die Software zum Standardprodukt wird, nehmen die Dienstleister neue Aufgaben wahr. Das gilt vor allem für den Bereich Outsourcing - ein Wachstumsmarkt, da immer mehr Manager darüber nachdenken, die eigene teure IT-Abteilung auszugliedern.

Hinzu kommt die starke Marke SAP. Zwar sorgen dieser Name und die Gesellschafter-Struktur - SAP hält 60,4 Prozent der SAP SI-Anteile - für eine stetige Diskussion über die Abhängigkeit von der Mutter. Anderseits helfen die drei Buchstaben gerade in schwierigen Zeiten, Kunden zu halten und neue zu gewinnen, da die Unternehmen auf etablierte Software-Anbieter setzen.

Freilich bleiben für die SI-Aktie einige Risiken bestehen. Mit IBM, EDS und CSC Ploenzke gibt es starke Wettbewerber im Outsourcing-Geschäft. Gleichzeitig steht ein weiterer Anteilsverkauf der Software AG im Raum, die noch 4,95 Prozent der SI-Papiere besitzt, nachdem sie gut fünf Prozent im Juni verkauft hat. "Das hat den Kurs belastet", sagt Woller.

Dennoch sieht der HVB-Experte auf Dauer gute Chancen für SAP SI. "Auf längere Sicht glauben wir, dass sich das Unternehmen von dem nach wie vor großen Marktpotenzial ein größeres Stück abschneiden kann."

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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