Aktie unter der Lupe
Schwere Zeiten für Comdirect

Online-Broker wie Comdirect leiden gegenwärtig doppelt unter der Börsenkrise.

FRANKFURT/M. Zum einen sind sie selbst durch massive Kursabschläge in den Keller gerauscht. Zum anderen wird die Ertragssituation von der Baisse erheblich belastet. Provisionseinnahmen aus der Abwicklung von Kauf- und Verkaufsaufträgen fehlen ebenso wie Depoteinnahmen aus den teilweise erheblich im Wert gesunkenen Kundendepots.

Der Kurseinbruch bei der Comdirect Bank AG war verheerend. Von ihrem Höchststand kurz nach dem Börsengang im Mai 2000 büßte die Aktie rund 86 % an Wert ein und notiert mit 5,10 Euro nahe ihren absoluten Tiefständen bei 4,80 Euro.

Experten halten die Strategie von Comdirect derzeit für wenig überzeugend. "Die haben keine Chance in Europa", sagt zum Beispiel Thomas Rothäusler von Sal. Oppenheim. Das Auslandsgeschäft zieht den Konzern in die roten Zahlen. Die Entscheidung, im Eigenaufbau in Frankreich, Großbritannien und Italien an den Start zu gehen, war falsch. In den drei Ländern verfügt die Comdirect über gerade einmal 20 000 Kunden bei über 600 000 Gesamtkunden im Konzern.

"Ein Rückzug aus dem Europageschäft und eine Konzentration auf Deutschland wäre zu begrüßen", so Rothäusler. Ähnliches hat auch Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller gegenüber dem Handelsblatt angedeutet. Er sagte, entweder werde das Auslandsgeschäft der Comdirect durch einen Zukauf gestärkt oder geschlossen.

Im Inland, also in der AG, ist Comdirect nicht weit von den schwarzen Zahlen entfernt. Bei einer Konzentration auf Deutschland mit einer gleichzeitigen leichten Verbesserung des extrem schlechten Marktumfeldes wäre hier der Break-Even ohne großen Aufwand zu erreichen.

Als "gute Idee" bezeichnet Rothäusler den angekündigten Einsatz von Financial Planner, also mobilen Beratern. Allerdings müsse man hier noch genauere Einzelheiten abwarten, um zu einem endgültigen Urteil gelangen zu können. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt auch die nun zur Allianz gehörende Advance Bank, die sowohl über den mobilen Vertrieb der Dresdner Vermögensberatung als auch die Financial Planner der Allianz verfügt. Entscheidend wird auch sein, wie schnell Comdirect von ihrem hohen Kostenblock herunterkommt. Die Commerzbank-Tochter hat jüngst als erstes deutsches Finanzinstitut Kurzarbeit eingeführt. Bis Jahresende sollen rund 82 Mill. Euro Kosten eingespart werden und so die Verwaltungsaufwendungen auf dem Vorjahresniveau von 220 Mill. Euro begrenzt werden.

Bekommt Comdirect seine Kosten in den Griff und legt eine überzeugende Strategie vor, sind die Aussichten für eine Erholung der Aktie nicht schlecht. Hinzu kommen Gerüchte, denen zufolge die Commerzbank bereits nach einem Käufer für ihre Direktbank sucht - darauf wetten mag aber niemand: Nur 12,5 % der in Bloomberg gelisteten Analysten empfehlen den Titel zum Kauf, 44 % dagegen zum Verkauf.

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