Aktie unter der Lupe
Soft M-Aktie leidet unter hohen Zuwächsen

Warum denn, bitteschön, kaum einmal etwas Positives über die Soft M-Aktie zu lesen sei, fragte noch zu Jahresbeginn ein Leser an. Die Antwort fiel damals relativ leicht: Das Münchener Unternehmen ist im Bereich der Standardsoftware tätig, der als sehr margenschwach gilt; zudem erlebte das Papier vor dem Jahreswechsel 2000/01 einen schweren Gewinneinbruch und fiel dem breiten Publikum bis dato bestenfalls durch eine zurückhaltende Öffentlichkeitsarbeit auf.

FRANKFURT/M. Doch seit Jahresbeginn setzte sich die Soft M-Aktie dermaßen vom Markt ab, dass sie am Jahresende wohl zu den "Top-Performern" am Neuen Markt zählen wird. Zu knapp über 7 Euro gestartet, legte sie bis zur vergangenen Woche auf über 23 Euro zu, ein Plus von über 200 % also. Der Grund: Soft M gilt unter Analysten als typischer Turnaround-Kandidat. Das Unternehmen geriet schon weit vor der breiten Masse in die Krise. Das Jahr-2000-Problem und die damit verbundene Investitionszurückhaltung der inzwischen 3 400 Kunden waren die Ursache. Seit diesem Jahr schreibt Soft M wieder schwarze Zahlen. Erst kürzlich wurde die Umsatzplanung von 95 Mill. DM auf 103 Mill. DM angehoben. Dabei soll ein Gewinn vor Steuern (Ebit) von 1 Mill. DM erwirtschaftet werden. "Diese Zahlen werden vielleicht noch freundlicher ausfallen", verkündete Vorstandschef Hannes Merten diese Woche vor Analysten.

Die stehen inzwischen vor einer schwierigen Aufgabe: Einerseits hat Soft M mit der Rückkehr in die schwarzen Zahlen und einem freundlichen Ausblick bewiesen, dass wieder mit der Aktie zu rechnen ist. Andererseits üben sich Analysten angesichts der hohen Zuwächse in Zurückhaltung. "Für das Prädikat Outperformer ist die Aktie inzwischen zu hoch bewertet", bringt Frederike Herkommer von der Hypo-Vereinsbank die Stimmung auf den Punkt. Mit "neutral" bewertet sie auch nach den jüngsten Infos die Aktie.

Für eine geänderte Meinung gab es auch wenig Grund. Zu unkonkret äußerte sich das Unternehmen zu seinen Prognosen für das kommende Jahr. "Wir werden die Umsatzgrundlage von 120 Mill. DM nicht unterschreiten", so Hannes Merten zurückhaltend. Das bedeutet allerdings, dass im Extremfall mit keinerlei organischem Wachstum zu rechnen ist. Das Plus von 17 Mill. DM wäre lediglich auf die Übernahme des Finanzbuchhaltungs-Softwarehauses DKS und der restlichen 50 % von Soft M Hamburg zurück zu führen. Eher wolkig äußerte sich Merten auch zum künftigen Ergebnis: "Ein Ebt von 5 bis 6 Mill. DM ist nicht aus der Luft gegriffen. Die Planung kann aber auch 4,5 Mill. DM ergeben." Im Jahr 2003 will Merten wieder Gewinne wie noch 1999 einfahren. Damals erwirtschaftete Soft M ein Ebt von 11,1 Mill. DM.

Soft M ist gut aufgestellt

Sollte diese Entwicklung tatsächlich eintreffen, würde sich Soft M weiter von seinen Wettbewerbern am Neuen Markt wie Brain, Bäurer oder Infor absetzen. Schon bei der jüngsten Analystenkonferenz zeichnete sich ab, dass sich mehr Investoren für Soft M interessieren als noch vor einem Jahr. Von Analystenseite betrachtet neben Frederike Herkommer zurzeit nur Enno Balz von der Gontard & Metallbank den Wert. Er stuft ihn als unterbewertet ein. In puncto Produktportfolio gilt Soft M als gut aufgestellt. "Mir gefällt die neue Soft M Suite sehr gut", so Frederike Herkommer. Diese Software wurde in diesem Jahr eingeführt und gilt wegen ihres günstigen Preises vor allem bei Mittelständlern als interessant. An Neukunden wurden zuletzt der Kaffeeröster Dallmayr oder Feinkost Käfer gewonnen.

Wenn auch die Aussichten eher von Zurückhaltung geprägt sind, können sich Aktionäre doch über einen Zuwachs in Depot freuen: Mitte Januar will Soft M einen Aktiensplitt von 1:3 durchführen.

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