Aktie unter der Lupe
Springer-Aktien leiden unter Anzeigenflaute

Analysten setzen auf einen zweiten Börsengang des Axel Springer Verlags. Er soll die Aktie beleben. Mit einem Streubesitz von unter zehn Prozent ist das Papier zurzeit für Großanleger zu unattraktiv.

DÜSSELDORF. Der Weg für die Platzierung eines Aktienpakets von 40 % am Springer-Verlag ist frei. Die Deutsche Bank erhielt von den so genannten Formel-1 Bayerische Landes Bank, -Banken Lehman Brothers und JP Morgan Chase grünes Licht, die Verlags-Aktien am Kapitalmarkt zu verkaufen. Das war die Voraussetzung für die Deutsche, um das Paket breit gestreut bei Investoren platzieren zu können. Die Springer-Aktien dienten dem Frankfurter Institut als Sicherheit für einen Kredit über 720 Mill. Euro an die Kirch-Gruppe. Nachdem die Schuld nicht beglichen wurde, will die Deutsche Bank nun das Paket verwerten.

Die Analysten von HSBC Trinkhaus & Burkhardt halten eine Platzierung der Springer-Aktien am Kapitalmarkt für die beste Lösung. Der Konzern befreie sich nicht nur aus dem Griff von Medienpatriarch Leo Kirch, Springer könne künftig auch den Kapitalmarkt leichter in Anspruch nehmen. "Bei einem höheren Free Float würden viel mehr Anleger die Aktie beachten", erklärt Markus Wallner von HSBC. Bei einem Streubesitz von weniger als 10 % wollten viele Investoren nicht einsteigen, obwohl Springer als größter Zeitungsverlag in Europa ein sehr interessantes Unternehmen sei. "Großanleger interessieren sich vor allem für Unternehmen, von denen sie Aktienpakete kaufen und verkaufen können. Deshalb ist der Handel bei Springer nicht so rege", sagt ein Aktienanalyst.

Zudem darf nicht jeder Springer-Aktionär an der Hauptversammlung teilnehmen und mit abstimmen. Denn die Springer-Papiere sind vinkulierte Namensaktien. Das bedeutet, dass ein Eintrag ins Aktienregister nur mit Zustimmung des Vorstands erfolgt.

Eine Platzierung des Springer-Pakets an der Börse hätte erst einmal keinen großen Einfluss auf den Kurs, meint Analyst Wallner. HSBC fällt für die Aktie des Medienunternehmens das Urteil "reduzieren" - Kursziel 60 Euro. Die aktuelle Notierung liegt mit 58 knapp darunter. "Das Springer-Papier wird sich allein wegen der Platzierung nicht verteuern. Erst einmal muss Springer wieder schwarze Zahlen schreiben. Das Unternehmen musste im vergangenen Jahr erstmals in der Firmengeschichte einen Verlust von 198 Mill. Euro beklagen", sagt Wallner. Die Aktionäre gingen bei der Dividende für das vergangene Geschäftsjahr deshalb leer aus.

Der Umsatz fiel 2001 um 1,3 % auf knapp 3 Mrd. Euro. "Von Rückgängen bei Werbeeinnahmen waren Zeitschriften noch stärker betroffen als Fernsehsender", erklärt Jan Herbst, Analyst für Medienunternehmen bei Sal. Oppenheim. Da im Jahr 2000 wegen der boomenden Börsen und der Privatisierungen besonders viele Anzeigen geschaltet worden seien, hätten die Unternehmen den Rückgang im Jahr 2001 besonders gespürt. Wegen der anhaltenden Flaute auf dem Anzeigen- und Werbemarkt senkte der Verlag auch seine Umsatzerwartungen für das laufende Jahr. Auf der Bilanzpressekonferenz in der vergangenen Woche teilte Vorstandschef Mathias Döpfner mit, dass ein Anstieg des Umsatzes in diesem Jahr nur schwer erreichbar sei.

"Wann die Flaute im Anzeigengeschäft vorbei ist, ist schwer zu sagen", erklärt Herbst von Sal. Oppenheim. Es könne sogar zu einem weiteren Rückgang in diesem Jahr kommen. Eine Erholung erwartet Herbst frühestens Anfang kommenden Jahres.

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