Aktie unter der Lupe
SCM hat große Pläne

Die ganz große Beachtung haben die Papiere der deutsch-amerikanischen SCM Microsystems bisher nicht erfahren. Und das, obwohl die Aktie 1997 zu den ersten Werten am Neuen Markt gehörte und seit über zwei Jahren im Auswahlindex Nemax 50 vertreten ist.

FRANKFURT/M. Laut Analysten liegt das an zwei Faktoren: Erstens vertreibt SCM ein sehr erklärungsbedürftiges Produkt aus dem Bereich Software- und Hardware, zweitens hängen dem Unternehmen noch immer die miserablen Zahlen des vergangenen Jahres nach. SCM musste wegen überproportional gestiegener Herstellungskosten und vor allem wegen erstmals anfallender Abschreibungen auf Firmenwerte und immaterielle Vermögenswerte einen Verlust vor Steuern von 75,28 Mill. Euro ausweisen. Der Kurs der Aktie sank im vergangenen Herbst bis auf knapp über 5 Euro ab.

In den letzten drei Monaten hat er sich jedoch zwischen 11 und 14 Euro stabilisiert. Erstmals seit dem zweiten Quartal 2000 schreibt die Firma wieder schwarze Zahlen. Die Analysten haben zuletzt ihre Ratings nach oben geschraubt. SCM befinde sich auf dem richtigen Weg, um künftig wieder ein rentables Wachstum zu erzielen, heißt es beispielsweise von seiten der Commerzbank. Sie stufte die Aktie von "reduzieren" auf "halten" hoch. Die Experten der Norddeutschen Landesbank erwarten für dieses Jahr einen Umsatz von 194 Mill. und einen Gewinn von 3,6 Mill. Euro. Im kommenden Jahr soll der Umsatz dann auf 221,7 Mill. und der Gewinn auf 4,5 Mill. Euro klettern.

Zu Gute dürfte der SCM-Aktie auch die ab Juni angekündigte Umstellung der Indizes auf den Streubesitzanteil kommen. Experten der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) schätzen, dass das relative Gewicht der Aktie im Index dadurch um mindestens ein Drittel zulegen wird.

Im Vergleich zu dem, was SCM in den nächsten Monaten operativ plant, sind das jedoch Nebenschauplätze. Vor allem vom Consumerbereich - hier werden Produkte zur digitalen Videobearbeitung vertrieben - will sich das 1990 gegründete Unternehmen möglichst bald trennen. Übrig bleiben die Geschäftsbereiche Digitalfernsehen und Computer, für die SCM Sicherheitssysteme herstellt. "Der Consumer-Bereich ist gegenüber dem Sicherheitsbereich zu unterschiedlich", begründet SCM-Vorstandschef und Gründer, Robert Schneider, diesen Schritt. Um einen nennenswerten Umsatz zu erzielen, müsse SCM im Konsumenten-Bereich jährlich etwa 150 000 Neukunden hinzu gewinnen. Im Sicherheitsgeschäft genügten dagegen 15 Großkunden.

Zwei Wege sind für Schneider derzeit vorstellbar: Entweder will er die Konsumenten-Sparte verkaufen - eine US-Investmentbank sei bereits mit der Suche nach einem Käufer beauftragt - oder es soll ein Listing an der Nasdaq geben. "Momentan ist ein Börsenlisting wahrscheinlicher" gibt er schon mal eine Tendenz vor.

Dabei ist allerdings kein öffentliches Angebot geplant. Vielmehr sollen die neuen Aktien entsprechend dem Anteil unter den bisherigen Aktionären verteilt werden. Bis zum dritten Quartal will man bei SCM diesen Prozess abgeschlossen haben, sagte Schneider.

Profitieren will SCM auch von der Kirch-Pleite. Da deren monopolistisches System Premiere gescheitert ist, seien nun die Chancen für die offene SCM-Plattform, auf der mehrere Kartensysteme gleichzeitig genutzt werden können, deutlich gestiegen. Den größten Schub erwartet SCM jedoch in der zweiten Hälfte dieses Jahrzehnts, wenn das analoge Fernsehen in Westeuropa Zug um Zug abgeschafft und durch digitales Fernsehen ersetzt wird. "Dann könnte in jedem digitalen Fernsehgerät eine SCM-Plattform stecken", hofft Schneider.

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