Aktie unter der Lupe
Sparkurs gibt Conti-Aktie Auftrieb

Der Automobilzulieferer Continental scheint das Schlimmste überwunden zu haben. Analysten loben die gelungene Restrukturierung. Eine Aufnahme in den Dax halten sie allerdings für unwahrscheinlich.

DÜSSELDORF. Die Deutsche Bank hat in der vergangenen Woche 10,1 Millionen Aktien von Continental zu 14,10 Euro über die Börse verkauft. Doch der Kurs der Conti-Aktie fiel nicht. Im Gegenteil: Er stieg an diesem Tag zeitweise sogar um elf Prozent an. Wenn ein großes Aktienpaket eines Unternehmens über die Börse verkauft wird, gerät der Kurs des Unternehmens normalerweise unter Druck. Nicht so bei Continental.

Der Grund: Schon länger will sich die Deutsche Bank von ihren Industriebeteiligungen trennen. Deswegen rechneten Marktteilnehmer auch damit, dass die Deutsche Bank ihre Conti-Aktien loswerden will. Diese Furcht lastete auf den Conti-Aktien. "Mit der Bekanntgabe des Continental-Anteilsverkauf durch die Deutsche Bank fiel dieses Risiko für die Continental-Aktie weg", sagt Rolf Woller, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank (HVB Group).

Zudem wurde spekuliert, dass Continental nun Chancen habe, in den Deutschen Aktienindex (Dax) aufgenommen zu werden. Denn der Streubesitz ("Free Float") des Titels erhöhte sich durch den Verkauf der Deutsche Bank-Anteile. Und bei der Indexgewichtung legt die Deutsche Börse Kriterien wie Marktkapitalisierung und Streubesitz an.

Analysten sind allerdings skeptisch, ob Continental - 1996 aus dem Dax in den MDax abgestiegen - wirklich ein heißer Kandidat für den Dax ist. Heute Abend wird die Deutsche Börse über die Zusammensetzung des deutschen Leitindex entscheiden. "Ich glaube nicht, dass das zur Zeit ein realistisches Szenario ist", sagt Patrick Juchemich, Analyst bei Sal. Oppenheim. "Eher rückt die Deutsche Börse in den Dax auf." Zudem sei der Streubesitz bei Continental schon vor dem Beteiligungsverkauf der Deutschen Bank sehr hoch gewesen. Auch sein Kollege Fabian Kania von Helaba Trust hat so seine Zweifel. "In trockenen Tüchern ist das alles noch lange nicht. Außerdem sind mit Daimler Chrysler, BMW und Volkswagen ohnehin schon viele Autowerte im Dax vertreten. Deswegen könnte sich die Deutsche Börse durchaus für einen Wert aus einer anderen Branche entscheiden", meint Kania.

Aber auch ohne einen Aufstieg in die erste Börsenliga kann sich die Conti-Aktie nach Meinung von Analysten durchaus sehen lassen. Die Zahlen für das dritte Quartal, die der weltweit viertgrößte Reifenhersteller Ende Oktober vorstellte, sprachen für sich. "Continental hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres bereits das geschafft, was sich das Management für das ganze Jahr vorgenommen hatte", sagt Helaba-Analyst Kania. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und planmäßigen Goodwill-Abschreibungen stieg von 309 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum auf 547 Mill. Euro in den ersten neun Monaten dieses Jahres. Finanzvorstand Alan Hippe kündigte außerdem für dieses Jahr "wieder eindeutig schwarze Zahlen und eine angemessene Dividende" an. Die musste 2001 zum Leidwesen der Aktionäre ausfallen.

"Die Quartalszahlen waren sehr gut. Es ist beeindruckend, wie schnell Continental es geschafft hat, den Reifenbereich durch die Restrukturierung auf eine klare Linie zu bringen", sagt HVB-Analyst Woller, der ein Kursziel von 21 Euro angibt. Noch sei die Restrukturierung zwar nicht abgeschlossen, die Verbesserungen seien aber schon deutlich sichtbar. Die Hannoveraner verbesserten die Kostenstruktur im Reifenbereich, indem sie teure Standorte in Westeuropa schlossen und Kapazitäten auf kostengünstigere Standorte in Osteuropa verlagerten. Zudem spreche die Bewertung für die Conti-Aktie, sagt Kania. "Vergleicht man das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Continental mit dem anderer Automobilzulieferer, ist die Conti-Aktie recht günstig."

Die guten Zahlen dürfen allerdings nicht über die Risiken hinwegtäuschen. "Ein Sorgenkind bleibt Nordamerika", sagt Woller. Dort verläuft das Reifengeschäft nicht gerade befriedigend für Continental. Helaba-Analyst Kania ist der Meinung, dass Gewinnsprünge wie dieses Jahr im nächsten Jahr nicht unbedingt wieder drin sind. "Die Rohstoffpreise sind gestiegen und die Automobilhersteller könnten verstärkt Kostendruck auf die Zulieferer ausüben, so dass deren Margen etwas leiden", sagt Kania.

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