AKTIE UNTER DER LUPE
Siemens will Infineon loswerden

Heinricht von Pierer, Chef von Siemens, will sich bald vollständig von der Chip-Tochter Infineon trennen. Seine Ankündigung eines Tauschangebotes an die Siemens-Aktionäre belastete den Infineon-Kurs. Zudem erwarten Analysten ein Ende des Booms in der Halbleiterbranche.

DÜSSELDORF. Für Ulrich Schumacher, Chef von Infineon, kommt es derzeit knüppeldick: Seit Wochen belasten Herabstufungen von Analysten und Gewinnwarnungen die Chip-Aktien weltweit. Und dann machte gestern Siemens-Chef Heinrich von Pierer unmissverständlich klar, dass er die ungeliebte Tochter Infineon bald ganz loswerden will.

"Wir haben oft unsere Absicht erklärt, uns völlig von Infineon zurückzuziehen", betonte von Pierer gestern bei der Vorstellung der Siemens-Geschäftszahlen in München. Derzeit hält der Elektrogigant noch die Mehrheit an Infineon.

Die Aktie des Herstellers von Speicherchips und anderen Mikroelektronik-Bauteilen reagierte prompt: Zwischenzeitlich verloren Infineon mehr als 7 % und zogen den Dax kräftig nach unten. Mit einem Kurs von unter 50 Euro ist die Aktie weit entfernt von ihrem Rekordhoch bei 93,60 Euro.

Siemens macht Ernst mit der endgültigen Trennung von der ehemaligen Konzernsparte, deren Börsengang im März noch ein Riesenerfolg war. Konzernchef von Pierer kündigte gestern ein Angebot an, nachdem Siemens-Aktionäre ihre Anteile zurückgeben und gegen Infineon-Titel tauschen sollen. So will von Pierer einen Teil der Infineon-Mehrheit elegant abstoßen.

Der Plan war nach Händlerangaben ein Auslöser des gestrigen Kursrutsches bei Infineon. Da halfen auch nichts mehr die beruhigenden Worte von Siemens-Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger, der betonte: "Wir werden sehr vorsichtig vorgehen, um den Aktienkurs von Infineon nicht zu belasten."

Im Zweifel werde den Siemens - Vorständen der eigene Kurs wichtiger sein als die Notierung von Infineon, sagte hingegen ein Frankfurter High- Tech-Analyst. Der Mutterkonzern dürfte von dem Tauschgeschäft profitieren. Denn durch die geplante Aktien-Rücknahme würde die Gesamtzahl der Siemens-Titel sinken und somit der Wert jeder einzelnen Aktie tendenziell steigen.

Infineon leidet zudem unter der Kursschwäche der gesamten Halbleiterbranche, sagt Analyst Jürgen Wagner von Sal. Oppenheim. Gegenüber den US-Konkurrenten seien die Verluste bislang sogar glimpflich. Staranalyst Jonathan Joseph vom Investmenthaus Salomon Smith Barney warnte bereits im Sommer vor einem Abschwung der Chipbranche. Damals stand er allein auf weiter Flur und brachte die gesamte Branche gegen sich auf, die im Sommer noch kräftig boomte. Nach eigener Aussage erhielt der Analyst sogar Morddrohungen. Doch am Dienstag stimmten Merrill Lynch und Prudential Securities in den Chor der Mahner ein.

In den USA haben sinkende Umsätze mit Personal-Computern schon zahlreiche Gewinnwarnungen und Kurseinbrüche ausgelöst. Intel, Dell, AMD und zuletzt Compaq zählten zu den Opfern.

Wenn die Halbleiterbranche einbricht, dann richtig. Das Geschäft mit Computerchips gilt als einer der volatilsten Sektoren überhaupt.

Das zeigt auch die Bilanz von Infineon: Zwar verweist Unternehmenschef Schumacher stolz auf über 1,67 Mrd. Euro Vorsteuergewinn (Ebit) im laufenden Jahr. Doch 1998 wies das Unternehmen - damals noch ein Teil von Siemens - einen Verlust von 790 Mill. Euro aus. "Bedenkt man, wie zyklisch das Geschäft von Infineon ist, dann scheint die Aktie auch jetzt noch sehr hoch bewertet", warnt ein Frankfurter Analyst.

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