AKTIE UNTER DER LUPE
Senator setzt auf den internationalen Verleih

Zwar hat die Beteiligung an der defizitären Kinokette Cinemaxx das Ergebnis des Filmproduzenten und Verleihers erheblich belastet, doch die selbst gesteckten Erwartungen erfüllten sich im Großen und Ganzen.

HB/FRANKFURT/M. Eigentlich kann Hanno Huth, Vorstandschef der Berliner Senator Entertainment AG, auf der Hauptversammlung am Montag seinen Aktionären mit gutem Gewissen entgegentreten. Zwar hat die Beteiligung an der defizitären Kinokette Cinemaxx das Ergebnis des Filmproduzenten und Verleihers im letzten Jahr erheblich belastet, doch die selbst gesteckten Erwartungen des seit Anfang 1999 am Neuen Markt notierten Unternehmens erfüllten sich im Großen und Ganzen. Gerade die Anleger, die dem Unternehmen schon länger die Treue halten, haben inzwischen jedoch zumindest auf dem Papier eine Menge Geld verloren: Bevor es den gesamten Mediensektor im vergangenen Herbst in den Strudel riss, kostete die Senator-Aktie noch mehr als 20 Euro. Heute ist das Papier gerade noch 5,44 Euro wert.

Angst vor Film-Schwemme lässt Kurse rutschen

Mitverantwortlich für den jüngsten Kursrutsch ist eine Verkaufsempfehlung der Analysten von UBS Warburg, die den Titel Anfang der Woche wegen der im zweiten Halbjahr drohenden Schwemme von Kinofilmen herunterstufte. Das Argument, dass viele US-Studios wegen des drohenden Streiks der Schauspieler und Drehbuchautoren in den Vereinigten Staaten Projekte vorgezogen hätten und das daraus resultierende Überangebot an Spielfilmen zu sinkenden Besucherzahlen führt, ist jedoch nicht neu. Die Folgen des lange angekündigten Streiks der Stars gehören zu den Ängsten, die die Kurse der Medienwerte in den Keller rissen. Analyst Bernard Tubeileh von Merrill Lynch sieht Senator im Vergleich zu anderen Filmverleihern jedoch besonders gut gewappnet, um sich der drohenden Spielfilmschwemme zu stellen. Die Tatsache, dass es in diesem Jahr bisher gelang, trotz des bereits hohen Angebotes an Kinofilmen mit gleich drei Produktionen höhere Besucherzahlen zu erzielen als budgetiert, wertet er als Zeichen, dass die Senator-Strategie aufgeht. "Dank des Zugriffs auf die Cinemaxx-Kinos kann Senator den Verleih sehr viel besser steuern als Konkurrenten", glaubt er. Senator landete in diesem Jahr mit den Filmen "Jetzt oder nie!", "Das Experiment" und "Chocolat" drei Überraschungserfolge. Nach Einschätzung des Unternehmens selbst spielten die Filme durch die Kooperation mit Cinemaxx bis zu 20 % mehr ein.

Wegen der Vielzahl hochwertiger Produktionen, die in diesem Jahr um die Gunst der Zuschauer buhlen, wird Senator in Deutschland allerdings tatsächlich weniger Filme vermarkten, als noch vor einigen Monaten angekündigt. Statt der ursprünglich avisierten 35 bis 40 Produktionen sei der Verleih von lediglich 20 Filmen geplant, räumte Huth ein. "Das ist aber kein Grund, die Planzahlen zu senken, denn der dadurch entfallende Inlandsumsatz wird durch die Erfolge von Senator International kompensiert." Die im April gegründete Dependance in Los Angeles habe mit der internationalen Auswertung der deutschen Produktion "Das Experiment", vor allem aber mit der 30-Millionen-Dollar schweren US-Produktion "24 Hours" bereits begonnen.

Huth führt die Verkaufsempfehlung von UBS vor allem auf die Verunsicherung hinsichtlich des Medienbereichs zurück. Nach dem EM.TV-Desaster und den gravierenden Problemen der Lizenzhändler sind Anleger und Analysten extrem skeptisch geworden. Auch der Analyst Tubeileh, der in dem von ihm insgesamt als riskant eingeschätzten europäischen Mediensektor am ehesten Senator und IM International Media für empfehlenswert hält, bleibt vorsichtig: "Ich hoffe, dass es sich bei dem von Senator im vergangenen Jahr angekündigten TV-Deal nicht um eine Luftnummer handelt."

Senator verhandelt nach eigenen Angaben über den Verkauf von Filmpaketen für die TV-Ausstrahlung. "Wir haben Stillschweigen über den Verhandlungspartner und das mögliche Volumen vereinbart", sagt Huth. Die nächsten Verhandlungsergebnisse würden jedoch in den kommenden drei bis vier Monaten präsentiert, versprach er.

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