Aktie unter der Lupe
Singapore Airlines bleibt ein Wachstumswert

Der Konzern Singapore Airlines zählt zu den Ikonen unter den Fluggesellschaften. Das Unternehmen macht trotz der schwierigen Lage der Branche gute Gewinne. Aber es gibt auch Schattenseiten.

SINGAPUR. In der globalen Luftfahrt ist sie eine der großen Marken: Singapore Airlines (SIA). Das ist vor allem das Verdienst eines Mannes namens Cheong Choong Kong, dem stellvertretenden Chairman und Chief Executive Officer (CEO) der SIA. Cheong, der 2003 nach 29 SIA-Dienstjahren in den Ruhestand treten wird, habe "mehr Gewinn in seiner Amtszeit abgeliefert als jeder andere CEO einer Fluglinie in der Geschichte", urteilt Assif Shameen, Flugmarkt-Spezialist in Singapur. Durch die schwerste Wirtschaftskrise der zivilen Luftfahrt nach dem 11. September 2001 steuerte Cheong die SIA, eine nationale Ikone und schon lange in der internationalen Spitzenliga fliegend, auf den Kurs der profitabelsten Fluglinie der Welt zurück.

Der Reingewinn übertraf trotz eines Absturzes um 61,1% mit 631,7 Singapur-Dollar (361 Mill. Euro) im Geschäftsjahr 2001/02 (31.3.) die Erwartungen des Marktes um glatt das Doppelte. Im Jahr zuvor hatte SIA noch 1,6 Mrd. S$ verdient. Dazu trug zum einen Cheongs Kostenmanagement bei. Vor allem aber schlugen sich außerordentliche Erträge durch geänderte Abschreibungsregeln (265 Mill. S$) nieder, sowie der Teil-Börsengang einer SIA-Tochter (203 Mill. S$) und die Belebung des zivilen Luftfahrt seit Anfang des Jahres. Seit der Gründung 1972 fliegt die SIA mit Gewinn.

Das überzeugt die Analysten: "Kaufen" heisst ihre Devise. Kevin O? Connor, Fluganalyst der Deutschen Bank in Hongkong, hält an seiner Empfehlung fest: "Kaufen und SIA weiterhin gegenüber Cathay Pacific vorziehen". Der Grund: SIA, gemessen an der Marktkapitalisierung die größte Fluggesellschaft Asiens, habe in den ersten Monaten diesen Jahres beim Gesamtladefaktor, sprich dem Passagier und Luftfrachtaufkommen, deutlich besser abgeschnitten habe als der Hongkonger Konkurrent Cathay Pacific Airways. Andrew Tan von ABN Amro in Singapur prognostiziert für 2002/03 einen Reingewinn 1,016 Mrd. S$; bei einem Gesamtladefaktors von 70,4 %. Tatsächlich konnte SIA im Juni den Faktor um 4,4 Punkte auf 74,1% verbessern - wenn auch vor allem "am unteren Ende des Marktes" durch Diskountpreise, wie Shameen kritisch anmerkt.

Cheong hat der SIA für das 21. Jahrhundert eine klare Strategie vorgegeben: Wachsen durch Kapitalbeteiligungen an ausländischen Fluggesellschaften und Aufbau eines um die SIA gruppierten Konzerns mit Nicht-Flugaktivitäten rund um den Flughafen wie etwa Terminal- und Ingenieurdienstleistungen und Flugzeugleasing. Das Kalkül, so das zyklische Fluggeschäft in ein stetigeres Wachstum zu überführen, scheint aufzugehen. Kritischer hingegen sind Kapitalbeteiligungen an ausländischen Fluglinien. Dieses Feld hinterlässt Cheong unbestellt. Bislang hat er sich in Australien, Südafrika und Indien nur Körbe eingehandelt oder gar Bruchlandungen hingelegt.

Die 49 %-Beteiligung am Transatlantik-Flieger Virgin Airlines (Kaufpreis 1,6 Mrd. US$) machte einen Kapitalnachschuß von 25 Mill. britischen Pfund notwendig. Und die 25 %-Beteiligung an der faktisch bankrotten Air New Zealand musste Cheong um 267 Mill. S$ auf strategisch wertlose 4,5% abschreiben. "Dennoch", glaubt Peter Harison, Direktor des Zentrums für Asiatisch-Pazifische Luftfahrt in Sydney, "gibt es für SIA keine Alternative zu aggressiven Akquisitionen: Der Verlust von viel Geld ist der Preis, um die Spitzenposition zu halten".

Mit dieser Politik dürfte sich SIA kaum nach Europa oder in die USA wagen. Als regionale Märkte bleiben Indien, China und Australien, meint Shameen.

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