Aktie unter der Lupe
Sixt-Aktie lockt Anleger mit Dividende

Die Aktie des Autovermieters Sixt musste - wie viele andere Papiere - Verluste hinnehmen. Spezifisches Problem des Unternehmens: der schwache Gebrauchtwagenmarkt.

FRANKFURT/M. Die CDU-Parteivorsitzende Angela Merkel verdankt den Sixt-Cabrios eine Sturmfrisur. Und der Popbarde Dieter Bohlen gibt zu, dass er auch auf Frauen hört, aber nur auf die des Autonavigationssystems von Sixt. Mit diesen Werbekampagnen bringt sich die Autovermietung Sixt immer wieder und mit wenig Aufwand in die Schlagzeilen.

Für lustige Werbung ist das Unternehmen aus Pullach bei München zwar bekannt. Weniger rühmlich ist zum Unmut der Sixt-Aktionäre und der Analysten allerdings die Informationspolitik der Firma - dabei ist Sixt immerhin im MDax, dem Index der mittelgroßen Werte, notiert. "Sixt hat sich in der Vergangenheit doch sehr zugeknöpft gegeben", sagt Christoph Öfele, Sprecher der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Und das obwohl der Vorstandsvorsitzende Erich Sixt und seine Frau Regine nicht gerade die Öffentlichkeit scheuen und des öfteren in den Klatschpostillen zu sehen sind. Mittlerweile habe sich die Informationspolitik aber etwas gebessert, sagt Kay Strippel, Analyst bei Independent Research. "Sixt versucht momentan sein Image bei den Aktionären aufzupolieren", sagt Ernst Scheerer, Analyst bei Dresdner Kleinwort Wasserstein.

Wenig Freude bereitete den Anlegern in der Vergangenheit auch der Kursverlauf der Sixt-Aktie. Mitte 1998 kostete das Papier noch über 70 Euro - und liegt jetzt noch bei gerade mal knapp über elf Euro. Hinzu kommt die Unterscheidung in Vorzugs- und Stammaktien, die bei vielen Anlegern und Analysten nicht gerne gesehen wird. Immerhin erwägt Sixt, die Vorzugsaktie abzuschaffen, falls der Verbleib im MDax gefährdet sein sollte.

Nach Meinung von Analyst Scheerer ist das Schlimmste aber überstanden. "Ich sehe jetzt Potenzial nach oben", sagt er und empfiehlt die Aktie mit einem Kursziel von 18,50 Euro zum Kauf. Denn seiner Meinung nach ist die Aktie unterbewertet, zum Beispiel im Vergleich des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) zum Konkurrenten Avis Europe. Außerdem spreche die Dividendenrendite von knapp über sechs Prozent für Vorzugsaktien und rund 5,5 Prozent für Stammaktien für das Papier.

Tatsächlich hat Sixt den Aktionären immer ordentliche Dividenden gezahlt, meistens lagen sie über 0,80 Euro. Im vergangenen Jahr schüttete Sixt rund 0,60 Euro aus. Dieses Jahr, in dem manche Unternehmen gar keine Dividende zahlen, hat der Vorstand trotzdem eine Ausschüttung von 0,60 Euro für Stämme und 0,62 Euro für Vorzüge vorgeschlagen.

Dem 1912 gegründeten Familienunternehmen machte in den vergangenen Jahren vor allem der schwache Gebrauchtwagenmarkt zu schaffen. Sixt verringerte daraufhin die Vermietflotte und senkte damit die Kosten des Fuhrparks. Zudem besann sich der Autovermieter wieder ganz auf die gehobene Preisklasse, zum Beispiel die Geschäftsreisenden. Mehr als die Hälfte der Fahrzeugflotte des Marktführers in Deutschland besteht aus Autos der Marken Daimler Chrysler, BMW und Audi. "Obwohl Sixt durch diese Strategie Marktanteile verloren hat, ist die Konzentration auf diesen Bereich vernünftig, weil hier die höheren Margen abfallen", sagt Strippel. Zudem setzt das Unternehmen auf das Leasing von Autos. "Der Leasingbereich von Sixt ist sehr erfolgreich, weil hier noch hohe Wachstumsraten zu erzielen sind", sagt Dresdner-Analyst Scheerer.

Analyst Strippel gibt sich sehr viel vorsichtiger, was die Aussichten für Sixt angeht. "Das Ergebnis hat sich zwar zum ersten Quartal 2002 verbessert, man muss aber abwarten, ob sich dieser Trend auch im zweiten Quartal fortsetzen wird." Zudem hält er die Aktie für hoch bewertet und empfiehlt sie "unterzugewichten". Strippel gibt außerdem zu Bedenken: "Die Rahmenbedingen bleiben für das Geschäft von Sixt weiterhin nicht einfach, denn auch Sixt hängt vom Tourismus ab."

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