Aktie unter der Lupe
Sportausrüster Nike kämpft gegen Billiganbieter

Der Kurs der Aktie ist fast pausenlos auf Talfahrt. Analysten halten sich mit Empfehlungen angesichts der schweren Marktlage zurück.

NEW YORK. Nike hat sich in den vergangenen Quartalen den Ruf erworben, mit seinen Bilanzen die Schätzungen der Experten weit hinter sich zu lassen. Am kommenden Mittwoch wird der Sportartikelhersteller aktuelle Zahlen präsentieren. Doch trotz der guten Vorlagen sind Anleger zurzeit noch skeptischer als die Analysten. Seit April ist der Kurs fast pausenlos auf Talfahrt. Gestern bewegte er sich nur rund 1 $ über dem bisherigen Jahrestief von 40,50 $ - rund ein Drittel unterhalb der Jahreshöchststände.

Nike hat ein raues Vierteljahr hinter sich. Wie die Konkurrenz kämpfte auch das Branchenschwergewicht mit schleppenden Verkäufen. "Die Händler haben im August vor allem unter dem ungewöhnlich warmen Wetter gelitten, und die traditionellen Verkaufsaktionen zum Schulbeginn sind auch nur langsam angelaufen", erklärt Analystin Teresa Meyer von der Investmentbank D.A. Davidson. Zudem: Wenn das Geld knapp ist, greifen die Kunden eher zu Billigprodukten statt zu Markenartikeln. "Im vergangenen Monat haben die Discount-Anbieter erneut die größten Profite eingefahren", sagt Mayer.

Nike als weltgrößten Sportschuhhersteller trifft dieser Trend besonders hart. Deswegen bewertet Meyers die Aktie aktuell nur mit "Neutral". Zudem bezweifeln einige Experten, dass sich im Weihnachtsgeschäft verlorenes Terrain zurückholen lässt. Kaufanreize seien zurzeit dünn gesät und die Vergleichszahlen vom Vorjahr relativ hoch, erklärt etwa Analyst David Campbell vom Bankhaus Davenport.

Die Konkurrenz der Billigprodukte bekam Nike auch an anderer Stelle zu spüren. Es gibt Querelen mit dem Sportschuh-Einzelhändler und bislang größten Kunden Foot Locker. Auch hier ist der Preisdruck in schuld. Foot Locker steuerte im vergangenen Jahr mehr als ein Zehntel zum Nike-Umsatz bei. Doch vor einigen Monaten kürzte der Einzelhändler seine Bestellungen bei Nike drastisch, um mehr Schuhe der mittleren Preisklasse anbieten zu können. Analyst Brian McGough von Morgan Stanley zeigt Verständnis: "Im vergangenen Jahr hat Nike mit dem 200-$-Produkt Air Jordan seinen bislang teuersten Schuh auf den Markt gebracht - genau zu der Zeit, als die US-Wirtschaft in die Rezession eintauchte und preisbewusster wurde."

Sein Kursziel und die Gewinnschätzungen der kommenden Jahre hat McGough auf Grund der aktuellen Probleme nach unten revidiert. Dennoch rät er Anlegern bei den momentan günstigen Kursen zum Übergewichten der Aktie. "Der Leerraum durch die wegfallenden Foot-Locker-Aufträge wird spätestens in zwei Quartalen wieder gefüllt sein. Wir sehen jetzt schon, dass Nike bei anderen Einzelhändlern aggressiv Platz gewinnt." Er rechnet damit, dass Nike in jedem der drei kommenden Quartale wieder Boden zurück erobert: "Das Schuhgeschäft ausgenommen - laufen die restlichen 68 % des Unternehmens auf allen Zylindern." Mit seiner positiven Bewertung steht McGough nicht allein. Von 15 Analystenurteilen, die die Nachrichtenagentur Bloomberg zu Nike auflistet, raten 13 zum Kauf, zwei zum Halten der Aktie.

Positiv könnte sich nach Expertenmeinung im Übrigen die Fußball-Weltmeisterschaft auf die Bilanz auswirken. Als Ausstatter der Überraschungsteams USA und Süd-Korea und des Titelgewinners Brasilien mit ihrem Superstar Ronaldo könnte Nike im wichtigen Fußball-Geschäft Boden gut gemacht haben, erwarten einige Analysten. Bereits vor dem Anpfiff Ende Mai habe sich die WM in den Bilanzen des vergangenen Quartals positiv niedergeschlagen, sagt Teresa Meyer: "Vor allem den internationalen Verkäufen dürfte das auch diesmal auf die Sprünge geholfen haben."

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